Rosenheim – Wildes Kampieren, Schwarzfischerei, Hunde, die nicht angeleint sind, und Berge von Müll: In den Naturschutzgebieten der Region läuft nicht immer alles nach Vorschrift. Die Polizei Rosenheim hat zahlreiche Bürgerbeschwerden zum Anlass genommen, um eine Naturschutzkontrolle durchzuführen. Das Ziel: Prävention.
600 Kontrollgänge
pro Jahr
Jürgen Halder (48) ist seit fünf Jahren der staatliche Fischereiaufseher des Anglerbundes Rosenheim. Er unternimmt im Jahr über 600 Kontrollgänge, fährt mit dem Rad vom Werkskanal zum Triftbach bis hin zur Mangfall. Er schaut nach dem Rechten, hält nach Schwarzfischern Ausschau. Immer wieder erwischt er Angler, die ohne einen Erlaubnisschein unterwegs sind. Für ihn unverständlich. „Es ist und bleibt eine Straftat“, sagt der Kolbermoorer.
Aber es sind nicht nur die Schwarzfischer, die Halder ärgern. Auch die Vermüllung an den Gewässern nehme immer mehr zu. Besonders schlimm sei es an den Ufern der Mangfall, sagt er.
Ein Problem, das auch Rainer Schäfer, Vorsitzender der Kreisfischerei Rosenheim, kennt. Flaschen, Plastik und Verpackungen werden einfach liegengelassen, sagt er. Auch unter den Fischern gebe es einige „schwarze Schafe“. Er meint diejenigen, die nach dem Angelausflug Wurmboxen und leere Maisdosen achtlos ins Gebüsch schmeißen, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Ein Problem, das es zu lösen gilt.
Also nahm sich die Rosenheimer Polizei der Sache an und organisierte die Kontrollaktion „Umwelt- und Naturschutz“. Insgesamt 50 Beamten der Rosenheimer Inspektion, der Wasserschutzpolizei Prien am Chiemsee, der Grenzpolizei Piding, der Rosenheimer Reiterstaffel sowie der Münchner Bereitschaftspolizei nahmen an der Kontrolle teil.
Idee der Aktion sei es gewesen, Naturschutzgebiete, Naherholungsgebiete, Seen und Flusslandschaften zu überwachen. Im Fokus der Beamten standen unter anderem illegale Grüngutablagerungen, das verbotswidrige Ausbringen von Gülle, Verschmutzungen durch Müll, Schwarzfischerei und die unerlaubte Nutzung von Motorbooten.
Nach einer Einsatzbesprechung teilten sich die Beamten auf. Eine kleine Gruppe machte sich auf den Weg zum Happingerausee. Mit dabei: Zwei Beamte der Grenzpolizei und ihre Drohne. „Mit der Drohne können Gebiete abgeflogen werden, die zu Fuß überhaupt nicht oder nur sehr schwer zu erreichen sind“, sagt Robert Maurer, Medienbeauftragter der Rosenheimer Polizei.
So entdeckten die Beamten nicht nur zahlreiche illegale Müllablagerungen, sondern auch mehrere verwaiste Schrottfahrzeuge. Zwar konnten die Verursacher nicht gefunden werden, das Rosenheimer Umweltamt kümmerte sich jedoch um die Beseitigung.
Die Wasserschutzpolizei Prien stellte am Simssee sechs Boote fest, bei denen die Genehmigung zur Fahrt auf dem Gewässer weiter überprüft werden muss.
Ein weiterer Verstoß: „An manchen Stellen wurde die Gülle zu nah am Flusslauf ausgebracht“, sagt Maurer. Eine Unachtsamkeit, die fatale Folgen habe kann, wie das Beispiel Wasserburg zeigt. Hier kam es zu einem massiven Fischsterben Anfang Juli im Schwarzmoosbach. Der Grund: Durch die Gülle sank der Sauerstoffanteil im Wasser.
Aber es gab auch gute Nachrichten. Alle Fischer hatten eine Genehmigung. Keine Selbstverständlichkeit, weiß Maurer. Auch gehe es bei der Schwarzfischerei nicht nur um das Angeln ohne Erlaubnis. Oft werde sich einfach nicht an die Regeln gehalten.
Pro Tag nur
drei Forellen
So darf beispielsweise an zwei Bereichen am Inn nicht gefischt werden, weil dort junge Fische eingesetzt werden, die nicht „sofort wieder gefangen werden sollen“. Auch dürfen pro Tag nur drei Forellen gefangen werden, die in den Fischereischein eingetragen werden müssen – mit Datum, Uhrzeit und Größe. Fängt der Angler mehr, handelt es sich um Fischwilderei.
Robert Maurer und seine Kollegen kündigen an, auch in Zukunft ähnliche Kontrollen durchzuführen. „Wir wollen die Bürger für die Problematik sensibilisieren“, sagt Maurer.