Mühldorf/Rosenheim – Der Lokführermangel bei der Südostbayernbahn (SOB) erwischt Bahnreisende an den August-Wochenenden. Zwischen Burghausen und Simbach wird während der Sommerferien aus dem Stundentakt ein Zweistundentakt, auf der Bahnstrecke zwischen Rosenheim und Mühldorf fällt an sechs Wochenenden der Zug aus, der um 6.52 Uhr ab Wasserburg Richtung Mühldorf fährt. Das teilte die Bahn jetzt mit. Es fährt ein Ersatzbus. Die anderen Zugverbindungen auf dieser Strecke funktionieren laut Bahn nach Plan.
Hintergrund des Ausfalls ist nach Angaben eines Bahnsprechers der Mangel an Lokführern, der die SOB schon länger bewegt. „Bis jetzt ist es uns gelungen, außerhalb der Ferienzeit alle Schichten zu besetzen“, sagte Bahnsprecher Bernd Honerkamp. Das sei in der Zeit, in der auch Lokführer Urlaub machten, nicht möglich.
Aus Bubentraum
wird Mangelberuf
Er ist sich mit Blick auf die Bahnreisenden sicher: „Die Ausfälle in den Ferien sind zu verkraften.“ So reiche auf der Rosenheimer Strecke ein Bus.
Seit Jahren wirbt die SOB um Quereinsteiger, die statt der regulären, dreijährigen Lokführerausbildung, an einer neunmonatigen Umschulung teilnehmen. Denn aus dem Bubentraum Lokführer ist längst ein Mangelberuf geworden. „Wir bilden seit zehn Jahren an der Obergrenze aus“, betont SOB-Chef Christoph Kraller, allein, es reicht nicht. „Der Fachkräftemangel hat uns voll erwischt.“
Woran das liegt, ist auch Bahnsprecher Honerkamp ein Rätsel. „Das fragen wir uns auch.“ Das häufig genutzte Argument der Belastung aus dem Schichtdienst spiele wohl eine Rolle. Zur offenkundig fehlenden Attraktivität des Lokführerberufs kommt ein spezielles Problem der SOB, das Geschäftsführer Kraller unlängst deutlich machte: Das Netz der SOB ist in den vergangenen Jahren massiv gewachsen, von 4,4 Millionen Zugkilometern im Jahr 2003, auf heute 7,5 Millionen.
Zuletzt kam die Einführung des Stundentakts nach Salzburg dazu, er brachte 480000 Zugkilometer zusätzlich. Deshalb ist Krallers Gefühlswelt zweigeteilt: „Das ist ein langjähriger Wunsch“, sagt er, aber auch: „Wir laufen permanent hinterher.“