Diebesbande am Wertstoffhof

von Redaktion

Amtsgericht Anführer für lange Zeit hinter Gittern – Mittäter im Saal bedroht

Rosenheim/Wasserburg – Wie eine Spinne im Netz hat ein 47-jähriger Mann aus Rumänien seine Raubzüge organisiert. Mit Versprechen auf Arbeit in Deutschland lockte der Hauptangeklagte immer wieder Landsleute nach Deutschland. Tatsächlich hatte der Mann Kontakte zu einer Leiharbeitsfirma geknüpft. In Wahrheit aber ging es ihm darum Helfer für seine Diebeszüge zu akquirieren.

Dies tat er auch mit Druck und Erpressung. Deshalb lautete die Anklagegegen ihn am Amtsgericht Rosenheim nicht nur auf bandenmäßigen schweren Diebstahl, sondern auch auf Menschenhandel. Einige Bandenmitglieder hatte er derart unter Druck gesetzt, dass sie mittels der Diebstähle Schulden abarbeiteten.

Im Juni, Juli und August 2018 startete er mit der ersten Diebesbande Streifzüge in Rosenheim. Ziel waren die Wertstoffhöfe und -inseln, wo die Bande Elektrogeräte und lohnend erscheinende E-Werkzeuge mitnahm. Etliche Mittäter dieser Diebstahlserie konnten sich der Strafverfolgung entziehen, indem sie ins Ausland flohen.

Besonders hohe

kriminelle Energie

Der Hauptangeklagte hatte im Altlandkreis Wasserburg eine Wohnung gemietet, wo er seine Mittäter unterbrachte und unter Kontrolle hielt. Mit einer neuen Diebesgruppe startete der Bandenchef im Februar 2019 einen Beutezug durch verschiedene Kaufhäuser in Wasserburg. Besonders eine Textilkette hatte es dem neuen Quartett angetan. Das Diebesgut – vor allem Kleidung und Handtaschen – wurde fotografiert und im Internet angeboten.

Ende Februar nahm die Polizei eine Diebin aus der Bande fest. Dabei kamen nach und nach alle Diebstähle ans Licht und die ganze Bande in Gewahrsam. Auf dem Handy des jüngsten Mitglieds der Bande, einer 20-jährigen Kellnerin, fanden sich Fotos der Beute, die im Internet in Rumänien angeboten wurde. Der Rest lag im Kofferraum eines Autos.

Zeugenaussagen belegten, dass die Täter mit hoher krimineller Energie und besonders dreist vorgegangen waren. Gestohlen wurde auch auf Bestellung.

Hauptangeklagter

an die Kette gelegt

Aufgrund des jungen Alters der Kellnerin fand die Anklage vor dem Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Verena Köstner statt. Allerdings stellte die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe fest, dass die junge Frau trotz ihrer jugendlichen Erscheinung durchaus einer Erwachsenen gleichzustellen sei. Die Folge: Sie wurde nach Erwachsenenstrafrecht abgeurteilt.

Unruhe kam im Gerichtssaal auf, als die Vollzugsbeamten – alle Bandenmitglieder wurden aus verschiedenen Strafanstalten vorgeführt, wo sie zur Untersuchungshaft untergebracht waren – dem Haupttäter Hand- und Beinfesseln anlegten. Die Ursache wurde bald klar: Er hatte in rumänischer Sprache die Mitangeklagten bedroht und seine Flucht angekündigt. Das teilte die Dolmetscherin dem Gericht mit, das – zumindest vorübergehend – entsprechende Vorsichtsmaßnahmen anordnete.

Nach einem Rechtsgespräch erklärten sich die Angeklagten bereit, alle Vorwürfe zu gestehen. Die Rechtsanwälte Roland Kuhnigk, Hans Sachse und Abuzar Erdogan erreichten im Gegenzug für die drei Mitläufer Bewährungsstrafen. So kamen die drei Mittäter mit Strafen zwischen 13 und 21 Monaten Gefängnis davon, wobei ihnen die Bewährungszeit eine letzte Chance bieten soll.

Vorstrafe

wegen Totschlags

Rechtsanwalt Harald Baron von Koskull hatte es da beim Haupttäter bedeutend schwieriger. Eine Bewährungsstrafe war in diesem Fall ohnehin ausgeschlossen, da der Mann mit einer erheblichen Vorstrafe belastet war. In Rumänien hatte er über zehn Jahre wegen Totschlags eingesessen. Der Haupttäter und Organisator der Bande muss nun für zwei Jahre und zehn Monate hinter Gittern.

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