Pistengaudi ohne Abfahrt

von Redaktion

Tiroler Straßensperren auch für Wintersportler: Kiefersfelden erleichtert

Rosenheim – Jetzt soll es auch die Skifahrer treffen: Tirol will die regionalen Fahrverbote auf die Skisaison ausweiten. Rund um Kufstein, Innsbruck und Reutte sollen die Autofahrer auch in den Wintermonaten von den Ausweichrouten verbannt werden.

Was den Skifahrer ärgert, freut die staugeplagten Inntal-Gemeinden. Kiefersfelden begrüßt die aktuell angekündigte Maßnahme. „Für uns ist das positiv, wir sind erleichtert“, betont Bürgermeister Hajo Gruber gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.

„Diese Maßnahme

ist gut für uns“

Denn: Mit den Fahrverboten bleibt Kiefersfelden zumindest der Ausweichverkehr aus Richtung Tirol erspart. „Alles, was in Langkampfen und rund um Kufstein nicht von der Autobahn fahren kann, um den Stau aufgrund der Grenzkontrollen zu umgehen, ist gut für uns“, fasst Gruber zusammen.

Für einen Aufschrei sorgt die Ankündigung von Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), verkündet am Dienstag in Südtirol, indes bei den Skitouristen. Sie werden, wie zuletzt seit Ende Juni die Sommer-Urlauber, nun auch an den Winter-Wochenenden zum Verbleib auf der Autobahn gezwungen (siehe Titelseite, Bayern).

Bereits im Sommer hatte Platter heftige Kritik für den Erlass der regionalen Fahrverbote geerntet. Und auch heute hält sich die Begeisterung für den Tiroler Vorstoß, die Maßnahme auf den Skiverkehr auszuweiten, in Grenzen.

Ganz im Gegenteil. Die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU), selbst Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages, beurteilt die aktuelle Entwicklung alles andere als zielführend. „In Brüssel laufen derzeit die Gespräche zwischen Italien, Österreich und Deutschland, um eine Lösung für das Problem auf dem Brenner zu finden. Die EU-Kommission hat ihre Erwartung an diese Gespräche sehr deutlich gemacht und mitgeteilt, dass sie einseitige Maßnahmen für nicht zielführend hält. Dem kann ich nur zustimmen“, betont die Abgeordnete.

Ludwig weiter: „Wir haben gerade erst eine Gesprächsbasis gefunden, bei der alle Seiten ihren Willen zu einer einvernehmlichen Entschärfung dieses Konfliktes bekundet haben. Aufgrund der bevorstehenden Nationalratswahl in Österreich ist ohnehin nicht mit einer schnellen Lösung zu rechnen.“

Die anstehenden Wahlen machten die Angelegenheit nicht einfacher. Deshalb pocht sie darauf: „Was wir jetzt brauchen, ist Zurückhaltung auf allen Seiten, bis die Gespräche in Brüssel zu einem gemeinsamen Ergebnis geführt haben.“ Und sie stellt klar: „Das ändert nichts an unserer Grundhaltung, dass wir das Verhalten Tirols für falsch halten. Eine weitere Verschärfung wollen wir von deutscher Seite aus aber unbedingt vermeiden.“

Lkw-Blockabfertigung im Inntal, die Dosierungs-Ampeln vor Kufstein und Niederndorf, die Forderung nach einer Korridormaut für Lkw von München bis Verona – Tirols Landeshauptmann ist um nichts verlegen, wenn es darum geht, sich mit aufsehenerregenden Maßnahmen für „sein“ Land einzusetzen.

Ein anderer agiert eher im Stillen, im Hintergrund: Kiefersfeldens Bürgermeister Gruber, der in Sachen Verkehr eng mit seinen Kollegen auf Tiroler Seite zusammenarbeitet – und am länderübergreifenden Verhandlungstisch um Lösungen ringt. „Viel wichtiger als all die Zwangsmaßnahmen wäre es, die Ursache für das Verkehrschaos zu beheben“, ist Gruber überzeugt.

Deshalb seine Forderung: Mautfreiheit auf der Autobahn bis Kufstein-Süd. Und weg mit den Grenzkontrollen. „Die waren 2015 ganz klar notwendig, aber jetzt würden Schleierfahnder durchaus ausreichen“, meint Gruber.

Forderung: Keine Maut bis Kufstein-Süd

Zusammen mit den Tiroler Nachbar-Bürgermeistern aus Kufstein, Ebbs und Niederndorf versucht Gruber deshalb, Einfluss auf Wien und Berlin zu nehmen. Denn dort säßen die Entscheidungsträger. „Eine Mautfreiheit bis Kufstein-Süd wäre für uns in Kiefersfelden enorm wichtig“, so Gruber.

Entsprechend arbeite man intensiv an einer möglichen Lösung. „Wir versuchen, Wien zum Einlenken zu bewegen“, verrät er. Seine Hoffnung: dass ihm dabei der österreichische Nationalratswahlkampf in die Karten spielt.

Könnten die Bemühungen also schon bald von Erfolg gekrönt sein? Gruber gibt sich verhalten optimistisch: „Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.“