Kiefersfelden – Weithin sichtbar werden die zwei Dreiecke mit dem Logo des Schneeleoparden der Bergsportmarke „Dynafit“, die zur italienischen Oberalp-Gruppe gehört, emporragen. Im Gewerbegebiet an der Autobahn A 93 baut das Unternehmen für etwa 20 Millionen Euro den neuen Firmensitz von „Dynafit“. Gestern wurde der Siegerentwurf für das Gebäude vorgestellt. Tags zuvor hatte der Gemeinderat ihn einstimmig abgesegnet.
In Kiefersfelden entstehen mit dem neuen Firmensitz rund 100 neue Arbeitsplätze, eine Markenerlebniswelt, eine gläserne Manufaktur, ein Restaurant, eine Kindertagesstätte sowie ein Versammlungssaal. Der Baubeginn ist für das kommende Frühjahr geplant, 2022 soll das Gebäude fertig sein.
„Marken brauchen eine Heimat“
„Marken brauchen eine Heimat“, sagte Heiner Oberrauch, der Eigentümer der italienischen Oberalp-Gruppe, die hinter den Marken „Dynafit“ und „Salewa“ steht. „Eine Bergsportmarke gehört in die Nähe der Berge“, begründete er den Umzug vom bisherigen „Dynafit“-Sitz in Aschheim nach Kiefersfelden.
In Bozen habe man vor zehn Jahren bereits ein architektonisches Wahrzeichen für „Salewa“ gebaut. In Ergänzung habe man ein Pendant an der Nordseite der Alpen für „Dynafit“ schaffen wollen. Durch Geschäftskontakte sei man auf den Standort Kiefersfelden aufmerksam geworden. „Dort haben wir uns gleich willkommen gefühlt“, verdeutlichte Oberrauch.
Für Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber (UW) kam die Anfrage der Oberalp-Gruppe eigenen Angaben zufolge einem Sechser im Lotto gleich. „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren um die 1000 Arbeitsplätze verloren, zum Beispiel durch die Schließung mehrerer Industriebetriebe. Dass sich jetzt ein international tätiges Unternehmen bei uns ansiedelt, ist für die Gemeinde ein Segen“, so Gruber.
Man habe in den vergangenen Jahren auch einige andere Interessenten für das Gewerbegebiet gehabt, aber zum Glück abgewartet und jetzt das große Los gezogen. „Abgesehen von den Gewerbesteuereinnahmen freuen wir uns auch, dass unser Ort wieder neues Leben bekommt“, verdeutlichte das Gemeindeoberhaupt. Man mache sich auch schon Gedanken darüber, wo die neuen Mitarbeiter in Zukunft wohnen können.
Der Entwurf für den neuen Firmensitz von Dynafit mit zwei 30 Meter hohen Türmen in Dreieck-Form stammt vom renommierten Architektenbüro Estudio Barozzi-Veiga mit Sitz in Barcelona, das sich gegen acht Mitbewerber durchsetzte.
Entwurf „Liebe auf den zweiten Blick“
„Zunächst war dieser Entwurf gar nicht in der engeren Auswahl“, sagte Ruth Oberrauch, Mitglied der Unternehmer-Familie. „Je tiefer wir aber in die Materie eingestiegen sind, desto deutlicher wurde der Auswahljury das großartige Potenzial der Pläne. „Es war sozusagen Liebe auf den zweiten Blick“, so die Tochter des Firmengründers.
Alberto Veiga beschrieb bei der Vorstellung des Entwurfs, wie er mit seinen Kollegen an das Projekt heranging: „Wir haben die Landschaft von Kiefersfelden analysiert und sie mit den Kernwerten der Marke Dynafit in einen Zusammenhang gestellt. Die zwei Dreiecke stellen die Verbindung zu den Bergen her“, erläuterte der Architekt.
„Wenn man ein solches Projekt in Angriff nimmt, hat man eine große öffentliche Verantwortung. Unsere Gebäude dienen unseren Unternehmen, aber immer auch dem Umfeld, in dem sie stehen“, sagte Heiner Oberrauch. Er hoffe insofern, dass die Einwohner in Kiefersfelden in Zukunft voller Stolz auf das Wahrzeichen an der Autobahn blicken werden.