„Mir ist das Leben ausgelaufen, wie wenn man bei der Badewanne den Stöpsel zieht.“ Mit diesen Worten beschreibt eine Frau nach Genesung von einer schweren Krankheit ihre zurückliegenden Monate. Hier ist noch einmal alles gut geworden.
Aber vermutlich hat das jeder von uns im eigenen Umfeld schon anders erlebt: Trotz moderner Medizin und bester Behandlung schwindet das Leben eines Kranken dahin. Wir stehen hilflos daneben und können es nicht aufhalten. An manchem Krankenbett überfällt mich auch als Seelsorgerin mitunter die Verzweiflung und die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Ganzen. Gegen manche Krankheit ist einfach kein Kraut gewachsen!
Am Fest Mariä Himmelfahrt nehmen wir unsere Heilkräuter zur Segnung mit in den Gottesdienst. Vielen Legenden ranken sich um die Entstehung dieses Brauchs. In manchen Gegenden Bayerns gibt es sogar Traditionen, wie viel und welche Heilkräuter ganz genau in den „Buschen“ hineingehören.
Ich mag diesen Festtag, denn die vielen Kräuter und Blumen in der Kirche erinnern mich an etwas, das wir fast vergessen haben: Draußen in der Natur ist tatsächlich für viele Leiden ein eigenes Kraut gewachsen. Die „Apotheke Gottes“ ist für mich ein Abbild seiner unendlichen Liebe.
Mein Kräuterbuschen liegt dann das ganze Jahr über getrocknet auf dem Schrank. Hin und wieder fällt mein Blick darauf, und dabei spüre ich Zuversicht. Wo Medizin und Natur an ihre Grenzen kommen, gibt es noch eine Kraft weit über dieses Leben hinaus, die uns trägt und auf die wir bauen können.