Rosenheim – Die Einigkeit im Kreisausschuss war schnell hergestellt. Es gab keine ablehnende Stimme, als stellvertretender Landrat Josef Huber (CSU) das Gremium bei seiner jüngsten Sitzung mit den Vorstellungen der Verwaltung konfrontierte und den Beschluss zur Absegnung der freiwilligen Fördermaßnahme herbeiführte. „Das Geld soll ein kleiner Anreiz für die Landwirte sein, etwas für die Artenvielfalt zu tun“, erläuterte Huber den Sinn der Finanzspritze. Insgesamt 24000 Euro will der Kreis in den nächsten vier Jahren für das Projekt zur Verfügung stellen.
Subventionierung
von Saatgut begrenzt
Die Subventionierung des Saatgutes ist bis Ende 2023 begrenzt, der zur Verfügung stehende Gesamtbetrag gedeckelt. Huber zerstreute die Befürchtung von Sepp Hofer, Fraktionssprecher der Freien Wähler, aufgrund der Begrenzung des Betrages könnten am Ende Antragsteller leer ausgehen,
Der stellvertretende Landrat rechnet nicht mit einer so großen Nachfrage, dass das Geld nicht reicht. Notfalls müsse man halt nochmals über eine Aufstockung des Betrages reden. Dass der Kreis Geld für die Alternativbepflanzung in die Hand nimmt, hängt vor allem mit der Tatsache zusammen, dass deren Saatgut mit 1700 Euro pro Hektar Anbaufläche relativ teuer ist.
Nach Angaben der Verwaltung gilt die „Durchwachsene Silphie“ im Vergleich zum Maisanbau für die Energiegewinnung von Biogasanlagen als natur- und artenfreundliche Alternative. Die blühende Wildpflanze kann bis zu 15 Jahre alt und drei Meter hoch werden.
„Als Dauerkultur wirkt sie sich positiv auf die Bodenökologie aus und hat nur einen geringen Pflegeaufwand. Sie liefert einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität, bietet Rückzugsorte für viele Tiere und Nistmöglichkeiten für Bodenbrüter“, listete die Verwaltung den Kreisräten auf. In der Verwendung als Substrat für Biogasanlagen liege ihr Ertrag nur leicht unter dem von Mais.
Anita Fuchs (Bündnis 90/ Die Grünen) begrüßte die Fördermaßnahme zwar, sieht darin allerdings nur „einen ersten Schritt“ zu einer von ihr geforderten Agrarwende. Kopfschütteln erntete sie im Ausschuss, als sie von ihrer Feststellung bei einem Ausflug ins Mangfalltal berichtete. Sie habe dort „Mais bis zum Horizont“ entdeckt. Die Kreisrätin wörtlich: „Mir sind fast die Tränen gekommen.“ Ihr entgegnete Dieter Kannengießer, Fraktionssprecher der Parteiunabhängigen, im Landkreis Rosenheim werde Naturschutz gelebt. Auch Josef Huber konterte trocken: „Wenn Sie eine Agrarwende fordern, reden Sie vom verkehrten Landkreis. Unsere Bauern machen eine gute Arbeit.“
Josef Baumann (Freie Wähler) missfiel der Beitrag von Fuchs ebenfalls. „Wir Bauern müssen Mais anbauen dürfen, wenn wir ihn als Tierfutter benötigen“, sagte er. Andrea Rosner, Fraktionskollegin von Fuchs, würde es wiederum sehr begrüßen, wenn sich die Wirtschaftsförderung des Landkreises um mehr Biodiversität kümmern könnte. Das Ameranger Gemeindeoberhaupt August Voit (CSU), zugleich Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, plädierte dafür, das Thema bei der nächsten Bürgermeister-Dienstversammlung nochmals aufzugreifen. Für die Arbeit der heimischen Landwirte fand er viel Lob und erinnerte daran, dass sie einen entscheidenden Anteil an der wunderbaren Kulturlandschaft hätten, die den Landkreis prägt.
Josef Bodmaier, der Kreisobmann der Bauern im Landkreis Rosenheim, findet die Fördermaßnahme des Landkreises gut, glaubt aber, dass die „Durchwachsene Silphie“ künftig auf einer überschaubaren Anzahl der Flächen gedeihen werde, die im Landkreis derzeit für den Maisanbau genutzt werden.
Die Homepage des Rosenheimer Landwirtschaftsamtes verrät, dass es im Landkreis derzeit insgesamt 67700 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche gibt. Über 70 Prozent davon werden nach Behördenangaben als Grünland bewirtschaftet. Von den verbleibenden knapp 20000 Hektar würden 52 Prozent für den Maisanbau genutzt.
Bauernverband sieht begrenztes Potenzial
Bodmaier glaubt, dass die Alternativbepflanzung an Seitenstreifen und Gewässerrändern ihre Berechtigung hat, lässt aber keinen Zweifel daran, dass Mais für die Erzeugung von Biogas wertvoller als die „Durchwachsene Silphie“ ist. „Der Ertrag bei der Alternativpflanze liegt im Vergleich zum Mais nur bei etwa 80 Prozent“, so der Kreisobmann. Er schätzt deshalb, dass sich die „Durchwachsene Silphie“ künftig nur auf einer Gesamtfläche von 100 Hektar im Landkreis findet. Auch deshalb, weil rund zwei Drittel des im Landkreis angebauten Maises von den Landwirten für die Fütterung ihres Milchviehs benötigt würden.