Nach Rausschmiss: DAV bleibt hart

von Redaktion

Über 40 Jahre war Otto Bodner (78) Hüttenwart auf der Aiblinger Hütte. Diesen Sommer wurde er von heute auf morgen vor die Tür gesetzt: von der DAV-Sektion Bad Aibling. Die Entrüstung ist groß. Doch trotz allen Gegenwinds: Der Vorstand bleibt beim Rausschmiss.

Bad Aibling – Brennholz hacken, Matratzen klopfen, für Ordnung sorgen – Jahrzehnte war Otto Bodner mit der Aiblinger Hütte verbunden. Als einer der knapp zwei Dutzend Hüttenwarte hatte er an unzähligen Tagen seinen Dienst verrichtet, alles ehrenamtlich und „mit Leib und Seele“, wie er betont. Immer unterstützt von seiner Frau Katharina. „Die Hütte ist ein großer Teil unseres Lebens“, ergänzt der 78-Jährige, der die Vorgänge nach wie vor kaum glauben kann. Denn nach über 40 Jahren hat ihn seine Sektion urplötzlich vor die Tür gesetzt – per Einschreiben, mit sofortiger Wirkung und ohne ein Wort darüber zu verlieren. Die Empörung über dieses Vorgehen ist groß.

Streit um die Regeln weitet sich aus

Was war geschehen: Diesen Sommer sind an einem Wochenende offenbar eine Jugendgruppe beziehungsweise deren Betreuer und der Hüttenwart aneinandergeraten. Es ging um die Verteilung der Schlafplätze, die Hüttenordnung, das Kochen und Abspülen. So schildert es zumindest der Hüttenwart. Seine Anweisungen seien mehrfach ignoriert worden, auch mit Hinblick auf andere Gäste, die sich zu dieser Zeit noch in der Hütte befunden hätten. Erst mit Nachdruck habe er sich durchsetzen können.

Am anderen Morgen war die Gruppe wortlos von dannen gezogen – doch der Streit verfolgt den Hüttenwart nun weiter: Die Betreuer beschwerten sich bei der DAV-Sektion Bad Aibling, die Eigentümer der Selbstversorgerhütte ist. Und dort machte man in der Vorstandschaft kurzen Prozess: Man schloss Otto Bodner mit sofortiger Wirkung vom Hüttenwartskreis aus. Begründung: die „massive Beschwerde“ der Jugendgruppe. „Für die Sektionsleitung besteht leider kein Zweifel an den Schilderungen“, so die Erklärung der Vorstandschaft per Einschreiben an den langjährigen Hüttenwart. Und fügt hinzu: „Diese Entscheidung ist für uns unwiderruflich und nicht diskutabel.“

Otto Bodner und seine Frau Katharina (77) sind entrüstet – und verstehen die Welt nicht mehr. Und mit ihnen eine ganze Reihe Bergfreunde, die sich in diesen Tagen nach der ersten Berichterstattung in einem Teil unserer Ausgabe (Bad Aibling) bei den Bodners gemeldet haben. „Der Zuspruch war groß“, ist der 78-Jährige zumindest ein wenig getröstet.

Fassungslos über das rigorose Vorgehen der Sektion sind nicht nur die Freunde und Bekannten der Bodners, sondern auch viele User auf der Facebook-Seite der OVB-Heimatzeitungen. „Donnerwetter, das ist ja ein Benehmen dieses Vereins, einfach unglaublich“, meint Barbara H. Und Andrea L.: „Das Benehmen des DAV ist einfach unmöglich.“ Thomas A. findet: „Kindergarten ist anders. Und schön, wenn Jugendliche mehr Gehör finden wie andere Gäste.“

Proteste zeigen

keine Wirkung

Trotz allen Protestes: Die DAV-Sektion Bad Aibling hält an ihrer Entscheidung fest. Das bestätigte ganz aktuell die Sektions-Vorsitzende Sylvia Klimesch auf Nachfrage: „Wir bleiben dabei.“ Sie betont aber auch: Wegen einer einzigen Beschwerde würde man einen solchen Weg nicht beschreiten. „Jetzt war es halt mal schriftlich und irgendwann langt‘s.“ Schließlich handle es sich bei der Aiblinger Hütte um ein Aushängeschild für den Verein. „Wenn man sich eben nicht entsprechend benimmt, dann ist derjenige auch nicht mehr der Richtige für dieses Amt“, erklärt die Vorsitzende.

Klimesch weiß aber auch, dass die Personalie vereinsintern durchaus für Aufruhr sorgt. „Anfragen haben wir natürlich einige erhalten“, bekennt sie. Und Austritte aus der Sektion? Dazu, sagt Klimesch, wolle sie sich nicht äußern. Hierfür sei es noch zu früh. Zudem handle es sich um Vereinsinterna.

Gleichzeitig erfolgte eine Reaktion in Sachen DAV-Geschäftsstelle: Die wäre eigentlich diesen Mittwoch geschlossen gewesen, krankheitsbedingt. Nun werden die Türen den Mitgliedern doch offen stehen (Mittwoch 17 bis 19 Uhr, Ganghoferstraße 7a) – aus aktuellem Anlass.

Der Dachverband des Deutschen Alpenvereins mit Sitz in München ist im aktuellen Fall noch nicht tätig geworden, wie Sprecher Thomas Bucher auf Anfrage erklärt. „Die Sektionen sind eigenständige Vereine und die von ihnen betriebenen Hütten sind Sektionsaufgabe.“ Der Dachverband mische sich deshalb nicht in jeden Streitfall ein. Dennoch ist die Causa Bad Aibling bereits bekannt – und auch in München von Interesse. „Mehr aber nicht“, betont Bucher gegenüber unserer Zeitung.

Otto Bodner hofft

auf Gerechtigkeit

Der geschasste Hüttenwirt wiederum hofft weiter auf Gerechtigkeit. Zumindest auf Vereinsebene. „So geht man nicht mit jemandem um, der Jahrzehnte ehrenamtlich tätig war“, ist Otto Bodner zutiefst enttäuscht. Spätestens bei der Jahreshauptversammlung im nächsten Frühjahr, glaubt der 78-Jährige, dürfte der Vorstandschaft das Vorgehen auf die Füße fallen.

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