„Wir ermitteln mit Hochdruck“

von Redaktion

Nach Herbstfestbesuch vergewaltigt: Polizei hofft auf weitere Hinweise

Rosenheim – Die Vergewaltigung einer 21-Jährigen in der Nacht auf Sonntag erschüttert die Region. Die junge Frau war auf dem Weg vom Feiern nach dem Herbstfest nach Hause, als sie im Riedergarten Opfer einer Vergewaltigung wurde. Die Polizei ermittelt mit Hochdruck und hat dazu eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet. Sie bittet dringend um weitere Hinweise – auch rund um den Tatzeitraum.

Die 21-jährige Frau befand sich laut Polizei am Sonntag gegen 2.30 Uhr alleine und zu Fuß auf dem Nachhauseweg durch die Innenstadt. Dabei durchquerte sie den Riedergarten, wo sie plötzlich von dem unbekannten Mann angegriffen wurde. Er vergewaltigte sein Opfer an Ort und Stelle. Nach der Tat ließ er die Frau zurück und flüchtete.

Die 21-Jährige irrte in der Folge unter Schock ziellos durch die Innenstadt. Ein Passant wurde auf die junge Frau aufmerksam, als sie auf einer Bank am Max-Josefs-Platz saß, und brachte sie zur Polizei.

Sichtbare Präsenz der Einsatzkräfte erhöht

Wie die Polizei den OVB-Heimatzeitungen auf Nachfrage mitteilte, sind bereits Hinweise eingegangen. Zur „Qualität“ wollte sich das Präsidium indes noch nicht äußern. Nur so viel: „Wir ermitteln mit Hochdruck“, sagt Polizeipressesprecher Alexander Huber. Auch Polizeipräsident Robert Kopp versprach, „dieses Verbrechen schnellstmöglich aufzuklären“. Kopp: „Zur Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger haben wir die ohnehin schon hohe sichtbare Präsenz von Einsatzkräften in der Rosenheimer Innenstadt nochmals erhöht.“

Mittlerweile hat die Polizei die Ermittlungsgruppe „Park“ eingerichtet, acht Köpfe stark, die nun sprichwörtlich jeden Stein umdreht und den Hinweisen aus der Bevölkerung nachgeht.

Auch weitere Details zur Tat sind inzwischen bekannt, wie aus dem Präsidium zu vernehmen war. Einzelheiten will die Polizei aber aus ermittlungstaktischen Gründen zum jetzigen Zeitpunkt nicht veröffentlichen.

Um dem Täter auf die Spur zu kommen, ist für die Kripo Rosenheim, die die Ermittlungen übernommen hat, jedes noch so kleine Detail von Bedeutung. Zumal die Anzahl an Hinweisen laut Polizei noch nicht übergroß ist: „Allzu viele waren es bis jetzt nicht“, erklärte Sprecher Martin Emig am Nachmittag. Deshalb bitten die Ermittler Personen, die im Tatzeitraum zwischen 2.30 und 5.30 Uhr verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben, dringend, sich zu melden – entweder bei der Polizei Rosenheim unter Telefon 08031/2000 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle.

Die Täterbeschreibung: etwa 25 bis 30 Jahre alt, circa 1,65 bis 1,70 Meter groß, südländische Erscheinung mit braunem Teint, mittellange, glatte und dunkle Haare, Dreitagebart oder Stoppelbart. Zudem trug er helle Schuhe, eine Bluejeans und ein dunkles T-Shirt, außerdem eine dickere, auffallend signalrote Jacke mit Reißverschluss, zur Tatzeit offen.

Das Opfer war mit einem grünen, geblümten Dirndl und schwarzer Jacke bekleidet. Sie ist blond gefärbt. Die Kripo sucht in diesem Zusammenhang Personen, die die junge Frau vor oder nach der Tat im Riedergarten oder auf dem Weg durch die Innenstadt gesehen haben und hierzu Hinweise geben können.

Vergewaltigungsfälle sorgten auch in der Vergangenheit für Bestürzung in der Region: Im August 2018 war eine junge Frau in der Gabelsbergerstraße in Rosenheim von zwei Männern vergewaltigt worden. Die Täter konnten schnell festgenommen werden. Die beiden Somalier wurden im März zu langen Haftstrafen verurteilt (siebeneinhalb und acht Jahre).

Tat am Mangfalldamm noch ungeklärt

Im Juli 2017 wurde eine Frau in Rosenheim Opfer einer Vergewaltigung. Die 21-Jährige war in den frühen Morgenstunden mit dem Rad am Mangfalldamm auf dem Nachhauseweg, als sie der Täter auf Höhe Kunstmühle vom Rad holte und in ein Waldstück zerrte. Trotz groß angelegter Ermittlungen konnte der Täter bis heute nicht gestellt werden. Er wurde damals wie folgt beschrieben: Alter etwa Mitte 30, cira 1,70 bis 1,75 Meter groß, dunkle kurze Haare, schlanke Statur, dunklerer Teint; er sprach gebrochen deutsch.

Im September 2017 eine weitere schlimme Tat: Ein abgelehnter Asylbewerber war in Riedering auf einem Radweg südlich des Simssees über eine Joggerin hergefallen und hatte sie vergewaltigt. Der Nigerianer konnte gefasst werden und wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Fast vier Jahre sind seit einer weiteren abscheulichen Tat vergangen: Im November 2015 hatte der sogenannte Inndamm-Vergewaltiger für Schlagzeilen gesorgt. Der Mann (28) hatte damals eine 29-Jährige ins Dickicht gezerrt und brutal vergewaltigt. Die akribischen Ermittlungen der Polizei waren in diesem Fall von Erfolg gekrönt. Der Mann konnte gefasst werden. Der Familienvater mit türkischen Wurzeln wurde letztlich zu 14 Jahren Haft verurteilt, weil er nach Überzeugung des Gerichts auch für eine Vergewaltigung im Englischen Garten verantwortlich war.

Noch unaufgeklärt ist ein Sexualdelikt von November 2017: Damals wurde eine 17-Jährige in der Ebersberger Straße in Rosenheim auf Höhe Loretowiese von hinten angegriffen, ins Gebüsch gezogen und sexuell belästigt. Trotz detaillierter Täterbeschreibung war die Fahndung erfolglos.

Der Täter wurde als etwa 50 Jahre alt beschrieben, etwa 1,80 Meter groß, dunkelbrauner Vollbart, stämmig-mollige Figur. Markant zudem: eine waagrechte Narbe unterhalb des rechten Auges und eine auffällige Tätowierung am Hals – ähnlich einer Kette mit offenen Gliedern.

Im aktuellen Fall, der Vergewaltigung im Riedergarten, stellt sich nun die Frage: Sind die Parks und Anlagen in der Rosenheimer Innenstadt ausreichend beleuchtet? Im Salingarten hat die Stadt ganz aktuell nachgebessert und eine neue Beleuchtung mit LED-Masten anbringen lassen. Zudem wird die Plaza vor dem Kuko videoüberwacht.

Stadt sieht bislang von Beleuchtung ab

Und im Riedergarten? Hier ist es nach Einbruch der Dunkelheit stockduster. Von einer Beleuchtung hat die Stadt bis dato abgesehen. „Egal, ob beleuchtet oder nicht, der Riedergarten ist von der Straße aus nicht einsehbar, das macht es dann schwierig“, erklärt dazu Sprecher Thomas Bugl. Dennoch weiß auch er um das schwindende Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung. „Das Einzige, was hier helfen würde, wäre eine erhöhte Präsenz von Sicherheitskräften.“

Artikel 1 von 11