Rosenheim/Landkreis – Auch in Zeiten des Klimawandels bleibt das Auto des Deutschen liebstes Kind. Das gilt auch für die Region: Die Zahl der Fahrzeuge, die in Stadt und Landkreis Rosenheim gemeldet sind, ist in den vergangenen 20 Jahren in einem atemberaubenden Tempo gestiegen.
Ab 1. Oktober sollen die vielen Fahrzeughalter noch einfacher an ihre Papiere, Stempel und Schilder fürs Auto kommen. Am Dienstag erweitern alle Kfz-Zulassungsstellen in Deutschland ihr Online-Angebot – das gilt auch für die heimischen Einrichtungen in Rosenheim, Bad Aibling und Wasserburg.
Doch so bequem und einfach dürfte die Sache nicht sein. Denn für eine erfolgreiche Online-Zulassung benötigt man nicht nur einen Internetzugang, sondern auch einen Personalausweis mit Onlinefunktion und dazu ein Lesegerät mit NFC-Chip zur drahtlosen Übertragung der Daten. Hinzu kommt, dass sich das Durchklicken durch die Formulare hinziehen kann – und das eine oder andere Fragezeichen ohne kompetente Beratung unbeantwortet bleiben könne.
Wiederzulassung:
Ein Online-Nutzer
in vier Jahren
Die vier Zulassungsstellen in Stadt und Landkreis Rosenheim sind zwar auf die Neuheit vorbereitet, mit einem großen Online-Schub rechnen sie allerdings nicht. Schließlich ist es nicht die erste Serviceneuheit im Netz, und auf die bisherigen Angebote war die Resonanz verschwindend gering.
Schon seit Januar 2015 kann man die Außerbetriebsetzung eines Fahrzeugs online abwickeln, seit Oktober 2017 auch die Wiederzulassung. Bei der Wiederzulassung hat das Angebot in zwei Jahren ein einziger Kunde im Landkreis Rosenheim genutzt. Zur Online-Außerbetriebsetzung ist es in über vier Jahren immerhin 74-mal gekommen – aber auch nur, weil ein einziges Autohaus den Service in Anspruch genommen hat.
Landkreis Rosenheim: 167000 Autos für 261000 Einwohner
Ab morgen greift der Online-Service nun auch bei Neuzulassungen, Umschreibungen und Adressänderungen. Aber nur wenige Bürger in Deutschland nutzen den neuen Ausweis im Scheckkartenformat fürs Internet, weil sie noch kein Lesegerät für Behördendienste im Internet haben.
„Je mehr Verwaltungsdienstleistungen künftig aber digitalisiert angeboten werden, umso mehr werden sich diese digitalen Funktionalitäten auch durchsetzen“, ist Sprecher Christian Schwalm von der Stadt Rosenheim überzeugt.
Vom neuen Service könnte vor allem die Großstädte profitieren. Die Berliner müssen zum Beispiel monatelang warten, bis sie einen Termin in ihrer Zulassungsstelle bekommen. Im Raum Rosenheim ist das anders. Dort kommen die Bürger in der Regel in wenigen Minuten dran. Nur in der Hochsaison im März und April kann es mal eine Stunde oder maximal zwei dauern.
167000 Autos sind nach Angaben von Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes, mittlerweile im Landkreis Rosenheim zugelassen, der 261000 Einwohner hat. Dazu 36000 Lkw, 21000 Motorräder und 231 Busse. Zum Vergleich: 2009 waren es noch 152000 Autos, 1999 nur 127000 – eine gewaltige Zunahme.
Eine stark steigende Tendenz gibt es auch in der Stadt Rosenheim (derzeit rund 63500 Einwohner). Dort hat sich die Zahl der Kraftfahrzeuge in 30 Jahren fast verdoppelt: von 29900 im Jahr 1988 auf fast 46500 zum Stichtag 1. September 2019. Von einem vermehrten Verzicht der Menschen auf das eigene Auto sei bei diesen Zahlen nichts zu spüren, kommentiert die Stadt Rosenheim den enormen Zuwachs.
Die heimischen Kfz-Zulassungsstellen mussten sich den immer größeren Anforderungen anpassen – nicht nur in Sachen Masse, sondern auch qualitativ. Ging es früher meist nur um Zulassungen oder Abmeldungen, so ist die Arbeit in der globalisierten Welt komplexer geworden. CO2-Ausstoßklassen, Ausfuhr- und Überführungskennzeichen – viele Vorschriften und Sonderwünsche sind zu beachten. Speziell im Raum Rosenheim kommen viele Kunden aus dem Ausland – und bringen die Autos dann nach Österreich, Kroatien oder Russland.
Tiefgreifendste Änderung war die Digitalisierung, die den Zulassungsbehörden mehr Kundenorientiertheit ermöglichte. Online-Terminvergaben, Online-Reservierungen von Wunschkennzeichen oder Online-Prüfungen, ob ein Bankbrief bereits in der Zulassungsbehörde vorliegt, ersparen schon jetzt manchen Behördengang.
„Insgesamt stehen wir dabei aber noch ziemlich am Anfang“, sagt Stadt-Sprecher Schwalm. Aber im Projekt „Kfz-Zulassungsstelle 4.0“ wird am morgigen Dienstag ein neues Kapitel aufgeschlagen.