„Keine Trinkerszene“ vorhanden

von Redaktion

Behörden halten Alkoholverbot an Bahnhöfen im Landkreis für unnötig

Rosenheim/Wasserburg/Prien/ Bad Aibling – Leere Bierflaschen als Stolperfallen auf Treppenabgängen, Pöbeleien zwischen Betrunkenen und Lachen aus Erbrochenem, die Alkoholisierte nach dem ein oder oder anderen Bier zu viel hinterlassen haben die Stadt München jetzt dazu bewegt, am Hauptbahnhof ein ganztägiges Alkoholverbot einzuführen.

Auch am Rosenheimer Bahnhof musste die Bundespolizei erst am Mittwoch einschreiten, nachdem ein 33-jähriger Oberaudorfer bereits zur Mittagszeit stark angetrunken durch die Gegend torkelte. Die Polizei nahm ihn letztlich nach eigenen Angaben zu seinem Schutz in Gewahrsam.

Bundespolizei

sieht keine Probleme

Doch bei dem Oberaudorfer scheint es sich eher um einen Einzelfall zu handeln, wie nicht nur die Polizei gegenüber den OVB-Heimatzeitungen bestätigte. „Sicher kommt es immer wieder vor, dass wir einzelne, alkoholisierte Personen aufgreifen“, sagt Rainer Scharf, Sprecher der Rosenheimer Bundespolizei. Dennoch sieht er darin keine große Problematik. Wie auch Christian Schwalm, Sprecher der Stadt Rosenheim: „Am oder rund um den Bahnhof gibt es derzeit kein Problem mit überhandnehmenden alkoholbedingten Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten, das ein Alkoholverbot notwendig machen würde.“

Zu „Stoßzeiten“ wie während des Rosenheimer Herbstfestes oder um die Zeit des Münchner Oktoberfestes käme es zwar „vermehrt zu Auffälligkeiten und einer verstärkten Polizeipräsenz“. Die „großen Probleme“ blieben aber auch dann in der Regel aus. Scharf: „Der Großteil sind Pöbeleien. Und das sind auch lediglich Einzelfälle.“ Insgesamt sei die Bundespolizei aktuell deutlich mehr grenzpolizeilich als bahnpolizeilich gefordert, so der Sprecher weiter.

Einschätzungen, die sich auch mit den Erfahrungen der Kommunen decken. Am Bahnhof der Chiemsee-Gemeinde Prien beispielsweise, in der gerade jetzt in der Hochsaison täglich Hunderte Touristen ankommen, ist Alkohol in jüngerer Vergangenheit kein Problem. Das bestätigen übereinstimmend Andreas Hell, Geschäftsleiter der Marktgemeinde, und Karin Walter, kommissarische Leiterin der örtlichen Polizeiinspektion.

„Natürlich sitzen ab und zu ein paar zusammen und trinken eine Halbe“, weiß Walter, aber alkoholbedingte Zwischenfälle sind nicht aktenkundig. Seit einigen Monaten ist auch die neue Priener Sicherheitswacht an Wochenenden regelmäßig bei ihren Streifengängen am Bahnhof präsent.

Mit drei Promille

am Bahnsteig

Ein ähnliches Bild ergibt sich rund um Wasserburg. Da musste die Polizei letztmalig im März wegen einer alkoholisierten Person ausrücken. In Reitmehring war ein Mann eingetroffen, der im Zug eingeschlafen war und den nächsten Zug nach München suchte. Wegen seines hohen Alkoholpegels von beinahe drei Promille und der kalten Nacht wurde er nach Angaben der Polizei damals zu seinem eigenen Schutz in Gewahrsam genommen.

„Das war eine Bagatelle. An unserem Bahnhof gibt es keine Feiern oder größere Exzesse“, sagt Thomas Rothmaier, Geschäftsstellenleiter der Stadt Wasserburg, gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.

Daher denke die Stadt auch nicht über ein Alkoholverbot rund um den Bahnhof nach. Dazu müsste man zunächst eine rechtliche Grundlage finden, die Definition des „Gebietsumgriffes“ festlegen und einen Stadtratsbeschluss fassen. Dies sei nicht geplant.

Von einem Alkoholverbot rund um den Bahnhof ist auch die Aiblinger Stadtverwaltung weit entfernt: „Wenn es da etwas gäbe, würde das ja auf alle Fälle auch bei uns landen, aber da gibt es absolut nichts zu berichten“, sagt Edith Wendlinger vom städtischen Ordnungsamt. Die Probleme, mit denen die Stadt zu kämpfen habe, lägen derzeit schwerpunktmäßig am Mangfalldamm, wo am Abend Feiernde Müllberge hinterlassen und durch Lärm die Anwohner belästigen.

Hausherr Bahn plant keine Maßnahmen

So können Pendler, die ihren Feierabend mit einem Bier am Bahnsteig einleiten wollen, sich wohl auch in Zukunft in der Region mit einer Halben zuprosten. Denn auch die Bahn – Hausherr und Besitzer der meisten Bahngebäude – sieht den Konsum an Bahnhöfen im Landkreis entspannt.

Schließlich gäbe es in der Region Rosenheim „keine Trinkerszene“, so ein Bahnsprecher, weshalb ein sogenanntes Alkoholkonsumverbot auch nicht auf der Agenda stehe. „Da es keine Auffälligkeiten im Landkreis gibt, sind weder Maßnahmen in Kraft noch welche geplant“, so der Bahnsprecher. tkh/db/hei/kla/el

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