Zeit zum Dankbarsein…

von Redaktion

„Da haben Sie aber ganz schön was zum Schleppen“, sagt der alte Mann hinter mir, als ich meinen Einkauf an der Kasse auf das Band lege. „Na ja“, meint er weiter, „es ist ja gut, dass wir überhaupt etwas zum Schleppen haben!“

Er hat recht! Ich muss zugeben, der wöchentliche Einkauf im Supermarkt ist mir manchmal lästig. Oft fehlt mir einfach die Zeit und die Ruhe dazu. Aber immer wieder einmal muss ich jetzt an den alten Mann denken, der vermutlich noch Zeiten erlebt hat, in denen es „nichts zum Schleppen“ gab.

Ich gehöre schon zu der Generation, die bei Hunger halt zum Kühlschrank geht und wenn ich vorher beim Einkaufen war, ist da auch etwas drin. Am Sonntag haben wir in unseren Pfarrgemeinden Erntedank gefeiert.

Es gibt Grund genug zu danken: für die Auswahl im Laden und den vollen Kühlschrank; für die Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten und ohne deren Lebensform es unsere bayerische Kulturlandschaft schon längst nicht mehr geben würde; für unsere Handwerksbetriebe, unsere vielseitige Gastronomie und vieles mehr.

Es reicht nicht, ab und zu nur „Danke“ zu sagen. Dankbarkeit ist eine Grundhaltung und dazu gehört das Bewusstsein, dass wir unser Leben nicht unserer eigenen Leistung verdanken. Wir leben von dem, was uns die Erde schenkt und aus der Kraft der Gemeinschaft mit anderen. Hinter all dem steht für den glaubenden Menschen jemand, dem wir unsere Schöpfung „ver-danken“. Wer das verinnerlicht hat, der wird selber geben und schenken können.

Das wird zu einem heilbringenden Kreislauf: Wer dankt, wird im Leben immer wieder Neues geschenkt bekommen, für das er danken kann. Das Leben des Undankbaren ist voller Bitterkeit. Dem Dankbaren strömt das Leben über.

„Erst die Dankbarkeit macht das Leben reich“, schreibt Dietrich Bonhoeffer in einem seiner letzten Briefe. Wieder einmal lege ich im Supermarkt meinen Einkauf auf das Band und warte an der Kasse. Gut, dass ich etwas zum Schleppen habe! Zeit genug, um dankbar zu sein.

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