Neues Leben für Geburtshilfe?

von Redaktion

Die Geburtshilfe am Romed-Klinikum Bad Aibling wurde Mitte August 2017 geschlossen (wir berichteten), die Abteilung findet sich aber noch immer im Krankenhausplan der Staatsregierung. Das hat das bayerische Gesundheitsministerium gegenüber dem OVB bestätigt.

Bad Aibling/Rosenheim – Es riecht nach Konflikt. Der AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart aus Bad Aibling hat einmal mehr scharfe Kritik an der bereits zum 1. Januar 2015 erfolgten Schließung der Geburtshilfe in Prien und der Abteilung in Bad Aibling geübt und angekündigt, seine Partei werde „das Versagen der Verantwortlichen im Landkreis und in der Stadt Rosenheim“ nächstes Jahr im Kommunalwahlkampf zum Thema machen.

Als Beleg für seinen Vorwurf wertet er unter anderem offizielle Zahlen, die ihm aufgrund einer schriftlichen Anfrage zur Krankenhausversorgung der Bevölkerung in der Stadt und im Landkreis Rosenheim von der Staatsregierung zur Verfügung gestellt wurden. Sie beruhen auf Angaben des Statistischen Landesamtes und liegen auch den OVB-Heimatzeitungen vor. Entbanden beispielsweise 2014 nur fünf werdende Mütter aus der Stadt Rosenheim im Landkreis Miesbach, waren es 2017 bereits 30. Zwei brachten ihr Baby im Landkreis Ebersberg zur Welt (2014: 1), sieben (8) im Landkreis Traunstein.

Noch keine Statistik

für das Jahr 2018

Ebenfalls angestiegen ist im gleichen Zeitraum der Anteil Gebärender, die aus dem Landkreis Rosenheim abwanderten. 439 Geburten erfolgten 2017 im Landkreis Miesbach (2014: 283), 80 im Landkreis Ebersberg (48) und 316 im Landkreis Traunstein (290). Für 2018 gibt es noch keine offizielle Statistik.

Die Geburtenzahlen des Romed-Klinikverbundes für 2018 belegen nach Ansicht Winharts zudem, dass die verbliebenen Abteilungen für Geburtshilfe in den Krankenhäusern Wasserburg und Rosenheim die Lücke nicht schließen konnten, die das Aus dieser Fachrichtungen in Prien und Bad Aibling hinterlassen hat. Gegenüber dem OVB berichtete der Klinikverbund für das Jahr 2017 von 2754 Geburten in seinen Krankenhäusern (1671 in Rosenheim, 706 in Wasserburg, 377 in Bad Aibling), 2018 waren es nur 2695 Geburten – trotz eines Anstiegs in den Kliniken Rosenheim und Wasserburg (1907 beziehungsweise 788 Geburten).

Aus Sicht des Ministeriums sind die Stationen an den Standorten Rosenheim und Wasserburg dazu in der Lage, „in Stadt und Landkreis wohnhafte werdende Mütter mit Geburtshilfe auf medizinisch hohem Niveau zu versorgen“. Als eine „stark wertende Einschätzung von Herrn Winhart“ beurteilt das Ministerium dessen Vorwurf, auf der Geburtshilfestation in Rosenheim herrsche „ein unpersönlicher Massenbetrieb“. Zurückgewiesen wird auch die Feststellung des Abgeordneten, die Romed-Kliniken kämen ihrem Versorgungsauftrag in diesem Bereich nicht nach.

