„Müssen alle unseren Beitrag leisten“

von Redaktion

Islamforum: Freie Wähler und CSU erklären ihre Haltung – AFD bleibt Einladung fern

Rosenheim – Es ist ein mühsamer, oft von gegenseitigen Vorwürfen belasteter Dialog – und dennoch ist der Austausch zwischen den Religionen, zwischen Deutschen und Moslems, unverzichtbar und lohnenswert. Das machte eine Veranstaltung des Islamforums Bayern am Wochenende in Rosenheim deutlich. An dem runden Tisch beteiligen sich verschiedene muslimische Verbände, Kirchen und Vertreter aus der Politik.

Treffen in der
Ditib-Moschee

Im Januar waren SPD, Grüne, FDP und Linke eingeladen, ihre Haltung zum Thema „Islam und Muslime in Bayern“ zu erklären, jetzt war die Reihe an CSU, Freie Wähler und AFD. Wobei die rechtspopulistische Partei dem Treffen in der Rosenheimer Ditib-Moschee, einem schmucklosen Bau im Aicherpark, fernblieb und auf die Einladung gar nicht reagiert hatte. Im Konferenzraum waren rund 20 Gäste versammelt, viele aus islamischen Bildungseinrichtungen.

Florian Streibl, FW-Fraktionsvorsitzender im bayerischen Landtag und religionspolitischer Sprecher der Fraktion, unterstrich gleich zu Beginn seiner Ausführungen, dass die FW keiner Ideologie verpflichtet sei, sondern der sachlichen Arbeit. Und formulierte seine Überzeugung, dass der Islam in Deutschland angekommen sei: „Es gibt deutsche Muslime, und von daher gehört der Islam auch mit zu uns. Damit muss man umgehen.“

Den in Bayern im Rahmen eines Modellversuchs geleisteten Islamunterricht sieht er auf gutem Weg, er soll weiter in Richtung eines Wahlpflichtfachs ausgebaut werden. Entsprechend sollen es dafür auch mehr Lehrer geben. Streibl betonte die Bedeutung der Wertevermittlung durch die Religion, doch im selben Atemzug machte der Jurist deutlich, dass der Rechtsstaat und das Grundgesetz über allem stehe: „Das ist der Rahmen, der gesetzt ist, der für alle gleich gilt.“ Nur so könne eine offene Gesellschaft funktionieren, sagte Florian Streibl, Sohn der früheren bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl.

Zum Thema Kopftuch im öffentlichen Dienst hielt Streibl fest, dass hier nach deutscher Kompromisskultur eine liberale Lösung geschaffen worden sei – jeder könne seinen Glauben öffentlich zeigen. Aber da, wo der Staat in seiner hoheitlichen Funktion auftrete, müsse strikte Neutralität gewahrt sein, dürften religiöse oder andere, etwa parteibezogene Symbole, nicht gezeigt werden.

Mit Blick auf das Verhältnis zwischen Deutschen und Moslems sagte er: „Nur das gegenseitige Kennen und Verstehen schafft Vertrauen. Wenn man sich kennt, greift man nicht zur Waffe.“ Er forderte zudem zu einer respektvollen Sprache auf und mahnte, „auch mal die positiven Dinge zu sehen“. Die Religionen würden Stabilität in schwierigen Situationen geben.

Bildung und
Werte vermitteln

Serdar Duran, der ersatzweise für die CSU auf dem Podium saß, nachdem sich Klaus Steiner krankheitsbedingt entschuldigen ließ, drückte in seinem Statement die Erwartung aus, dass das Gesetzgebungsverfahren für die Etablierung des islamischen Religionsunterrichts beschleunigt wird. „Es wird kommen müssen, da gibt es keinen Ausweg“, sagte der türkische Moslem und Kommunalpolitiker in München. Die Lehrer sieht er in einer besonderen Pflicht, den Kindern Bildung und Werte zu vermitteln – auch auf digitale Weise.

In einem leidenschaftlichen Plädoyer beschwor er das gegenseitige Verständnis und mahnte in der Kopftuch-Debatte zur Zurückhaltung: „Wenn wir die Sache mit Emotionen angehen, einen Machtkampf daraus machen, einen Rachefeldzug führen, dann ist das der falsche Weg.“ Zusammenwachsen, an einem Strang ziehen, Toleranz zu üben – das sei der richtige. „Wir müssen aber jedem seine Symbole, seinen Raum lassen.“

Für die Zukunft ist Duran durchaus optimistisch, was das Zusammenleben der Religionen betrifft: „Wir müssen uns nur alle an der eigenen Nase fassen und unseren Beitrag leisten. Dann wird das schon.“

Das Islamforum Bayern

Das Islamforum ist ein Projekt der Groeben-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Interkulturellen Rat und dem Rat der Türkeistämmigen Staatsbürger in Deutschland und hat sich zum Ziel gesetzt, den Austausch zwischen muslimischen Einrichtungen, der nichtmuslimischen Zivilgesellschaft und staatlichen Stellen zu fördern. In verschiedenen Gesprächen, wie beispielsweise am Wochenende in Rosenheim, sollen zwischen Vertretern der verschiedenen Gruppen integrationsrelevante Themen erörtert werden. Vorsitzender des Islamforums Bayern ist Dr. Rainer Oechslen, der in der evangelisch-lutherischen Kirche Bayerns für den interreligiösen Dialog verantwortlich zeichnet.

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