Balsam nach Zumutungen

von Redaktion

Neue Drogenbeauftragte

Was das Emporklettern auf der Karriereleiter betrifft, verlief das vergangene Jahr eher enttäuschend für die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. In der Großen Koalition fand sich kein Regierungsamt für die ehrgeizige Kolbermoorerin, Ministerpräsident Markus Söder servierte sie nach nur kurzer Zeit relativ kalt als stellvertretende CSU-Generalsekretärin ab, in der Diskussion um die Nachfolge von Wolfgang Berthaler erging keine Bitte aus den eigenen Reihen an sie, für die Landratskandidatur zur Verfügung zu stehen.

Der Ruf, Drogenbeauftragte der Bundesregierung zu werden, dürfte der Abgeordneten auch deshalb gelegen kommen. Er ist mit einem Hauch von Wiedergutmachung für all das behaftet, was ihre Partei Ludwig zuletzt zugemutet hat. Und dies vor dem Hintergrund, dass sie schon längst von der Hinterbänklerin zu einem politischen Schwergewicht der CSU aufgestiegen ist, das durchaus das Rüstzeug für höhere Weihen hat.

Noch für lange Zeit reichlich Zoff

Dass mit dem neuen Regierungsamt zugleich ihr Rücktritt als verkehrspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion verbunden ist, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Deshalb, weil eine Jahrhundert-Maßnahme im Bereich der Verkehrsinfrastruktur, wie sie der Brenner-Nordzulauf zweifellos darstellt, noch lange Zeit für reichlich Zoff in ihrem Wahlkreis sorgen wird. Da liegt die Vermutung nahe, dass ihr der Ämterwechsel hilft, sich in diesem Dauerkonflikt etwas aus der Schusslinie zu nehmen. Schließlich gehört Ludwig dann nicht mehr zur Phalanx derjenigen, die als Verkehrspolitiker der ersten Reihe Verantwortung für Großprojekte tragen, für die sie im eigenen Stimmkreis viel Prügel einstecken müssen.

Ðennoch: In ihrem bisher gezeigten Engagement, in Sachen Brenner eine optimale Lösung für die Region zu erreichen, wird die Abgeordnete nicht nachlassen. Die CSU-Politikerin ist klug genug, einen Kapitalfehler nicht zu machen: zu vergessen, wo die Wurzeln für die Legitimation ihres politischen Handelns liegen und damit die Axt an das Vertrauen derjenigen anzulegen, die durch ihr Votum an der Wahlurne immer wieder neu die Grundlage ihrer Arbeit sichern müssen. Mangelnder Einsatz dafür, die eigene Heimat lebenswert zu erhalten, käme für sie der Kündigung der politischen (Über)Lebensversicherung gleich. Die riskiert eine wie Ludwig nicht. Eher schon den legitimen Blick darauf, welche weiteren Aufstiegsmöglichkeiten die Politik in der Zukunft für sie noch bereithält.

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