Über 4000 Ersatzteile, Wissen aus über vier Jahrzehnten und viel Geduld bringt Ute Geier mit, wenn sie mit ihrer mobilen Praxis auf Tour geht. Ihre Patienten: Hauptsächlich Puppen, aber auch Bären und Kuscheltiere aller Art. Ute Geiers Mann Günter war 56 Jahre lang als Puppendoktor tätig, jetzt betreibt die Angestellte eines Fotogeschäfts die Praxis im oberfränkischen Lisberg weiter. Hin und wieder eröffnet sie tageweise auch eine mobile Außenstelle. Und wenn sie kommt, stehen jüngere und ältere Menschen Schlange. Denn in Bayern gibt es nur noch wenige Doktoren mit Ute Geiers Fachgebiet. Die OVB-Heimatzeitungen haben die Puppendoktorin mit dem Faible für Teddybären nun nach Rosenheim eingeladen – mit Erfolg: Ende September wird sie zwei Tage lang im Medienforum praktizieren. Vorab hat sie ein paar Fragen zu ihrer Tätigkeit beantwortet:
Frau Geier, wo „studiert“ man eigentlich den Beruf des Puppendoktors?
In meinem Fall habe ich das gesamte Handwerk von meinem Mann Günter gelernt. Der wurde vor vielen Jahren von einem Puppendoktor angesprochen, ob er nicht Interesse habe, auch einer zu werden.
Und wie lernt man dieses besondere Handwerk?
Ich habe anfangs nur zugesehen und irgendwann angefangen, selbst kleinere Reparaturen zu machen. Mit der Zeit weiß man dann einfach Bescheid.
…über die verschiedenen Krankheiten? An was genau leiden die Patienten denn am häufigsten, die Ihnen die Kinder bringen?
Ach das können bei den Puppen zum Beispiel eingedrückte Augen sein oder auch alte Gummis. Die verbinden Körper und Gliedmaßen und leiern mit der Zeit einfach aus. Oft fehlen auch die Haare, Kinder schneiden sie gerne ab. Es sind aber übrigens mehr ältere Leute, die ihre Puppen zu mir bringen. Denen liegt meistens viel daran, die Erinnerungen von früher zu bewahren.
Und Sie haben dann
Perücken und andere Ersatzteile für alle Modelle dabei?
Genau – insgesamt 4000 Teile. Auch für Sammlerstücke. Wenn ich das ein oder andere einmal nicht habe, suche ich im Internet danach. Dann kann die Reparatur schon auch mal etwas länger dauern. Aber meine Patienten sind ja geduldig.
Brauchen Sie nicht selber auch viel Geduld bei Ihrer Arbeit?
Ja schon. Aber ich tüftle auch sehr gerne und mag es, vor immer neuen Herausforderungen zu stehen. Das erfüllt mich eigentlich am meisten an diesem „Beruf“.
Was erwartet die Leser denn nun im OVB Medienforum?
Die Leser können Puppen und Stofftiere aller Art an beiden Tagen zur Reparatur bringen. Ich nehme nur keine Barbie-Puppen an. Wenn ein Kunde von weiter her kommt, schaue ich, dass die Reparatur gleich gemacht wird. Das geht nur dann nicht, wenn etwas über Nacht trocknen muss oder ein hoher Reparaturaufwand nötig ist. Bezahlt wird bei Abholung.
Mit welchen Kosten müssen die Patientenbesitzer denn rechnen?
Ich erstelle vor der Reparatur einen Kostenvoranschlag. Der Preis hängt vom Aufwand und dem verwendeten Material ab. Kleinigkeiten können auch mal gratis sein.
Haben Sie eigentlich früher selbst gerne mit Puppen gespielt?
Nein, lieber mit Teddybären. Also mit meinem einzigen – ich hatte nämlich nur einen. Deswegen behandle ich die auch am liebsten.