BBT-Zulaufplan mit Notbremse

von Redaktion

Verkehrsministerium: Neue Bedarfsprüfung für Neubau in zehn Jahren

Rosenheim/München – „Bund und DB planen weiter und treiben das Verfahren voran. Ende des nächsten Jahrzehnts kann man dann untersuchen, ob die Neubautrasse tatsächlich notwendig ist oder nicht.“ Diese neue Aussage zum Stand der Dinge beim Brenner-Zulauf im Raum Rosenheim – quasi ein zweigleisiges Planmodell mit eingebauter Notbremse, die gegen 2030 gezogen werden könnte – wird in der Region aufhorchen lassen.

Zumal sie direkt aus dem Bayerischen Innenministerium kommt: Genau mit diesen Worten hat jedenfalls Hans-Peter Böhner, zuständiger Abteilungsleiter in der Behörde, am Mittwoch die Landtagsabgeordneten im Verkehrsausschuss zum Jahrhundertprojekt Brennerbasistunnel (BBT) ins Bild gesetzt.

Weil wissenschaftlich fundierte Verkehrsprognosen allenfalls 15 Jahre weit reichen, stellen Bürgerinitiativen im Landkreis Rosenheim immer wieder infrage, ob die neuen Schienen nach Tirol überhaupt erforderlich sein werden. Das weiß auch Böhner: „Die Gegner des Projekts sagen: ,Lasst es bleiben, denn der Bedarf ist ja nicht nachgewiesen.‘“

Bislang hatten jedoch weder Bahn noch Politik den grundsätzlichen Bedarf einer Neubaustrecke mit einem Fragezeichen versehen. Das klingt nun anders. Es werde am Ende darauf ankommen, zu welchen Prognosen neuere Studien gegen Ende der 2020er-Jahre führen, so Böhner. „Wenn es so kommt, wie der Bund und wir auch erwarten, dass der Güterverkehr weiterwächst, dann hätte man die Legitimation, in die Bauphase einzutreten. Wenn es – aus heutiger Sicht überraschend – anders käme, dann müsste man sich diese Frage neu stellen. Die wird man sich dann auch stellen“, argumentierte der Ministerialdirigent im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr in der Sitzung des Verkehrsausschusses.

Mit anderen Worten: Dann könnte man den Neubau einer Strecke – derzeit liegen fünf Varianten auf dem Tisch – immer noch stoppen, bevor der erste Bagger anrollt. Andererseits könne man die nötige Infrastruktur auf die Schiene bringen, „wenn man im Jahr 2040 tatsächlich den Bedarf hat“, so Böhner. Bis dahin könnte auch die Zulaufstrecke auf bayerischer Seite fertig sein, meinen Experten.

Mit dieser Einschätzung knüpft das Ministerium an eine Aussage an, mit der Torsten Gruber Ende Juli bei einer DB-Infoveranstaltung zum Brenner-Zulauf für Verblüffung unter den Zuhörern gesorgt hatte. „Der erste Schritt ist die digitale Ertüchtigung der Bestandsstrecke. Währenddessen und auch danach wird man sehen, wie sich der Verkehr entwickelt und ob der tatsächliche Bedarf den Bau einer Neubaustrecke notwendig macht“, sagte der scheidende Bahn-Projektleiter der Nordzulaufsplanungen vor Monaten in Rohrdorf.

Digitalisierung sorgt für mehr Kapazität

„Das habe ich so noch nicht gehört“, reagierte damals nicht nur Dieter Dimmling, Mitglied der Bürgerinitiative Bürgerforum Inntal, überrascht. Gruber hatte diese Stufenlösung nicht nebenbei erwähnt, sondern explizit vorgestellt und auf einem Blatt skizziert.

Die neuen Gleise, auf denen Güter- und Personenverkehr über die Alpen fahren soll, haben eine einzigartige Dimension. „Es ist ein Jahrhundertprojekt. Das ist ja für die nächsten hundert Jahre, diese Infrastruktur“, sagt Klaus-Dieter Josel, Konzernbeauftragter der Deutschen Bahn für Bayern.

Ein erster Schritt ist der digitale Ausbau des Netzes. Anfang Juli hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) grünes Licht hierfür gegeben. Südlich der Landesgrenze schreitet indessen der Bau des Brennerbasistunnels zwischen Österreich und Italien voran. 2028 wird als Eröffnungstermin ins Auge gefasst.

Bis dahin soll zumindest die Digitalisierung der Bestandsstrecke München-Kufstein, unter anderem mit dem neuen Signalsystem ETCS, erfolgt sein. Damit wird die Kapazität deutlich erhöht. Fürs erste reiche das, versichert Josel.

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