Ampfing – Die öffentlichen Diskussionen halten an. Der mögliche Tierschutz-Skandal um Schlachtputen, die unter nicht tiergerechten Bedingungen aus Ungarn nach Ampfing in den Großschlachthof der Süddeutschen Truthahn transportiert werden, bewegt viele Menschen.
Ein Tierschutzaktivist hatte verdeckte Aufnahmen vom Verladen der Puten gemacht. Seine Bilder zeigen, wie Mitarbeiter des Betriebs im westungarischen Szarvaskend die Tiere schlagen, treten und in die Transportboxen stopfen.
Bis zu 20000 Tiere
in der Schlachtung
Der Ampfinger Schlachthof, der mit täglich bis zu 20000 geschlachteten Truthühnern zu den größten Betrieben Deutschlands gehört, will die Vorwürfe untersuchen und hat bis zur Aufklärung den Mastbetrieb gesperrt (wir berichteten).
Weiter teilt das Unternehmen mit: Alle Zulieferbetriebe, auch die Mastbetriebe in Ungarn und Tschechien, würden regelmäßig kontrolliert und auditiert. Auch der Betrieb, der in der öffentlichen Kritik steht, sei „mit dem deutschen QS-Prüfzeichen zertifiziert“.
Wie diese Ausführungen zu den Bildern passen, die die SOKO Tierschutz nach eigenen Angaben am 18. Juni in Szarvaskend gedreht hat, muss offen bleiben. Auch die Stellungnahme der Bayerischen Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) kann diese Frage nicht erhellen.
Sieben Betriebsbesuche habe es in Ampfing seit 1. Januar 2018 gegeben. Diese seien „unangekündigt“ erfolgt, so ein Sprecher der Behörde. In sieben Fällen ging es dabei um lebensmittelrechtliche Kontrollen, in fünf Fällen zusätzlich auch um Tierschutzkontrollen. Ein drei- bis vierköpfiges Team ist dann mehrere Stunden bis zu einem ganzen Arbeitstag im Betrieb.
Bei der letzten Kontrolle am 29. Juli seien „tierschutzrechtliche Mängel festgestellt worden“, so die Behörde. Der Betrieb habe diese zwischenzeitlich behoben.
Mit Verweis auf ein schwebendes Verfahren, das noch vor dem Verwaltungsgericht landen kann, macht die Kontrollbehörde keine näheren Angaben zu den Verstößen. Diese stünden aber nicht mit dem ungarischen Betrieb in Szarvaskend in Zusammenhang. Hans Grundner/Katharina Ober