Marjon Bos
seit zehn Jahren Leiterin des Irmengard-Hofs der Björn- Schulz-Stiftung in Gstadt
Wie viele Kinder und wie viele Angehörige besuchen inzwischen jährlich den Irmengard-Hof und wie viele Zimmer stehen den Gästen zur Verfügung?
Im Jahr 2018 genossen 630 Kinder und rund 200 Familien mit schweren Schicksalsschlägen eine Auszeit am Irmengard-Hof. Jedes Jahr kommen mehr Familien zu uns. Wir haben viele Stammgäste, was beweist, dass unser Angebot für die betroffenen Familien eine große Unterstützung bedeutet. Für die Gäste stehen insgesamt 24 Doppel- und Familienzimmer mit 80 Betten zur Verfügung. Für Familien mit schwerstkranken Kindern gibt es kaum Möglichkeiten in Deutschland, Urlaub zu machen. Bei uns sorgen Pflegebetten, eine Hubbadewanne, Pflegelifter, Medizinkühlschränke und viele Dinge mehr für einen erholsamen Aufenthalt der Familien. Alle Zimmer sind bis unters Dach mit dem Rollstuhl zu erreichen.
Das Angebot des Hofs wurde seit der Eröffnung immer weiter ausgebaut mit Spielmöglichkeiten, Streichelzoo und vielem mehr. Was sind die beliebtesten Angebote?
Betonen möchte ich, dass all diese Angebote nur durch die Großzügigkeit unserer Spender realisiert werden konnten. Vor allem die Kinder lieben die Tiere und den Streichelzoo am Irmengard-Hof. Wir bieten Stallzeiten an. Dabei dürfen die Kinder mit ins großzügige Gehege und dürfen die Esel und Ponys füttern, streicheln sowie striegeln. Das Gehege ist rollstuhlgerecht ausgebaut, sodass auch Kinder im Rollstuhl die Tiere ganz nah genießen können. Ganz besonders beliebt sind unsere Esel-Spaziergänge am Chiemsee – an denen oft die ganze Familie mit Kindern im Rollstuhl und gesunden Geschwisterkindern teilnimmt. Hierbei können sich die Eltern kennenlernen und austauschen. Heuer konnten wir durch eine Spende behindertengerechte Spielgeräte aufstellen. So können jetzt beispielsweise auch bewegungsunfähige Kinder in der Nestschaukel in den Himmel schauen und sich frei fühlen. Oft jauchzen die kleinen Gäste dabei vor Freude.
Welche Rolle spielt der Chiemsee in Ihrem Programm und Konzept, der ja nur einen Steinwurf entfernt ist?
Die wunderschöne Landschaft, in die der Irmengard-Hof eingebettet ist und die Nähe zum Chiemsee und zu den Bergen tragen wesentlich zur Erholung der Gäste bei. Wir haben sogar einen eigenen, rollstuhlgerechten Seezugang. Manch schwerstkranke Kinder können hier zum ersten Mal in ihrem Leben baden gehen. Unsere pädagogischen Fachkräfte am Hof bieten zudem unter anderem Geschwistercamps, Mütterfreizeiten und Ausflüge in die schöne Umgebung an. Dabei liegt der Fokus stets auf dem Erfahrungsaustausch. Wir sind nicht nur ein Nachsorge- und Erholungshaus, sondern auch ein Begegnungshaus. Bei uns werden gemeinschaftliche Aktivitäten großgeschrieben. So wird beispielsweise zusammen gekocht und gegessen, gespielt und abends am Lagerfeuer Stockbrot gebacken. Am Irmengard-Hof erfahren die betroffenen Familien, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein sind. Denn geteiltes Leid ist oft halbes Leid.