Der Weg in die Freiheit

von Redaktion

„Wo ist Prinzessin Haja?“ Diese Schlagzeile ging vor kurzem durch die Welt. Die Ehefrau des Herrschers von Dubai ist aus den Vereinigten Arabischen Emiraten verschwunden und aus Furcht vor ihrem Ehemann in London untergetaucht. Das Luxusleben in 1001 Nacht wurde für sie irgendwann zum Alptraum. Am Ende war es eine Flucht aus dem goldenen Käfig.

Was nützt es, im Überfluss zu leben und alles zu besitzen, was man sich nur wünschen kann, wenn man dafür nicht mehr selber denken und entscheiden darf?

So gesehen sind wir alle immer wieder „Gefangene“, auch wenn wir nicht hinter Gittern leben. Wir sind gefangen in Rollen, die andere uns zugedacht, und die wir unweigerlich zu spielen haben. Gefangen auch in unguten Verstrickungen unserer Lebensgeschichte, aus denen wir uns einfach nicht mehr befreien können. Dann leben wir in einem unsichtbaren Käfig, der uns zwar atmen lässt, aus dem es aber keine Tür mehr für uns zu geben scheint.

Manchmal aber doch! Davon erzählt der Vogelbrunnen des Rosenheimer Künstlers Rainer Dillen gegenüber dem Westportal der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Auf einem Steinsockel steht ein Käfig mit offener Tür. Der Vogel sitzt mit leicht ausgebreiteten Flügeln auf dem Wasserrohr darunter und findet auf dem Weg in die Freiheit zur lebenspendenden Quelle: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“, schreibt Paulus im zweiten Brief an die Korinther.

Der Vogelbrunnen erinnert mich jeden Tag daran. Eine tiefe Sehnsucht nicht nur von Prinzessin Haja aus Dubai, sondern auch von mir und vielleicht von jedem von uns.

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