„Square up“ – und die Tanzfläche füllt sich

von Redaktion

„Tag der offenen Tür“ zum Mitmachen bei den „Dancing Moore Lights“ in Bad Aibling

Bad Aibling – Es ist ein Kleinod amerikanischer Saloonkultur, das sich in Bad Aibling erhalten hat. Im Willinger Gmoahof, gleich über der Feuerwehr, kommt der Bad Aiblinger Square Dance Club zusammen. Die „Dancing Moore Lights“, wie sie sich selbst nennen, treffen sich hier jeden Samstag zum gemeinsamen Tanz. Doch wer glaubt, dass er jetzt einfach samstags vorbeischauen kann, um mal als Neuling mitzumachen, muss enttäuscht werden. Denn Square Dance will gelernt werden.

Daher veranstaltet der Square Dance Club Bad Aibling am morgigen 19. September ab 19.30 Uhr ein „Open House“ zum Kennenlernen für alle Interessierten. Hier können alle Neugierigen erfahren, was Square Dance eigentlich ist und schon erste Tanzfiguren erlernen. Wenn sich dabei genug Interessierte zusammenfinden, werden die „Dancing Moor Lights“ ab 26. September eine neue „Class“, einen Anfängerkurs, anbieten.

Teamgeist, Spaß

und jede Musik

Es braucht ein Team und eine Gemeinschaft. Es braucht Musik. Es ist Bewegung im Takt der Musik. Country & Western, Rock, Pop, Classic, Hip-Hop, Rap, Reggae, Rock’n‘Roll, Soul, Techno, fast alles ist möglich, nur ohne Musik geht es nicht. Jeder Tänzer lernt nach und nach Figuren, die auf Ansage auszuführen sind. Es gibt keine einstudierten Abläufe. Ein sogenannter Caller („Rufer“) sagt die Figuren in immer neuen Kombinationen an.

Dabei wird Reaktionsvermögen, Ausdauer, Taktgefühl und räumliches Denken der Tänzer gefördert. Ob als Single oder Paar, getanzt wird in Gruppen mit je acht Personen in kurzen Blöcken. Nach Ablauf eines Blocks wird in neu gebildeten Tanzgruppen weitergetanzt. Square Dance ist Fitness für Körper und Geist, bietet Abwechslung und macht Spaß. Die Figuren erlernt man in einem Anfängerkurs. Dieser startet nach dem „Open House“ ab Ende September und wird jeweils donnerstags ab 19.30 Uhr durchgeführt.

Der Square Dance Club „Dancing Moor Lights“ Bad Aibling lädt ein, diesen Tanz mitzuerleben und erste Einblicke zu gewinnen. Es besteht an diesem Abend die Möglichkeit zum Mittanzen und Erlernen erster einfacher Figuren. Der Eintritt zum „Open House“ ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Dort können dann die Neulinge alle notwendigen 69 Figuren erlernen, um sich offiziell als Square Dancer zu bezeichnen. Denn eine gewisse Grundkenntnis ist erforderlich, um bei den Tanzveranstaltungen mitmachen zu können. Zu passender Musik ruft oder singt der Caller die Schrittfolgen ins Mikrofon und die Tanzgruppen im Saal folgen seinen Ansagen. Square Dance ist im Zuge europäischer Einwanderer in die USA entstanden. Da oft sprachliche Barrieren zwischen den Neuankömmlingen auf dem neuen Kontinent vorhanden waren, bot sich Tanz als eine freundschaftliche Art und Weise an, um das Eis untereinander zu brechen. Seine Herkunft sieht man dem Square Dance auch deutlich an: Hier kommen Figuren und Bewegungsabläufe verschiedenster europäischer Volkstänze zum Vorschein.

Soldaten brachten Tanz in die Region

Nach Europa kam die Square-Dance-Kultur vor allem im Zuge amerikanischer Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier gründeten sich, wenig verwunderlich, die ersten Clubs an den Standorten der US-amerikanischen Kasernen. „Die Hochphase habe die Square-Dance-Kultur in Europa Anfang der 90er-Jahre erlebt“, sagt Manfred Weber, Präsident der Bad Aiblinger „Dancing Moor Lights“. Damals gab es regelmäßig Großveranstaltungen mit teilweise Tausenden Tänzern auf dem Parkett. Seit dieser goldenen Zeit hat Square Dance einen deutlichen Rückgang erfahren. Auch in Deutschland haben die Square Dance Clubs aus Mangel an Tänzern schließen müssen.

Das hänge unter anderem auch mit Schließungen vieler US-Kasernen in der Region, wie beispielsweise in Bad Aibling, zusammen, sagt Manfred Weber. Denn US-Soldaten seien in manchen Clubs regelmäßige Gäste, die dann mit dem Abzug der Armee wegfielen. Die Aiblinger „Dancing Moor Lights“ sind da noch gut aufgestellt. Denn von ihren gut 50 Mitgliedern seien stets mindestens die Hälfte bei den Veranstaltungen dabei, sagt Weber. Auch über einen weiteren glücklichen Umstand kann sich der Square Dance Club Bad Aibling freuen: Eines ihrer Mitglieder hat sich dazu entschieden, Caller zu werden. Das war sicher keine leichte Entscheidung. Denn ein Caller muss für alle Lieder, die er auf einer Veranstaltung spielt, erst einmal die Musikrechte über die Rechteverwertungsgesellschaft GEMA erwerben. Außerdem ist man als Caller viel auf der Straße unterwegs. Denn Caller sind Mangelware, da sie nicht nur graduierte Square Dancer sein, sondern zusätzlich eine spezielle Ausbildung in einer sogenannten Callerschule absolvieren müssen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn so ein Caller für einen Auftritt zwischen 100 und 200 Kilometer fährt.

Szene sucht

nach Mittänzern

Aber auch die Tänzer selbst legen aufgrund des Clubsterbens inzwischen enorme Routen zurück, um mal an einem Square-Dance-Abend mitmachen zu können. Allerdings ist reger Austausch unter den Clubmitgliedern auch Bestandteil der Square-Dance-Kultur, bei der es dazugehört, als Tänzer andere Clubs zu besuchen.

Dafür bekommt man als Square Dancer einen Anhänger, „Dangles“ genannt, mit dem Wappen des jeweiligen Clubs, den man sich an seine „badge“, ein Namensschild an der linken Brust, hängen kann. Damit kann der Tänzer unter anderem zeigen, welche Clubs er als Square Dancer schon alles besucht hat. So haben langgediente Tänzer schon so ein langes Gehänge an ihrer „Badge“, dass sie regelmäßig welche abnehmen müssen: „Sonst würde man die schon auf dem Boden mit sich rumschleifen“, so Weber.

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