Artenschutz-Experte
Ulrich Lanz
Foto Lauer
Rosenheim – Das Usutu-Virus, Auslöser des berüchtigten Amsel-Sterbens, ist auch in Bayern auf dem Vormarsch. In Poing im Nachbarlandkreis Ebersberg wurden in den vergangenen Wochen etliche tote Amseln gefunden, vergangene Woche konnte bei einem der Vogelkadaver das Usutu-Virus nachgewiesen werden. Im Bereich Rosenheim gab es nach Auskunft des Landratsamtes bislang noch keinen bekannten Fall. Die OVB-Heimatzeitungen haben Ulrich Lanz, stellvertretender Artenschutzreferent beim bayerischen Landesbund für Vogelschutz, zum Thema befragt.
Herr Lanz, woher kommt das Usutu-Virus?
Ursprünglich wurde das Virus in Afrika entdeckt, seit Anfang der 2000er-Jahre breitet es sich auch in Europa und seit 2011 auch in Deutschland aus. Übertragen wird es über Mücken. Das Virus kann alle Vogelarten befallen, gefährlich ist es aber nur für Amseln und einige Eulen-Arten.
Besteht die Gefahr, dass Amseln aussterben, wenn das Virus eine Region befällt?
Sicher nicht. Wo das Virus erstmalig auftritt, können die Bestände zwar zunächst erheblich abnehmen. Aber wie bei jeder Virus-Erkrankung entstehen Resistenzen, die Amseln entwickeln Abwehrkräfte. Die Zahl der Todesfälle ebbt ab und die Bestände erholen sich wieder langsam. Untersuchungen haben ergeben, dass man selbst in Gebieten mit hoher Durchseuchung nur mit einem Rückgang von 15 bis 16 Prozent der Vögel rechnen muss. Ein Aussterben der Amsel ist also nicht zu befürchten.
Gibt es Regionen, die besonders betroffen sind?
Das sind Gebiete, die relativ warm sind, wie in der Rhein-Ebene. Bayern zählt klassischerweise nicht dazu. Aber wenn Sommer sehr heiß sind, so wie im vergangenen Jahr und auch in diesem Jahr, und es ist recht feucht, begünstigt das natürlich auch das Mückenaufkommen und damit auch die Verbreitung des Usutu-Virus.
Was sollte man tun, wenn man eine tote Amsel findet?
Um einen Überblick über das Infektionsgeschehen zu behalten, ist es wichtig, dass möglichst viele tote Amseln untersucht werden. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNITM) beobachtet die Seuche und bitte deshalb darum, ihm tot aufgefundene Vögel zu schicken. Das Infektionsrisiko für Menschen ist zwar äußerst gering, aber man sollte im Umgang mit toten Tieren natürlich grundsätzliche Hygieneregeln befolgen, also Handschuhe tragen oder die Tiere nur mit einer umgestülpten Plastiktüte aufnehmen. Genauere Hinweise findet man auf unserer Homepage, wenn man nach dem Stichwort „Usutu“ sucht.
Interview: Klaus Kuhn