Rosenheim/Obertaufkirchen – Es ist 2.50 Uhr, als die Sirene auf dem Dach der Grundschule in Obertaufkirchen zu heulen beginnt: Brand eines Einfamilienhauses. Schnell sind die Rettungskräfte da, eilen im Feuerwehrfahrzeug mit Martinshorn und Blaulicht zum Einsatz. Was eigentlich als Selbstverständlichkeit gilt, stößt in diesem Fall auf Kritik: „Sirene und Martinshorn – um 3 Uhr morgens. Muss das sein?“, meckert ein Anwohner. Die Feuerwehr sagt: Ja, das muss sein – und erfährt in den Sozialen Netzwerken eine riesige Welle der Unterstützung.
Feuerwehr-Kritik auch im Raum Rosenheim
Nicht alltäglich, aber klar, immer wieder müssten sich auch die Einsatzkräfte im Raum Rosenheim mit derartigen Beschwerden auseinandersetzen, erklärt dazu auch Kreisbrandrat Richard Schrank. Mit Blaulicht und Martinshorn zu nachtschlafender Zeit unterwegs – muss das sein? Sirenen-Alarm weit nach Mitternacht – das reißt doch die Kinder aus dem Schlaf! „Das kennen wir“, seufzt Schrank. „Das bekommen wir immer wieder zu hören.“
In Obertaufkirchen fühlte sich ein Anwohner durch die nächtliche Alarmierung gestört. Dies berichtet der Zweite Vorsitzende der dortigen Feuerwehr, Fabian Wetzel. „Er hat sich darüber beschwert, dass um 3 Uhr morgens die Sirenen ertönt sind. Seine beiden Kinder seien aufgewacht, auch er selbst. Der Schlaf habe ihm gefehlt. Man soll doch darauf Rücksicht nehmen, dass es Arbeitnehmer gibt, die um 6 Uhr aufstehen, weil sie zur Arbeit müssen.“
Wetzel verteidigt die Alarmierung: Die Feuerwehren hätten gar keine andere Wahl. Besonders die Sirenenalarmierung sei in ländlich geprägten Gebieten unabdingbar. „Es gibt zwar auch die Handyalarmierung, aber man kann nie gewährleisten, dass man davon in der Nacht geweckt wird. Nicht jeder hat sein Gerät eingeschaltet. Die Sirene ist die sichere Methode, wenn wir ausrücken müssen, um vielleicht sogar Menschenleben zu retten.“ Das kann Rosenheims Kreisbrandrat Schrank nur unterstreichen. Je nach Kommune und Alarmstufe sei es zwar unterschiedlich, ob über Piepser oder per Sirene alarmiert wird, aber grundsätzlich: Die Alarmierung ist unbestritten notwendig. „Im ländlichen Raum gibt es durchaus Gemeinden, in denen die Einsatzkräfte nicht mit Piepsern ausgestattet sind, was auch eine Kostenfrage ist, da muss dann über Sirene alarmiert werden“, betont Schrank. In den Städten wiederum würde nur bei hohen Alarmstufen die Sirene hinzugezogen – wobei überdies zwischen Tag- und Nachtzeit unterschieden werde. „Nachts wird hier die Sirene noch weniger häufig eingesetzt als tagsüber“, erklärt der Kreisbrandrat.
Und das Thema Blaulicht und Martinshorn zu Nachtzeiten? Blaulicht muss sein, klärt dazu Schrank auf. Das erfordert allein schon die Straßenverkehrsordnung. Denn nur mit Blaulicht dürften Sonderrechte genutzt werden, wie bei Rot über die Ampel oder entgegen der Einbahnstraße fahren. Das Martinshorn wiederum heißt: Platz machen. „Das ist dann das Wegerecht“, erläutert der Kreisbrandrat. Das würde zu Nachtzeiten in der Regel sehr sensibel eingesetzt. „Wenn ein Verkehrsteilnehmer auftaucht, müssen wir es einsetzen, ansonsten verzichten wir nachts, wenn möglich, darauf.“
Kein Verständnis
für Kritiker
Zurück nach Obertaufkirchen: Dort fehlt jedes Verständnis dafür, wenn genervte Anwohner die Sirenenalarmierung kritisieren. Feuerwehrler Wetzel dazu: „Während sie danach wieder einschlafen können, müssen wir von der Feuerwehr Höchstleistung erbringen – und das ehrenamtlich und unentgeltlich. An Schlaf ist in so einer Nacht nicht mehr zu denken.“ Trotzdem müssten auch die Hilfskräfte am nächsten Tag in die Arbeit. „Und wir sind dann alles andere als ausgeruht!“
Die Feuerwehr Obertaufkirchen ging jetzt in die Offensive, setzte einen Facebook-Post ab, um zu erklären, wie wichtig die Alarmierung in der Nacht ist. „Und wir ernteten ausnahmslos Zustimmung“, freut sich Wetzel. Binnen 24 Stunden hätte der Beitrag 50000 Menschen erreicht. Für Wetzel ist das die Bestätigung dafür, dass der überwältigende Anteil der Bevölkerung die Arbeit der Feuerwehren schätzt.