Diebischer „Testspieler“?

von Redaktion

Nach Fußball-Probetraining in Götting und andernorts fehlt Geld

Bruckmühl – Er kam, kickte – und klaute? Die Spieler der SV DJK Götting sind sauer. Ein 30-Jähriger aus Rosenheim steht im Verdacht, sie bei einem Probetraining bestohlen zu haben. Und der Verein ist anscheinend nicht das einzige Opfer aus der Region. Am 12. September lernten die Göttinger Fußballer eine Lektion, auf die sie gut hätten verzichten können. „Bei uns ist grundsätzlich jeder willkommen, egal, woher er kommt“, sagt Bernhard Mayer, Spartenleiter Fußball beim Göttinger Sportverein. So ist es auch jenem Trainingsabend gewesen, an dem sich der neue Spieler vorstellt. Er arbeite in München, wohne in Rosenheim, wolle nun nach Götting ziehen und endlich wieder kicken, erzählt er laut Mayer den Fußballern.

Vereine und Spieler

erstatten Anzeige

Die freuen sich, erlauben ihm das spontane Probetraining und sind erstaunt. „Der hat richtig gut gespielt, den hätten wir gebrauchen können“, erinnert sich Mayer. Dass ihm noch die Kondition fehlt und er deshalb schon nach einer Stunde vom Platz gehen möchte, verwundert keinen. Schließlich wollte man sich nach dem Training ja in der Umkleide noch auf ein Bierchen treffen. Die Kicker der ersten Mannschaft trainieren weiter. Nach einer Stunde traben auch sie vom Platz, duschen in Ruhe und stellen beim Ankleiden fest: Der neue Spielkamerad ist weg, und weg ist bei allen auch das Bargeld aus den Geldbeuteln! „Auf den ersten Blick ist uns das gar nicht aufgefallen, weil alles so aussah wie zuvor“, erklärt Mayer.

Jemand hat sich offensichtlich in aller Seelenruhe bei den Göttinger Kickern bedient. „Hat die Hosen aus den Sporttaschen genommen, die Geldbörsen geleert und dann alles wieder fein säuberlich eingepackt“, beschreibt es Spartenchef Mayer. Bei den Spielern im Alter von 18 bis 30 Jahren sind mehr als 500 Euro weg. „Bitter“, sagt Mayer, „die Jungs hatten mehr dabei als gewöhnlich, denn sie wollten zum Herbstfest-Ausklang nach Rosenheim.“

Nach dem ersten Schock googeln die Spieler den Tatverdächtigen. Sie stoßen auf sein Foto im Netz, eine tolle fußballerische Vita mit viel regionaler Erfahrung. So erklärt sich sein Können auf dem Platz. Ein Verein von damals bestätigt dem Verdächtigen einen tadellosen Auftritt als Fußballer und Mensch. Vor etwa sechs Jahren scheint sich etwas geändert zu haben: Neben dem Verein in Götting scheinen auch Mannschaften in Aßling, Ramerberg und Schechen Erfahrungen mit der Masche „Kick und Klau“ gemacht zu haben.

„Er hat sich zwei Wochen vor dem Probetraining telefonisch bei mir angemeldet, erzählt, dass er nach Ramerberg ziehen und wieder kicken will“, sagt etwa ein Trainer des SV Ramerberg. Der Spieler sei dann auch tatsächlich zum Training gekommen, habe 20 Minuten vor dem Ende abgebrochen. Als Grund habe er eine Verletzung angegeben. Er sei dann alleine in die Kabine gegangen. Danach fehlte Geld, und der Spieler sei nie wieder aufgetaucht.

170 Euro verschwanden insgesamt in Ramerberg. Drei Spieler erstatteten am 5. September bei der Polizeiinspektion in Wasserburg Anzeige. Gleichzeitig versuchte der Trainer, den vermeintlichen Dieb telefonisch zur Rede zu stellen und rief ihn an: „Ich stellte fest, dass er mir die Nummer der Polizei in Rosenheim gegeben hatte!“

Die Göttinger schlagen zurück: In sozialen Netzwerken warnen sie andere Vereine. Sie haben auch Anzeige bei der Polizei Bad Aibling erstattet. Nähere Infos geben die Aiblinger Beamten derzeit nicht heraus, verweisen darauf, die laufenden Ermittlungen sollten nicht gefährdet werden. In Wasserburg dagegen ist man schon weiter: „Nach der Anzeige vom 5. September haben wir einen 30-jährigen Rosenheimer als Täter ermittelt und Anzeige wegen Diebstahls bei der Staatsanwaltschaft gestellt“, informiert Markus Steinmaßl, Dienstellenleiter in Wasserburg. Der Richter ordnete daraufhin Haft an. Der Verdächtige sitzt schon in Untersuchungshaft.

Misstrauen gegenüber Fremden gewachsen

Was nach dem Diebstahl in Götting bleibt, ist ein fader Beigeschmack. „Wir waren fahrlässig“, räumt Bernhard Mayer ein. Die Umkleiden werden nun verschlossen, zusätzliche Schlüssel angefertigt, damit alle Sparten gleichzeitig Zugang haben. Und auch die Zeiten einfacher Umkleiden mit Bänken und Garderobenhaken scheinen vorbei zu sein. Verschließbare Spinde werden plötzlich wichtig – für die persönlichen Dinge. Doch das ist eine Investition, über die der Sportverein erst beraten muss.

Und künftige Probespieler? „Meist sind es ja Freunde und Bekannte unserer Stammspieler“, meint der Spartenchef. Fremde werden so unvoreingenommen wie bisher nicht mehr ins Göttinger Team gelassen.

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