Rosenheim – Ulla Zeitlmann von den Grünen will Rosenheims nächste Landrätin werden. Bei der Aufstellungsversammlung des Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen im Rosenheimer Lokal „Tante Paula“ hat sie das Vertrauen der Mitglieder ausgesprochen bekommen. Damit ist sie nun offiziell Landratskandidatin für die Kommunalwahl am 15. März, bei der unter anderem der Posten des Landrates für den Landkreis Rosenheim neu besetzt werden wird.
„Politik in
der Sackgasse“
Zeitlmann ist 50 Jahre alt, Juristin in einem IT-Unternehmen und hat zwei Kinder. Die Aufstellungsversammlung nutzte sie, um ihren politischen Werdegang zu beleuchten und ihre Ziele darzustellen. So erzählte sie, wie sie als Tochter eines CSU-Bürgermeisters und Bundestagsabgeordneten zunächst einfach „raus“ wollte – irgendwohin, „wo die CSU keine Rolle spielte“. Also entschied sie sich für ihr Studium und den Beruf der Rechtsanwältin in einem IT-Unternehmen. Mit dem Gefühl, die Politik stecke in einer Sackgasse, hat sie schließlich begonnen, sich für die Grünen zu engagieren. Ihr Vater soll das mit den Worten „So a Schmarrn“ kommentiert, ihr aber keine Steine in den Weg gelegt haben.
Im Jahr 2005 hat sie den Bernauer Ortsverband mitbegründet und ist seitdem auf vielen Ebenen der Kommunalpolitik aktiv. Zeitlmann ist Gemeinderätin in Bernau, war sechs Jahre Kreisrätin und im Jahr 2013 Grünen-Direktkandidatin für die Bundestagswahl. Sie erinnerte daran, wie sie damals in einem Interview nach ihren wichtigsten Errungenschaften als Gemeinderätin gefragt wurde. „Naja, wir sind da“, habe sie nach langem Überlegen geantwortet. „Wir kämpfen, argumentieren, beantragen“, erklärt sie. In Bernau setze man sich zum Beispiel ein gegen das „Zupflastern“ des Sees, gegen einen „Mega-Ausbau“ der A8, für den Ausbau des Rad- und Gehwegnetzes.
„Ich höre oft von anderen Gemeinderäten ‚Woanders ist es doch auch nicht schlechter‘. Diese Mut- und Konzeptlosigkeit sehe ich auf allen Ebenen“, bemängelt Zeitlmann. So schaffe man es im Landkreis nicht, Plastikmüll ordentlich zu entsorgen, Mikroplastik schwimme im Inn herum. Der Ausbau der A8 würde einen enormen Flächenfraß bedeuten. Und jugendliche Flüchtlinge würden mitten in der Ausbildung ausgewiesen, obwohl Fachkräftemangel herrsche. Aufgaben wie Klimaschutz, faire Teilhabe oder Lösungen beim Wohnungsmangel, so ist Zeitlmann überzeugt, könnten nur mit den Grünen gelingen.
Auf den Brenner-Nordzulauf angesprochen betonte die Politikerin, dass man eine Verlagerung von Gütern auf die Schiene grundsätzlich unterstütze. Doch sie kritisierte das Vorhaben eines „Mega-Projekts mitten in der Landschaft“, ohne den bestehenden Verkehr zu hinterfragen. Der Brenner-Nordzulauf dürfe nicht bestehende Verkehrsverhältnisse zementieren. Zeitlmann ist überzeugt: Ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben, um aktuelle Herausforderungen sozialverträglich zu meistern. „Deswegen möchte ich, dass wir jetzt gemeinsam gestalten“, betonte sie.
Nach diesen Ausführungen wurde sie ohne Gegenstimme als Landratskandidatin gewählt. Die Wahlleitung hatte der Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Krahl übernommen, der auf Einladung der Kreisvorsitzenden Steffi König und Hubert Lingweiler nach Rosenheim gekommen war. Krahl berichtete außerdem über aktuelle Themen im Landtag.
„Umgang mit Senioren entscheidend“
Er kritisierte, dass die „größte Umweltbewegung der Welt“ dort nicht ernst genommen werde. „Deswegen müssen wir der parlamentarische Arm von Fridays for Future sein“, so Krahl. Im Gegensatz zur mutlosen Regierungsebene nehme man die Sorgen und Ängste der Jugend ernst. Aber auch, wenn man stark die Klimakatastrophe im Blick habe, dürfe man die Augen nicht vor anderen Herausforderungen verschließen. Der Sprecher für Pflegepolitik und Seniorenpolitik der Grünen-Landtagsfraktion thematisierte auch eine „humanitäre Katastrophe“. Er zeigte sich überzeugt, dass die Frage „wie gehen wir mit unseren Senioren um“, in Zukunft wahlentscheidend sein werde.