Hells Angels: Ganz klar kriminell

von Redaktion

Tuntenhausen – Sie sind alles andere als harmlos: die Rocker der Hells Angels, die sich mit einem „Charter Rosenheim“ im kleinen Ort Schönau eingerichtet haben. Die Einweihung der neuen Dependance hatte bereits für Aufsehen gesorgt. Auch aufgrund der hohen Polizeipräsenz. Angst und Unsicherheit breiteten sich aus.

Jetzt sprach auch die Polizei Klartext: Es handelt sich bei den Hells Angels Rosenheim definitiv um keinen „08/15-Motorradfahrerclub“. Ganz im Gegenteil: Die Truppe ist durchaus kritisch zu sehen – insbesondere in Hinblick auf den kriminellen Hintergrund. Diese doch sehr deutlichen Worte fand Dr. Walter Buggisch, Leitender Kriminaldirektor im Polizeipräsidium Oberbayern, auf der Infoveranstaltung für die Bürger von Schönau in der Mehrzweckhalle.

Schönau: Kein Bordell, kein Drogenhandel

Und das Interesse war groß: Die Bestuhlung reichte bei Weitem nicht aus, zusätzliche Stühle mussten herangeschafft werden, Nachzügler mussten sich mit Stehplätzen begnügen. Dennoch blieben nahezu alle bis zum Schluss – hatte die Polizei doch hochinteressante Informationen zu den kriminellen Hintergründen der Hells Angels mit im Gepäck. Zeigte Strukturen auf. Und gab gleichzeitig auch Entwarnung: Niemand muss sich in Schönau unsicher fühlen. Prostitution, Bordell und Drogenhandel werden im Dorf wohl keine Rolle spielen. „Wenn, dann sind diese Kreise im Großhandel tätig, nicht im Kleinhandel vor Ort in Schönau“, schlüsselte der Kriminaldirektor auf.

Und dennoch waren es diese Begriffe, die die Schönauer aufhorchen ließen: illegale Prostitution, Zuhälterei, Drogenhandel. Das sind offenbar alles Felder, auf denen die Hells Angels aktiv sind. „Diese Erkenntnisse haben wir, und dafür sind die Hells Angels auch bekannt“, unterstrich Buggisch.

Organisierte Kriminalität – unter diesem Vorzeichen hat auch der Bayerische Verfassungsschutz die Hells Angels im Visier. Denn während es durchaus harmlose Clubs gibt mit Treffen und gemeinsamen Motorradausfahrten („Rides“), fallen andere laut Verfassungsschutzbericht durchaus durch „kriminelle Aktivitäten“ auf. Martialisches Auftreten, strenge Hierarchie und abgeschottetes Gruppenverhalten, so beschreiben die Verfassungsschützer die klassischen Rockergruppierungen.

Durchaus kriminelle Hintergründe sieht das Polizeipräsidium Oberbayern auch beim neu gegründeten „Charter“ (Ortsgruppe) Hells Angels Rosenheim. Zumindest, was die Führungsriege angeht. „Hier sind einige dabei, die schon kriminell aktiv waren“, betonte Buggisch. Teils hätten diese führenden Köpfe Haftstrafen abgesessen. Und: Bei eben diesen durchaus kriminellen Hells Angels handle es sich nicht um „Zuagroaste“ aus München, sondern ganz klar um Mitglieder aus Rosenheim und der Region.

Und, wie in diesen Kreisen üblich: Auch die Rosenheimer Hells Angels sind offenbar gut vernetzt. Ihre Verbindungen, so die Erkenntnisse der Polizei, reichten bis in die Clans in Norddeutschland. Entsprechend alarmiert waren die Beamten deshalb, als die „Einweihung“ des neuen Vereinsheims in Schönau bekannt wurde. Was sich letztendlich als Treffen von Hells-Angels-Größen aus dem gesamten süddeutschen Raum und darüber hinaus erwies. Deshalb auch die groß angelegten Polizeikontrollen mit rund 150 Einsatzkräften, vier Kontrollpunkten auf den Zufahrtsstraßen, wo auch Beamte mit Maschinengewehr nicht fehlten.

Hells Angels
und Prostitution

Und wie Buggisch jetzt betonte: Dieser Einsatz hatte sich gelohnt. „Wir haben viele sehr interessante Erkenntnisse aus diesen Vorkontrollen gewonnen, die uns nun auch die bundesweiten Verbindungen bis nach Norddeutschland bestätigen.“

Ein weiteres Beispiel: So sei man bei den Kontrollen der – vorwiegend mit Autos – anfahrenden Rocker unter anderem auf zwei Prostituierte gestoßen. Und dabei seien den Beamten deren Tattoos ins Auge gestochen: „Property of Michael 81“ hatten beide eintätowiert. Die eine auf dem Arm, die andere im Gesicht. Übersetzt heißt das: Die beiden sind offenbar „im Besitz“ eines gewissen Michael. Und dieser scheint ein Hells Angel zu sein – worauf wiederum die „81“ hindeutet. Dabei handelt es sich Experten zufolge um einen Code der Rocker. Die „8“ steht in diesem Fall für „H“, die „1“ für „A“ – und damit die Hells Angels. „Dass es sich hier um keine harmlosen Typen handelt, dürfte nachvollziehbar sein“, führte Buggisch aus. Für die Polizei ein klares Indiz: Hier handelt es sich um Zuhälterei. „Damit ist auch ersichtlich, mit welchem Menschenbild wir es zu tun haben.“

Sein Fazit: Die Hells Angels sind alles andere als harmlos. Und in keinem Fall so harmlos, wie sie selbst versuchten, sich darzustellen, ergänzte der Kriminaldirektor. Insbesondere auch in Hinblick auf eine gewisse Lagerfeuerromantik, mit der die Rocker schon mal in Verbindung gebracht werden. „Diesen Verharmlosungstendenzen will ich klar wiedersprechen.“ Und weiter: „Deshalb das konsequente Vorgehen von uns als Polizei.“

Sollte sich eine neue Großveranstaltung diesen Ausmaßes ankündigen, werde man ein weiteres Mal entsprechend präsent sein, versicherte Buggisch auf Nachfrage aus dem Publikum. Er kündigte zudem regelmäßige Streifenfahrten an. Sollte dennoch ein Bürger das Gefühl haben, dass der Polizei etwas entgangen sei, „genügt ein Anruf unter 110, wir sind dann umgehend vor Ort“.

Angst und Unbehagen beherrschen den Ort

Bei den einen Angst, bei den anderen Unbehagen, diese Gefühle beherrschen dennoch den Ort. „Subjektiv verständlich, objektiv gibt es dafür aber keinen Grund“, befindet dazu Buggisch. Hier in Schönau werden die Hells Angels nach Einschätzung der Polizei versuchen, unter dem Radar zu bleiben. „Wenn sie auf ihren Geschäftsfeldern tätig werden, dann nicht in Schönau.“

Darauf hofft auch Tuntenhausens Bürgermeister Georg Weigl, der einmal mehr betonte, dass man diese Art eines Motorradclubs nicht tolerieren wolle. „So etwas brauchen wir hier nicht.“ Des Weiteren wusste der Rathaus-Chef von den Bemühungen des Vermieters des Treffs, der in den Räumen der ehemaligen Dorfmetzgerei untergebracht ist, das Mietverhältnis mit den Rockern wieder aufzulösen. „Er hat eingesehen, dass es offensichtlich ein Fehler war.“

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