Im Gegenteil: Aus dem Haus von Ministerin Melanie Huml verlautet, die Schließung der Geburtshilfe in Bad Aibling zum 15. August 2017 sei „folgerichtig“ gewesen. Der Weiterbetrieb sei aus Sicht der Klinikverantwortlichen aus medizinischen Gründen nicht mehr verantwortbar gewesen. Gegenüber den OVB-Heimatzeitungen verwies der Verbund nochmals darauf, dass die Geburtshilfe in Bad Aibling geschlossen werden musste, weil die notwendige Anzahl von belegärztlich tätigen Gynäkologen nicht mehr zur Verfügung gestanden habe. Aus diesem Grund hätten sich auch die Beleghebammen zurückgezogen. „Bis heute hat sich diese Situation nicht geändert“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Klinikverbundes auf einen Fragenkatalog der OVB-Heimatzeitungen. Volle Rückendeckung für die Entscheidung erhält der Verbund aus dem Ministerium. „Die Sicherheit für Mutter und Kind muss in jedem Fall an oberster Stelle stehen.“

Obwohl es derzeit aus Sicht der Romed-Kliniken nach wie vor keine Anzeichen dafür gibt, dass sich kurzfristig wieder genügend Belegärzte und Hebammen finden, die eine Wiedereröffnung der Geburtshilfe in Bad Aibling als realistisch erscheinen lassen, verteidigt die Klinikleitung den Verbleib der Abteilung in der Krankenhausbedarfsplanung. „Romed möchte sich grundsätzlich die Möglichkeit erhalten, eine Geburtshilfe wieder zu öffnen, sollten die dafür notwendigen personellen Voraussetzungen gegeben sein“, heißt es in der Antwort auf die Presseanfrage. Bemerkenswertes Detail: „Die Räume der ehemaligen Geburtshilfeabteilung stehen im Wesentlichen leer und können wieder für die Geburtshilfe reaktiviert werden“, steht in der Pressemitteilung wörtlich. Welche Bemühungen der Klinikverbund für deren Wiederaufnahme in den vergangenen zwei Jahren unternommen hat, auf diese Frage fällt die Antwort eher ausweichend aus. „Seit der Schließung der Abteilung konnte seitens der Romed-Geschäftsführung eine Wiederaufnahme der Geburtshilfe nicht ermöglicht werden. Die Entscheidung, sich als Geburtshelfer zu engagieren und dann gegebenenfalls in einer Belegabteilung tätig zu werden, obliegt allein den niedergelassenen Ärzten.“

Während der Klinikverbund „individuelle Bedürfnisse“ als Grund dafür sieht, dass werdende Mütter aus der Stadt und dem Landkreis Rosenheim ihr Baby nicht in den Krankenhäusern Rosenheim und Wasserburg zur Welt bringen, und darauf verweist, dass im Gegenzug auch Mütter aus anderen Landkreisen an diesen beiden Standorten entbinden, interpretiert Winhart die Zahlen völlig anders. „Unter der derzeitigen Ausrichtung der Geburtshilfe der Romed-Kliniken leiden vor allem die werdenden Mütter in den westlichen und östlichen Gebieten des Landkreises. Es war ein schwerer Fehler des Landrates, die Schließungen der Geburtshilfestationen in Prien sowie in Bad Aibling aus Geldgier und Profitdenken durchgehen zu lassen. Es ist höchste Zeit, den Kurs zu ändern und zum Wohle der Patientinnen schnellstmöglich wieder eine Grundversorgung für die eigene Bevölkerung zu sichern.“ Der Klinikverbund bewertet die Anzahl der Geburten in seinem Versorgungsbereich dagegen als „in den letzten Jahren recht stabil“.

„Durchgängig sehr

hohe Zufriedenheit“

Von einem „unpersönlichen Massenbetrieb“ in Rosenheim, wie Winhart behauptet, könne keine Rede sein. Systematische Patientenbefragungen bestätigten „durchgängig eine sehr hohe Zufriedenheit der werdenden Mütter und ihrer Familien“. Und weiter: „Hervorzuheben sind positive Bemerkungen in den Freitexten der Fragebögen, die alle Berufsgruppen und auch die Ruhe im Betrieb ausdrücklich loben.“

Enge Verbindung zu Geburtsstation

„Was ist dein erster Gedanke, wenn du ‚Bad Aibling‘ hörst?“ Viele Menschen bringen den Namen auf der Facebook- und Instagram-Seite der OVB-Heimatzeitungen mit ihrer „Geburtsstadt“ oder der Geburt ihrer Kinder in Verbindung. Mehr Information unter der Adresse tinyurl.com/y224mjwk.

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