Landschaftsgärtner aus Chieming stoppen Geisterfahrerin

von Redaktion

Schnelles und beherztes Eingreifen von vier Autobahnarbeitern verhindert möglicherweise schweren Unfall

Chieming/Mühldorf – Dank ihres beherzten Eingreifens haben vier Mitarbeiter einer Gartenbaufirma aus Chieming eine mögliche Katastrophe auf der Autobahn verhindert. Sie stoppten am Dienstag bei Mühldorf eine Geisterfahrerin.

Am Tag danach geht alles seinen gewohnten Gang. Holger Knut und Albin Wieser sind wie so oft mit ihrer riesigen Mähmaschine auf der A94 unterwegs, um die Böschung zu pflegen. Sie arbeiten bei Landschaftspflege Mayer in Chieming, ein Fachbetrieb, der im Auftrag der Autobahnmeisterei unterwegs ist. Autos und Lastwagen rasen dicht vorbei, es ist laut, der Windzug erschüttert das große Mähfahrzeug. Am Dienstagnachmittag haben sie zusammen mit den Kollegen Sepp Aicher und Adrian Cotos ihre Arbeit bereits getan, an der Auffahrt Mühldorf-West besprechen sie sich mit einem Bauleiter der Autobahnmeisterei.

Was dann geschieht, haben sie noch nie erlebt, erzählt Cotos. Eine alte Frau biegt mit ihrer Mercedes A-Klasse am Ende der Auffahrt sehr scharf nach links ab und fährt langsam in Richtung Altötting. „Da denkt man nicht lange nach“, schildert Wieser die nächsten Sekunden. Cotos läuft schreiend quer über die Autobahn zu dem Mercedes der 88-Jährigen aus dem Landkreis Altötting, seine Kollegen rennen gegen die Fahrtrichtung und stoppen die heranbrausenden Lastwagen.

Mit 150 km/h angerauscht

Heikel wird es mit einem Audi, der nach Schätzung Knuts mit mindestens 150 Kilometern in der Stunde heranbraust. Doch auch er kommt nach einem heftigen Bremsmanöver zum Stehen. Schwieriger erweist sich der Umgang mit der Geisterfahrerin. Ihre A-Klasse ist komplett verriegelt, die Fenster sind geschlossen. Lautstark versucht Cotos ihr klar zu machen, dass sie auf den Pannenstreifen fahren soll. Endlich öffnet sie das Fenster, die Gärtner sagen, sie sei völlig ruhig gewesen, vielleicht schockiert, etwas hilflos.

Cotos gelingt es sie dazu zubringen, in einem weiten Linksbogen auf den Pannenstreifen zu fahren. Dort, erzählt Wieser, bekommt die Frau Angst, sie fürchtet im Straßengraben zu landen. Die vier beendeten die Fahrt, Cotos schaltete das Automatikgetriebe auf Null, gemeinsam schieben sie das Auto Richtung Auffahrt.

Dort wartete bereits ein Notarztwagen, der Fahrer hatte die Aktion mitbekommen, war stehen geblieben und hatte das Blaulicht eingeschaltet. Die Sanitäter versorgten die Frau, noch bevor die Autobahnpolizei eintrifft. Deren Chef Konrad Scheibl sagt: „Die Frau hat sich einfach verfahren, eigentlich war sie gesundheitlich so weit fit.“ Eine Nachbarin holt das Auto und die Fahrerin schließlich ab.

Dickes Lob gibt es nicht nur von Autobahnpolizeichef Scheibl: „Gut gemacht, die haben wirklich couragiert gehandelt“, sagt er. Die Chefin der Vier freut sich besonders über das entschlossene Einschreiten. „Ich bin so stolz auf meine Leute, die rausspringen und so viel Zivilcourage zeigen“, sagt Theresia Mayer. Markus Honervogt

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