Sechs Kälber vor Inferno gerettet

von Redaktion

Großbrand auf Bauernhof bei Edling: Eine Million Euro Schaden

Edling – „Zum Glück ist niemand verletzt worden, auch kein Tier“, atmet Bürgermeister Matthias Schnetzer am Tag nach dem Großbrand auf einem Hof in Anzenberg, bei dem etwa 170 Einsatzkräfte gegen die Flammen kämpften, auf. Der Seniorchef des landwirtschaftlichen Anwesens wurde vorsorglich mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht; er hatte einen leichten Schock erlitten.

Kälbchen schnell

in Sicherheit

Als er das Inferno sah, hatte er sich aufgeregt und Probleme mit dem Kreislauf, berichtet Schnetzer, der selbst seit Montagabend als Feuerwehrmann mit anpackte.

Die Brandursache ist noch unklar, die Kripo Rosenheim hat die Ermittlungen übernommen. Der Schaden ist enorm und wird vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf etwa eine Million Euro beziffert.

Die Sirene hatte um 19.29 Uhr geheult. Ein ehemaliger Stall war in Flammen aufgegangen. Sechs Kälber, die dort untergebracht waren, konnten schnell in Sicherheit gebracht werden. Die zahlreichen Feuerwehrleute konnten nicht verhindern, dass das Feuer auf zwei Anbauten übergriff.

Löscharbeiten

dauerten ganze Nacht

Der neugebaute Kuhstall liegt etwa zweihundert Meter weit entfernt. „Darum ging das mit den Tieren auch so gut aus, sonst wäre die Hektik hier größer gewesen“, sagt der Edlinger Kommandant im Gespräch mit den OVB Heimatzeitungen. Martin Berndl war ununterbrochen vor Ort. „Ich laufe auf Reserve, muss ein paar Stunden schlafen“, so Berndl am gestrigen Vormittag.

Er lobte die Unterstützung der umliegenden Kommunen, Bauhöfe und Feuerwehren. Die Edlinger Floriansjünger arbeiteten Hand in Hand mit den Feuerwehren aus Wasserburg, Attel-Reitmehring, Ramerberg, Pfaffing, Steppach, Grafing, Steinhöring und Ebersberg. Auch die Kreisbrandräte und -inspektoren waren im Einsatz, ebenso das THW, die UG Öl (Unterstützungsgruppe aus Kolbermoor), das BRK samt Notarzt und die SEG Verpflegung.

Die Löscharbeiten dauerten die ganze Nacht. Auch am Tag danach waren die Einsatzkräfte damit beschäftigt, die Glutnester im Heu auszumerzen. Dazu breitete ein Bagger das getrocknete Viehfutter breitflächig aus.

Brennendes Heu ist Herausforderung

Erwin Krutzenbichler von der Einsatzleitung erklärt, warum brennendes Heu für die Feuerwehr stets eine Herausforderung ist.

„Von außen sieht es so aus, als wäre es abgelöscht, doch im Inneren kokelt es weiter. Wasser kann nicht gut eindringen. Darum löschen wir mit einem leichten Schaummittel, vergleichbar mit Spülwasser – das nimmt dem Wasser die Oberflächenspannung und es dringt ein“, so Krutzenbichler. Bis dahin können die Glutnester immer wieder aufflammen. So werde es sich ein bis zwei Tage ziehen, bis die Gefahr restlos gebannt sei.

Vier Kilometer Feuerwehrschläuche

Rund vier Kilometer Schläuche der Einsatzkräfte wurden verlegt, allein aus dem Edlinger Feuerwehrhaus wurden 85 B-Schläuche gebraucht. „Das muss bis heute Abend alles auseinander gefieselt werden. Wir haben alles an Equipment draußen, was geht. Wir wären derzeit nicht einsatzfähig, sollte es jetzt woanders brennen“, so Kommandant Berndl.

Darum sei er so froh über die Unterstützung durch die Bauhöfe der Nachbargemeinden. „Die helfen beim Aufräumen der Schläuche und fahren sie zum Feuerwehrhaus. Wir müssen diese waschen und aufrollen und dann alles wieder aufrüsten“, erklärt Martin Berndl.

Derzeit entrümpelt ein Bagger mit Greifarm die Brandstelle. Verkohlte Balken, Bauschutt, ausgeglühte Metallteile.

Alles was im Brandbereich war, ist laut Kommandant Sondermüll und muss als solcher entsorgt werden. Die Container stehen schon bereit. Die Seitenwände bleiben zunächst stehen. Jetzt machen die Brandfahnder der Kriminalpolizei ihre Arbeit und suchen nach der Ursache.

Auch Kommandant leidet mit Familie

Die siebenköpfige Familie, die den Hof betreibt und hier zuhause ist, kann momentan nicht im direkt angrenzenden Wohnhaus, das die Feuerwehren retten konnten, bleiben. Wegen der Rauchentwicklung ist es nicht bewohnbar – auch ist aus Sicherheitsgründen der Strom abgeschaltet.

„Wir konnten alle bei den Nachbarn oder Verwandten unterbringen, das war ein Selbstläufer, weil die Menschen hier zusammenhalten“, so Bürgermeister Schnetzer. Die Familie wurde zudem psychologisch betreut. Betroffen von dem Ausmaß zeigt sich auch Kommandant Berndl. „Wir leiden da schon mit und wissen ja, was für die Familie da dran hängt.“

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