Stimmen zur Übernahme des Kathrein-Kerngeschäfts:

Ericsson hat jetzt das Sagen

von Redaktion

Übernahme des Antennen- und Filtergeschäfts von Kathrein endgültig

Rosenheim – Das vormalige Kerngeschäft der Kathrein-Gruppe, die Antennen- und Filtersparte, ist jetzt Bestandteil des Ericsson-Konzerns. Das schwedische Unternehmen bestätigte den Abschluss der Übernahme zum 2. Oktober. Sie war Ende Februar dieses Jahres angekündigt worden. Weil die EU-Kommission die Übernahmegenehmigung später als erwartet erteilte, musste der Termin für die finale Eigentumsübertragung verschoben werden. Ursprünglich hatten beide Unternehmen das Geschäft zum 31. August abschließen wollen.

„Ein herzliches Willkommen an unsere neuen Kolleginnen und Kollegen. Wir sind überzeugt, dass wir unsere Produkte, die Kunden für 5G und darüber hinaus benötigen, gemeinsam noch besser weiterentwickeln werden“, so Fredrik Jejdling, Executive Vice President und Head of Business Area Networks bei Ericsson.

„Kompetenz bei Antennen ausgebaut“

Durch die Akquisition habe man die interne Antennen-Kompetenz ausgebaut. Dies sei mit Blick auf den neuen Mobilfunkstandard 5G von zentraler Bedeutung: „Da leistungsfähigere 5G-Netze auf den Markt kommen, wirkt sich dies auch auf die Entwicklung der Antennentechnologie aus, um die erforderliche Leistung, Kapazität und Abdeckung bereitstellen zu können“, sagte Jejdling.

Ericsson gewinnt nach eigenen Angaben eine kompetente Organisation mit Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung, Produktion und Vertrieb an mehr als 20 Standorten, darunter in Deutschland, Rumänien, den USA, Mexiko und China. „Mit vorwiegend in Europa ansässigen Fachleuten ergänzt Ericsson seine bereits starke Forschungs- und Entwicklungsbasis an 21 Standorten auf dem Kontinent“, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. Im Zuge der Übernahme sind knapp 3500 Beschäftigte weltweit von Kathrein zu Ericsson gewechselt. Etwa 1000 von ihnen arbeiten in Rosenheim.

Mit dem Verkauf des Antennen- und Filtergeschäfts an Ericsson sieht die Kathrein-Gruppe ihre eigene Restrukturierung als „weitgehend abgeschlossen“, wie das Unternehmen mitteilte. „Wir freuen uns sehr über den Abschluss des Verkaufs, der die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit dieses bedeutenden Bereichs sichert“, sagte Hans-Joachim Ziems, der seit Ende 2017 die Restrukturierung der Kathrein-Gruppe verantwortet. Der Sanierungsprofi wechselt nach Angaben des Unternehmens in den Aufsichtsrat der Kathrein SE.

Tochterunternehmen bleibt erhalten

Wie berichtet, bleiben von der Kathrein-Gruppe nur noch kleine Tochterunternehmen erhalten, die eigenständig firmieren. Die Kathrein Solutions GmbH mit Sitz in Stephanskirchen ist auf RFID- und IoT-Lösungen spezialisiert. Dazu zählen zum Beispiel Lösungen für industrielle Logistik oder für die Verkehrsinfrastruktur.

Die Kathrein Sachsen GmbH ist in Mühlau beheimatet und fokussiert auf Entwicklungs- und Fertigungsdienstleistungen rund um die Hochfrequenztechnik. Das Geschäft mit Rundfunksendeantennen betreibt die Kathrein Broadcast GmbH weiter. Die Kathrein Digital Systems GmbH schließlich entwickelt und vertreibt Systeme für den digitalen Empfang von Signalen, die via Satellit, Terrestrik, Kabel oder IP zugeliefert werden.

Hinter die eigenständige Zukunft der verbleibenden Unternehmen darf man im Fall der Kathrein Broadcast GmbH und der Kathrein Digital Systems GmbH ein Fragezeichen setzen. „Die Rundfunk- und SAT-Sparte werden wir ebenfalls veräußern“, hatte Ziems im Mai dieses Jahres in einem Interview angekündigt. Zum Stand derartiger Pläne gab Kathrein bislang keine Auskunft.

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