Rosenheim – Den schwachen Wahlergebnissen und Umfragewerten der vergangenen Monate zum Trotz – die SPD-Basis in der Region Rosenheim blickt optimistisch in die Zukunft. Was die Hoffnung auf eine Renaissance der Sozialdemokratie in Deutschland bei den Genossen nährt? Vor allem der Mitgliederentscheid über den SPD-Bundesvorsitz. „Ich spüre einen frischen Wind“, sagt beispielsweise SPD-Mitglied Stephan Hammermüller aus Wasserburg, nachdem die beiden Kandidatenpaare, die jetzt in die Stichwahl um den SPD-Vorsitz gehen, feststanden.
Sechs Paare waren zunächst angetreten – am Samstagabend, kurz nach 18 Uhr, waren nur noch zwei übrig, die jetzt in die Stichwahl gehen: 22,68 Prozent der an der Wahl teilnehmenden SPD-Mitglieder wollen das Duo Klara Geywitz/ Olaf Scholz an der Spitze der Bundes-SPD sehen, 21,04 Prozent das Tandem Saskia Esken/Norbert Walter-Borjans. Insgesamt hatten 226775 der 425630 SPD-Mitglieder – also 53,28 Prozent – am Mitgliederentscheid teilgenommen (siehe Politik).
Favoritenteam
ist ausgeschieden
Einer von ihnen: Stephan Hammermüller (33), Beisitzer im Vorstand der SPD Wasserburg. Die Bekanntgabe des Votums am Samstagabend hatte der 31-Jährige „natürlich verfolgt“. Gefreut hat ihn vor allem, dass die Wahlbeteiligung noch deutlich angezogen hat: „Nachdem Anfang der Woche noch von 20 Prozent die Rede war, bin ich froh, dass es jetzt über 53 Prozent geworden sind.“
Sein Favoritenteam – Petra Köpping und Boris Pistorius – hat es auf Platz fünf zwar nicht in die Stichwahl geschafft. Mit den beiden Duos, die nun zur Wahl stehen, kann sich der 31-Jährige aber durchaus anfreunden. „Letztlich war ja kein Duo dabei, das man nicht hätte wählen können“, sagt der Sozialdemokrat, der das System der Mitgliederbefragung auch anderen Parteien in Deutschland ans Herz legen kann. „Das war der beste Weg“, ist sich Hammermüller sicher. Er spürt durch das Vorgehen „einen frischen Wind in der Partei“.
Eine Einschätzung, die Gesa Berendi-März (40), stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Bruckmühl, teilt. „Ich war allen Kandidaten offen gegenüber gestanden“, sagt die 40-Jährige, die sich über die Kandidatenpaare vor allem im Internet informiert hatte.
Letztlich hätten viele ihrer befreundeten Genossen nicht genau gewusst, wem sie ihre Stimme geben sollen, verrät die Bruckmühlerin gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Was aber keineswegs auf eine fehlende Qualität der Kandidatenpaare hindeutet, wie sie ergänzt. „Es war eher so, dass alle Kandidaten Vorzüge haben, die die SPD in der jetzigen Situation gut brauchen kann“, ist sich die stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende sicher.
Appell an die Geschlossenheit
Und egal ob am Ende das Duo Geywitz/Scholz oder Esken/Walter-Borjans gewinnt – die größte Herausforderung für die zukünftigen SPD-Bundesvorsitzenden bleibt nach Einschätzung von Berendi-März gleich: „Wir müssen es wieder schaffen, mit unserer Politik mehr junge Menschen zu erreichen.“ Außerdem müsse die SPD wieder „geschlossener auftreten“ – da sei mit dem Mitgliedervotum bereits ein guter Anfang gemacht worden. Berendi-März: „Schließlich konnte jedes SPD-Mitglied seine Stimme abgeben. Jetzt müssen dann aber auch alle hinter dem Ergebnis stehen.“
So sieht es auch Wilma Waldt, Beisitzerin im Vorstand des SPD-Unterbezirks Rosenheim-Stadt. Ihr Wunschpaar Nina Scheer und Karl Lauterbach hat es zwar nicht in die Stichwahl geschafft. Dennoch könne sie mit beiden Teams, die sich jetzt erneut dem Votum der SPD-Mitglieder stellen, „gut leben“.
Die Vorgehensweise, die Mitglieder über die Führung entscheiden zu lassen, bewertet die Rosenheimerin als „sehr gut“. „Ein direkteres Mitspracherecht gibt es ja letztlich sonst nicht“, sagt die 61-Jährige, die selbstverständlich auch bei der Stichwahl ihre Stimme abgeben wird.
So wie Walter Kindermann junior, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Bad Endorf und Fraktionsvorsitzender der SPD im Endorfer Marktgemeinderat. Wem er nun seine Stimme gegeben will, möchte der 28-Jährige zwar nicht verraten. Seine eigentlichen Favoriten sind allerdings nicht mehr dabei. „Ich habe für das Duo Gesine Schwan und Ralf Stegner gestimmt“, verrät der Bad Endorfer – das Duo, das mit nur 9,63 Prozent auf dem letzten Platz gelandet ist. Trotzdem findet der 28-Jährige, dass beide Kandidatenpaare, die jetzt in der Stichwahl antreten werden, „gute Alternativen“ sind.
Lob für die Vorgehensweise
Von der grundsätzlichen Entscheidung, die Besetzung des SPD-Bundesvorsitzes in die Hand der Mitglieder zu legen, ist der junge Sozialdemokrat auf jeden Fall begeistert. Kindermann junior: „Das, was die SPD jetzt hier gemacht hat, ist das Basisdemokratischste, was überhaupt möglich ist.“