Eintauchen in die Welt der Gewässer

von Redaktion

Experten aus der Region ziehen zum heutigen „Tag der Fische“ Bilanz

Rosenheim – Wie lebt es sich so in den Gewässern der Region? Der heutige „Tag der Fische“ ist ein idealer Anlass, eine Antwort darauf zu suchen. Aber auch wegen der in den vergangenen Wochen aufgetretenen Fälle von Fischsterben am Schwarzmoosbach in Eiselfing sowie in Schechen (wir berichteten) drängt sich diese Frage auf.

Vorfälle sind

kein Zufall

„Die beiden Fälle lassen sich vor allem auf Gülle in den Gewässern zurückführen“, sagt Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. Diese Häufung in letzter Zeit sei keineswegs Zufall. Denn vor allem nach Tagen mit starkem Regenfall sei das Risiko hoch, dass Gülle in die umliegenden Gewässer fließe. Durchschnittlich werden dem Wasserwirtschaftsamt jährlich zwei bis drei Fälle von Fischsterben gemeldet. „Hierbei lässt sich“, so Roch, „im Vergleich zu den Vorjahren aber keinerlei Veränderung in der Häufigkeit feststellen.“

Bestände sehr verschieden

Wenn es um die Fischpopulation geht, müsse man genau unterscheiden, so Anton Huber, Besatzwart des Kreisfischereiverbandes Rosenheim. Bei den Naturseen wie dem Langbürgner See bei Bad Endorf und dem Hartsee bei Eggstätt sei die natürliche Reproduktion der Fischbestände stabil. Hier herrsche – auch ohne, dass der Verein Nachzucht in den See setze – eine natürliche Artenvielfalt.

Bei künstlich angelegten Seen sei die Situation schon etwas anders. An diesen sogenannten Baggerseen wie dem Happingerausee oder dem Floriansee bei Rosenheim fehlten oft die für die Brutentwicklung notwendigen Flachwassergebiete. Hier führt der Verein laut Huber regelmäßig Besatzmaßnahmen durch, um den Fischbestand zu sichern.

„Wesentlich schlechter“, sagt Huber, „ist die Situation in den Fließgewässern der Region“. Die Flussfische bräuchten für die Brut flache Kiesbänke, die von der Strömung umgewälzt werden. Derartige natürliche Brutstätten kämen in den Flüssen der Region kaum noch vor. Laut Huber gibt es auf der 44 Kilometer langen Innstrecke von Windshausen bis Wasserburg keine einzige derartige Kiesbank mehr. Ohne intensive Besatzmaßnahmen wäre hier nach Ansicht des Fachmanns mancherorts schon ein Aussterben zu befürchten.

Vor allem die Flussfische Huchen und Äsche seien von dieser für sie lebenswidrigen Beschaffenheit der Flüsse betroffen. Der einst sehr weit auslaufende Inn wurde zur wirtschaftlichen Nutzung bei uns zu einem Kanalstrom umgegraben. Dadurch seien die flachen Ufergebiete verloren gegangen. Sie wieder zu beleben sei mühsam.

In den vergangenen Jahren investierten die Kreisfischereivereine Wasserburg und Rosenheim viel Zeit und Geld in die Renaturierung der Innauen und Altwässer südlich des Wasserburger Stauwerks. Der Verbund, Betreiber des Kraftwerks, sprang den Fischern mit Großgeräten, Wissen und vor allem Geld bei. Es hat sich gelohnt: Nasen, Huchen und andere Fische finden dort Kinderstuben, sind dort wieder in größerer Zahl vertreten, Eisvögel schwirren herum.

Verbauung das größte Problem bei Flüssen

Aber auch an den kleineren Flüssen unserer Region sieht es für die Fische nicht so rosig aus. Hier sieht Anton Huber an erster Stelle vor allem die zunehmende Versiegelung der Flächen als Problem. Denn bei Starkregen könne dort das Wasser nicht mehr in den Grund einsickern, sondern bringe stattdessen in unzähligen Regenbächen eine Menge Schlamm in die anliegenden Flüsse.

Gewässerrandstreifen können helfen

Eine ausgleichende Maßnahme, auf die der Rosenheimer Besatzwart hier hofft, sind Gewässerrandstreifen. Diese waren ebenfalls Bestandteil des viel beachteten Volksbegehrens zur Artenvielfalt, das der Landtag dieses Jahr annahm und derzeit noch in ein Gesetz umwandelt.

Auch Peter Kasperczyk, Vorsitzender des Bund Naturschutz Rosenheim, sieht dringenden Handlungsbedarf. Zusammen mit dem Landesfischereiverband, dem WWF und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) hat der BUND einen Zehn-Punkte-Plan entworfen, der die bayerischen Gewässer zukünftig besser schützen soll. Ein Punkt sind hier ebenfalls die Gewässerrandstreifen. Diese sollen nach Vorstellung des BUND fünf Meter breit sein, um auch an Gräben und Gullys das Eindringen von Schlamm und Phosphat zu verhindern. Auch, dass Gülle in Fluss oder Bach läuft – wie im Falle Eiselfing – könnte man damit in Zukunft ausschließen.

In Zukunft

weniger Arten

„Die heißen Sommermonate haben ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf die Wasserbewohner“, beobachtet Besatzwart Huber. So profitieren von den hohen Temperaturen besonders wärmeliebende Fischarten wie der Karpfen. Die unter Anglern auch Wasserschweine genannten Tiere könnten nun früher laichen und die Brut habe mehr Zeit, die für den Winter notwendigen Fettreserven aufzubauen.

Doch gerade die ohnehin schon gebeutelten Flussfische würden unter den heißen Sommern leiden, so der Experte. Hier kämen besonders kälteliebende Fischarten wie die Äsche in den Flüssen, Bächen und Seen zunehmend unter Druck. Auch im Inn, denn der bleibe selber kühl genug, bringe aber aus den Hochalpen so viel Schmelzwasser mit, dass er den ganzen Sommer trüb sei. Was den Äschen, Huchen und allen anderen Fischarten, die auf Sicht jagen, das Leben erschwere.

„Langfristig wird es zu einer Verarmung der Artenvielfalt kommen“, ist sich Huber deshalb sicher. Denn auch für die wichtigen Nahrungsquellen der Fische wie Insekten und Flusskrebse werde die steigenden Temperaturen nicht ohne Folgen bleiben.

Lage am Chiemsee deutlich besser

„Deutlich erfreulicher zeigt sich da die Lage am Chiemsee“, sagt Thomas Lex, Vorsitzender der dortigen Fischereigenossenschaft. Da die Ufergrundstücke dort mehrheitlich in staatlicher Hand seien, gebe es kaum Bebauung in Ufernähe. So besitze der Chiemsee noch vergleichsweise viele naturbelassene Uferbereiche für Fische.

„Auch die warmen Sommer stellen für die Fische im Chiemsee kein Problem dar“, weiß Sohn Tassilo Lex. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr habe es durch den heißen Sommer viel Plankton gegeben, sodass sich die Fische schon früh großfressen konnten. Auch mit dem starken Tourismus auf dem Wasser hätten sich die Fische arrangiert: Tagsüber würden sie sich vermehrt im Tiefwasser aufhalten, um sich zu schützen.

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