Trassen-Pläne: Sorgen sind groß

von Redaktion

Brenner-Nordzulauf Deutsche Bahn mit Bilanz – So geht es weiter

Rosenheim – Die Sorgen und Ängste der Bürger sind groß, wenn es um den Brenner-Nordzulauf geht. Muss mein Haus einer Neubautrasse weichen? Klafft beim Tunnelbau ein riesiges Loch im Ort?

Diesen und weiteren Befürchtungen stellten sich die Vertreter von Deutscher Bahn und ÖBB in insgesamt 16 Infoveranstaltungen quer durch den Landkreis. Und sie stellten klar: Nein, es muss sicherlich kein Haus Platz für die Bahntrasse machen. Und nein, im Siedlungsraum wird der Tunnel gebohrt und nicht oberirdisch gebaut.

Bilanz: 4000 Bürger
informierten sich

Alles in allem: Von Kiefersfelden bis Schechen, von Kolbermoor bis Stephanskirchen – das Interesse war groß. An die 4000 Bürger informierten sich vor Ort über die fünf Grobtrassenentwürfe. Sie studierten Schautafeln, klickten sich durch interaktive Monitore, um die Auswahlkriterien zu ergründen – und löcherten die Planer mit Detailfragen.

Dabei waren die Sorgen und Nöte von Gemeinde zu Gemeinde höchst unterschiedlich – und manchmal auch gar nicht erst vorhanden, wie DB-Projektleiter Torsten Gruber Bilanz zog.

Denn: Der Planungsraum ist seinen Worten zufolge hinsichtlich Meinung und Notwendigkeit des Großprojektes dreigeteilt. Im Inntal herrsche eine überwiegend positive Stimmung vor, zumal im Süden weite Strecken im Tunnel verliefen. Sorgen bereiten hier nur Verknüpfungsstellen und mögliche Bahnhofsverlegungen. „Im Inntal spürt man die Belastung durch den Verkehr am meisten“, weiß Gruber. Deshalb bestünden auch kaum oder nur geringe Zweifel am Neubauprojekt.

Neutral bis positiv beurteilt der Projektleiter die Stimmung westlich des Inns, wo drei der fünf Grobtrassen vorgesehen wären. Sie würden sich an der Autobahnausfahrt Rosenheim-West vorbei nach Norden schlängeln. Im weiteren Verlauf ginge es zwischen Kolbermoor und Bad Aibling hindurch, westlich von Großkarolinenfeld träfe man auf die Bestandsstrecke. „Hier im Westen kennt man die Belastung aus dem Bestand, auch wenn die Strecke Großkarolinenfeld mal gesperrt ist und ausgewichen werden muss“, schätzt Gruber die Lage ein.

Der größte Widerstand: östlich des Inns. Hier wird der Bedarf einer Neubautrasse – eine der beiden östlichen Varianten wäre über weite Strecken untertunnelt – nach wie vor angezweifelt.

Die drei „Widerstandskämpfer“ Stephanskirchen, Riedering und Rohrdorf haben, wie berichtet, zusammen mit der Bürgerinitiative „Brennerdialog“ gar ein eigenes Gutachten angestoßen. Tenor: Der Ausbau der Bedarfsstrecke würde völlig ausreichen, ein Neubau wäre überflüssig.

Widerstand
setzt sich fort

Und eben dieser Widerstand geht weiter: Um Details über Grundwasserströme und Bodenverhältnisse zu erfahren, müsste die Deutsche Bahn weitere Erkundungsbohrungen durchführen. Wogegen sich die drei „gallischen Dörfer“ nun sperren. Streitpunkt: eine Handvoll Bohrungen in die Tiefe und um die 40 geophysikalische Messungen. Bei Letzteren wird über Schallwellen der Untergrund erkundet.

„Für beides brauchen wir das Einverständnis von Gemeinde oder Grundstückseigentümer, wenn sich der Bereich in Privatbesitz befindet“, so Gruber.

Doch in allen drei Gemeinden ist man sich offenbar einig, inklusive der Grundbesitzer: bei uns nicht.

Die Deutsche Bahn nimmt‘s gelassen. Keine der Trassen kann durch diese Art des Widerstands verhindert werden. Einzig ein paar Wochen Zeitverzögerung ließen sich rausschlagen, wie Projektleiter Gruber erklärt. Denn nun müsse man die Untersuchungen per Duldung über das Eisenbahnbundesamt erzwingen – was auch kommen wird.

Ein Einlenken, zumindest was die Bürgerinformation angeht, kommt indes aus Neubeuern. Bis dato auch in Sachen Widerstand ganz vorne mit dabei. Jetzt kam die Anfrage an die Deutsche Bahn: Ob nicht doch noch eine Infoveranstaltung im Ort möglich wäre. Natürlich, wird im Herbst nachgeschoben. Das sichert Gruber sogleich zu. Und freut sich, dass nun doch Raum und Zeit für die Bürgerinfo gefunden wird. Bis dato hatte sich die Bahn in Neubeuern nur Absagen eingehandelt.

In kleinen Schritten Richtung Neubautrasse – und dennoch zeigt sich die Deutsche Bahn hochzufrieden. Bei den Infoveranstaltungen habe man viel Feedback erhalten, davon rund 900 Rückmeldungen in schriftlicher Form, und vieles über örtliche Besonderheiten erfahren. „Alles Punkte, die wir in die weitere Planung miteinfließen lassen können“, so Gruber. Egal ob der Hinweis auf Siedlungsgebiete, auf Schülerpendelverkehre oder den berüchtigten Rosenheimer Seeton als problematischen Bauuntergrund im Westen – „für uns ist alles wichtig“.

Und auch eine ganze Menge Kritik mussten sich die Planer gefallen lassen: „Danke, dass wegen Euch meine Heimat kaputt gemacht wird“, hieß es beispielsweise aus Stephanskirchen.

Bis Ende 2020 soll Trasse feststehen

Die fünf Grobtrassen stehen – doch wie geht es nun weiter? Ziel der Deutschen Bahn ist, dass sich bis Ende 2020 eine noch verbleibende Trasse herauskristallisiert. Bis dahin wird die Planung vertieft, kritische Punkte werden betrachtet. Höhenverlauf, Bauwerke wie Brücken oder Tunnel werden im Fokus stehen. Und auch die Bauphase, die sicherlich über viele Jahre gehen wird, will die Bahn nicht außer Acht lassen. Wie bisher, versichert Gruber, sollen auch in Zukunft alle Schritte in den Gemeindeforen diskutiert und für die Bürger transparent dargelegt werden.

Parallel dazu soll die Bestandsstrecke durchs Inntal in den nächsten Jahren auf Vordermann gebracht werden: verbesserter Lärmschutz und Digitalisierung der bestehenden Strecke – um für die Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels ab 2027/28 und die zu erwartende Mehrbelastung gewappnet zu sein.

Denn mit Fertigstellung der Nordzulauf-Trasse rechnet die Deutsche Bahn keinesfalls vor 2038 – und bis dahin soll bestmöglich überbrückt werden.

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