Mühldorf – Diese Tour wird Taxifahrerin Monika N. nicht mehr vergessen: Zwei Burschen, die sie in eine Jugendhilfeeinrichtung bringen sollte, zwangen sie zum Anhalten und stießen sie aus dem Fahrzeug. Die Brüder (14/15), die mit dem Taxi flüchteten, wurden wenig später geschnappt.
67-Jährige steht „unter extremem Schock“
„Sie hat großes Glück gehabt“, sagt Taxi-Unternehmer Adrian Zahut über seine 67-jährige Mitarbeiterin, die am Freitagabend keine Taxifahrt, sondern einen Horrortrip erlebte. „Sie hat Schmerzen, aber körperlich ist es zum Glück nicht so schlimm, aber sie steht noch immer unter einem extremen Schock“, berichtet ihr Chef, der die Mitarbeiterin am Sonntag besucht und mit ihr gesprochen hat. Zwei Tage nach dem „Horrortrip“, der am Freitagabend am Mühldorfer Bahnhof begann.
Dort sollte die Frau im Auftrag der Bundespolizei zwei junge Burschen aufnehmen, um sie mit ihrem Mercedes Vito in eine Jugendhilfeeinrichtung im Landkreis zu bringen. Die 14- und 15-jährigen Brüder, die aus Serbien kommen, hatten Beamte bei einer Kontrolle aus einem Reisebus geholt.
Das teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Rosenheim auf Nachfrage mit. Die Jugendlichen waren nicht illegal eingereist – Serben dürfen ohne Visum als Touristen bis zu drei Monate ins Land – aber sie waren allein unterwegs, ohne Angehörige. Und deshalb sollten sie bis zur Klärung ihrer Situation in der Einrichtung untergebracht werden.
Den beiden Burschen schmeckte das aber offensichtlich gar nicht. Auf der Fahrt in Richtung Waldkraiburg forderten sie die Taxlerin auf, anzuhalten und sie rauszulassen. Seine Mitarbeiterin habe sich stattdessen an die Vereinbarung mit der Polizei gehalten und nicht gebremst, erzählt Zahut. Was dann geschah? „Die Jugendlichen sind während der Fahrt über die Sitze gesprungen und haben sie geschlagen.“ Und als Monika N. bremste, sei sie von den beiden aus dem noch langsam rollenden Fahrzeug geschoben oder gestoßen worden.
Mit Transporter getürmt
Die Jugendlichen türmten mit dem Transporter. Auf Höhe Föhrenwinkel seien sie umgekehrt und wieder Richtung Mühldorf gerast, erzählt Zahut. Vorbei an einem weiteren Taxi des Mühldorfer Unternehmers, das anhielt, um sich der 67-Jährigen anzunehmen. In diesem Moment sei der Mercedes Vito in einem Höllentempo – Zahut spricht von 150 Kilometern in der Stunde – vorbeigerast und habe das zweite Taxi mit dem Spiegel gestreift und beschädigt.
Die jungen Serben flüchteten weiter in Richtung Mühldorf. Wie das Polizeipräsidium mitteilt, ließen sie auf einem Pendlerparkplatz bei Mettenheim das geraubte Fahrzeug zurück.
Sie wollten per Anhalter weiterreisen. Doch die Fahndung nach den beiden Burschen lief bereits. Eine Streife traf sie an der Autobahnauffahrt Mühldorf-West an und nahm sie fest.
Die 67-jährige Taxifahrerin fuhr ihr Kollege ins Krankenhaus, wo nach Polizeiangaben eine Verletzung am Knie und ein Schock diagnostiziert wurde.
Die beiden Brüder wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Traunstein am Samstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der Haftbefehl erließ. Beide sitzen seitdem in einer Jugend-Justizvollzugsanstalt. Die Polizei habe keine Erkenntnisse, dass die beiden Jugendlichen bislang schon straffällig wurden, so der Sprecher des Präsidiums. Diese Frage muss nun die Kripo bei ihren Ermittlungen klären. Nicht bekannt sei bisher, wie die Jugendlichen nach Deutschland kamen, wohin sie wollten, wie ihre familiären Verhältnisse sind und ob sie im Heimatland als abgängig gemeldet sind.