Warnung ignoriert: Inn unterschätzt

von Redaktion

Unterhalb eines Wehrs ist es gefährlich

Griesstätt/Vogtareuth/Landkreis – Das Beispiel von Mutter und Tochter, die in der Nacht zum Montag in ihrem Wohnmobil fast im rasch steigenden Inn ertrunken wären (wir berichteten), zeigt: Die Naturgewalt des Flusses darf nicht unterschätzt werden. Selbst Menschen wie die gerettete Sophia S. aus Griesstätt, die am Fluss aufgewachsen ist und ihn gut kennt, können von der Kraft der Wassermassen überrascht werden.

Inn kann rasch um zwei Meter steigen

Fischereiaufseher Hermann Freese hatte Mutter und Tochter, die im Wohnmobil am Ufer übernachten wollten, noch gewarnt: „Fahrt’s weg.“ Schließlich habe es eine Unwetterwarnung gegeben. Der Inn könne bei Starkregen innerhalb weniger Stunden um fast zwei Meter ansteigen – vor allem, wenn viel Treibholz auf dem Wasser mitgetrieben werde, das zu Aufstauungen führe. In der Nacht zum Montag sei sehr viel Holz auf dem Wasser in Bewegung gewesen, erinnert sich Freese, der als staatlich geprüfter Fischereiaufseher für den Kreisfischereiverein tätig ist.

Sophia S. räumt ein: „Ich habe die Lage unterschätzt.“ Sie hatte zwar daheim noch auf ihre Wetter-App geschaut, diese habe für den Bereich Griesstätt/ Vogtareuth Regen, aber kein Unwetter gemeldet. Die Österreich-App dagegen habe eine Warnung ausgesprochen, hat die Griesstätterin mittlerweile erfahren. Sie hat das Unglück bis auf leichte äußerliche Verletzungen gut überstanden – ebenso ihre Tochter und das ungeborene Kind.

Andreas Maurer, Technischer Leiter der Wasserwacht beim BRK-Kreisverband Rosenheim, appelliert ebenfalls dafür, fließende Gewässer wie den Inn nicht zu unterschätzen. „Viel Regen – viel Kraft“, sagt er zur Gewalt von Wassermassen des Inns.

Grundsätzlich trete der Inn selten über die Ufer – dank der vielen Hochwasserschutzmaßnahmen der vergangenen Jahre. Die meisten Zufahrten seien im Landkreis außerdem gesperrt oder aufgrund von Privatbesitz nicht zugänglich, so Maurer. Unterhalb eines Wehrs zu übernachten, sei jedoch gefährlich. Denn die Schleusen würden bei Bedarf geöffnet, der Pegel könne dann in diesem Bereich schnell ansteigen. Maurer warnt generell davor, mit Fahrzeugen in der Dunkelheit nah an Uferzonen heranzusteuern. Es bestehe die Gefahr, abzurutschen oder sich festzufahren. Grundsätzlich hätten Fahrzeuge auch aus Umweltgründen zu nah an Gewässern nichts verloren. duc

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