Stier Gerhard im Baumarkt

von Redaktion

Weide? Pfffff – laaaangweilig! Dachte wohl Stier Gerhard und machte sich auf den Weg. Neun seiner Ladys im Schlepptau. Den Weg nicht kennen, aber nicht fragen wollen – typisch Kerl. Also trabte Gerhard bis in den Baumarkt. In die Grillabteilung – typisch Kerl eben.

Raubling/Pfraundorf – „Ich glaub‘, mich tritt ein Pferd!“, dachte sich vielleicht der eine oder andere Kunde im Baumarkt, während der Mitarbeiter sein Schwein pfeifen hörte. Daneben lagen sie beide: Es war Stier Gerhard, der sich seinen Weg durch den Baumarkt am Inntalstern bahnte, durch den Kassenbereich schnurstracks und ganz entspannt Richtung Grillzubehör trabte.

Der Sprecher der Polizeiinspektion Brannenburg kann auch einen Tag später noch herzhaft lachen, als er von Gerhards Ausflug am Samstagnachmittag erzählt. „Die haben wohl den Baumarkt mit dem heimatlichen Stall verwechselt“, kommentiert der Polizist.

Schallendes Gelächter bei der Polizei

Ausgebüxte Rindviecher werden der Polizei immer mal wieder gemeldet, deswegen sei sich bei der Alarmierung auch niemand verschaukelt vorgekommen, sagt der Polizist, aber auch bei ihm und seinen Kollegen sei schallendes Gelächter gewesen, als es hieß, Gerhard sei im Baumarkt ausgerechnet Richtung Grill unterwegs. Die Rosenheimer Kollegen, zur Rinderjagd hinzugerufen, reagierten ähnlich.

„Dahoam auskema?“ wollte Alex S. über die FacebookSeite der OVB-Heimatzeitungen wissen, Andreas G. beruhigte sie: „Na, san olle no do.“ Die Polizei vermutete den benachbarten Bauernhof als Heimat von Gerhard und seinen Ladys. „Sie haben als Erstes bei uns angerufen und vermutet, dass die ausgekommenen Kühe von uns sein könnten“, so Bauer Georg Dinzenhofer junior. „Na, na meine Küh’ san des net, de brechan net aus und an Stier hob i net“, stellte der gleich klar und konnte schnell aufklären, woher die neun Kühe und der Stier stammen.

Nämlich vom Fischbacher Hof in Raubling-Staudach, den Tobias und Andrea Blanc bewirtschaften. Während die Landwirte telefonierten, machte sich Stier Gerhard gemächlich auf seinen Rundgang. „Herrlich, wenn das Steak selbst zum Grill kommt“, albert Maxi J. auf der OVB-Facebook-Seite. Als Nicole S. dort ernsthaft fragte, warum die Kuh – dass Gerhard ein starker Stier ist, ist an den Hörnern eher schlecht zu erkennen – im Baumarkt ist, kommentierte das Thomas A. mit einem trockenen „Einkaufen – was sonst?“

Ein Mitarbeiter stellte sich Gerhard schließlich in den Weg, woraufhin der friedfertig kehrt machte und Richtung Selbstbedienungshalle abtrabte. Denn da warteten schließlich seine Damen auf ihn – übrigens die beste Garantie, dass ein Stier sich gut benimmt. Die Kühe hatten die zwei Brannenburger und vier Rosenheimer Polizisten derweil zusammengetrieben und warteten auf Tobias Blanc. Mehr hatten sie nicht zu tun, Gerhard hinterließ nämlich bei seinem Ausflug keinerlei Schäden im Baumarkt.

„Als ich mit dem Viehwagen ankam, waren sie beim benachbarten Firmenparkplatz vorzufinden. Wie sie aus der Weide, die in der Nähe des Baumarktes liegt, ausbrechen konnten, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen“, so Blanc.

Die Einzäunung war nach seiner Aussage vorher in Ordnung und hatte nun eine niedergetretene Stelle, „ohne irgendeine Aufregung brechen die Rinder nicht aus“, ist Blanc überzeugt. Nachdem viele Hunde freilaufend in der Gegend unterwegs seien, halte er es nicht für ausgeschlossen, dass sie von einem aufgeschreckt wurden“, so der erfahrene Landwirt. Irgendetwas müsse sie ja schließlich in „Aufbruchstimmung“ gebracht haben.

Aber vielleicht wollte Gerhard ja auch nur wissen, ob im Baumarkt am Inntalstern tatsächlich „Alles in… “ ist, wie es die Werbung verspricht. Jetzt steht der Ausreißer wieder auf seiner Weide, genießt die Gesellschaft seines Harems und mampft gemütlich vor sich hin. Denn, wie der Brannenburger Polizist treffend bemerkte: Gerhard „ist, Gott sei Dank, ein ganz lieber Stier.“

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