Warten auf Antworten

von Redaktion

Wenn ich auf dem Computer mein Postfach öffne, erscheint vor manchen Nachrichten der Satz: „Der Absender bittet um eine Lesebestätigung!“ Da soll ich jetzt schon vor dem Lesen eine Bestätigung schicken. Das baut das einen gewissen Druck auf, denn der Absender erwartet zeitnah eine Antwort. Nun habe ich zu reagieren.

Manchmal würde ich mir das auch für meine persönlichen Gebetsanliegen wünschen. Das wäre doch eine super Sache! Ich schicke dem lieben Gott eine Nachricht und er macht dahinter zwei blaue Hackerl: gelesen und zur Kenntnis genommen!

Aber ganz so einfach ist es leider nicht. Oft erzählen mir Menschen, wie flehentlich sie sich in großer Not an Gott gewendet hätten und ihr Gebet hätte kein Gehör gefunden. Da kann auch ein fester Glaube auf eine harte Probe gestellt werden.

Mir sind da Worte aus dem 139. Psalm der Bibel sehr wichtig geworden: „Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. Von fern erkennst du meine Gedanken. Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.“ Demnach werden zwar nicht alle Gebete „er-hört“, aber zumindest immer „ge-hört“. Gott weiß, was ich brauche, noch bevor ich es ausgesprochen habe. Das ist keine Vertröstung, sondern fordert mein Vertrauen heraus.

Wenn ich mir vorstelle, dass sich Gott nicht mehr um alles kümmern kann, habe ich in meinen menschlichen Dimensionen gedacht. Manchmal tut sich dann – auch ohne göttliche Lesebestätigung – eine Lösung auf. Allerdings meist anders und im Nachhinein oft besser, als ich es mir gewünscht habe.

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