Jetzt braucht Maxi selber Hilfe

von Redaktion

„Helfer braucht Hilfe!“ – unter diesem Motto organisieren die Bernauer Feuerwehrler derzeit eine große Typisierungsaktion für Sonntag, 10. November. Damit hoffen sie, Stammzellenspender für ihren Kameraden Maxi (26) und andere an Leukämie Erkrankte zu finden.

Bernau – „Das kennt man bei der Feuerwehr sonst nicht, dass man selber so hilflos ist“, sagt Kommandant Marcus Prassberger. Die Nachricht, dass ein Mitglied seiner Wehr an Blutkrebs erkrankt ist – zumal mit erst 26 Jahren – hat ihn schwer getroffen. Seine Frau Nadine regte an, eine Typisierungsaktion zu organisieren. Ein Vorschlag, hinter dem sie Vorstandschaft einmütig stand – und nicht nur die.

„Die Resonanz ist riesig. Viele Ortsvereine haben ihre Hilfe angeboten“, so Nadine Prassberger. Inzwischen weiß sie: „Sowas kannst du auch nur mit einer Menge an Menschen tragen.“ Auch, weil alles sehr schnell gehen muss.

Noch in den Sommerferien waren Maxi und seine Freundin Kathi mit einer Gruppe junger Feuerwehrmitglieder in Kroatien im Urlaub. Schon da ging es ihm nicht so gut. Richtig schlimm wurde es kurz nach der Rückkehr, ausgerechnet an Maxis 26. Geburtstag.

Heute darf Maxi
aus dem Krankenhaus

„Das war ein Sonntag. Er musste mir versprechen, gleich am Montag zum Arzt zu gehen“, erinnert sich seine Mama, Anita Beer. Auch Freundin Kathi ließ nicht locker. Also ging Maxi zum Arzt. Tags darauf die Diagnose: Leukämie.

Seit 3. September ist Maxi nun im Krankenhaus. Meist in Traunstein, kurz auch in München. Momentan geht es ihm ein wenig besser, sodass er am vergangenen Samstag endlich nach Hause durfte. „Es ist wichtig, dass er mal wieder seine Leute und seine Umgebung sieht, dass er dem Krankenhaus-Trott mal entfliehen kann“, weiß seine Mutter.

Doch sie will sich nicht zu früh freuen: „Ich bin vorsichtig. Das kann sich so schnell alles wieder wenden“. Schließlich, so berichtet sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, war es mehr als knapp. „Die Ärzte haben gesagt, ein, zwei Tage später, und er wäre nicht mehr unter uns.“

Müde war Maxi in letzter Zeit öfter. Alle dachten, es sei die viele Arbeit. Schließlich hatte er sich selbstständig gemacht. „Da war er voll dabei, damit er sich das gut aufbaut“, erklärt die Mutter. „Leider lag es nicht an der vielen Arbeit“ – das ist ihr jetzt bewusst.

„Im Nachhinein kann man plötzlich vieles deuten“, sagt auch Kommandant Prassberger. Dass Maxi, wenn er sich beim Feuerwehrdienst irgendwo anhaute, so schnell blaue Flecken bekam, zum Beispiel.

Zwar ist Maxi erst seit zwei Jahren Mitglied der Bernauer Feuerwehr, doch er gehört zum zuverlässigen Kern. „Weil er ja beruflich auch untertags in Bernau vor Ort war, war er bei vielen Einsätzen dabei“, so der Kommandant.

Die Feuerwehr war schon immer sein großes Hobby, so Mutter Anita. Maxi ist mit Leidenschaft dabei, wenn es darum geht, anderen in schwierigen Situationen zu helfen.

Als er 14 Jahre alt war, zog die Familie von Aschau nach Bernau. Zwei Jahre später folgte ein erneuter Umzug nach Sachrang. Seit zwei Jahren lebt Maxi nun wieder in Bernau, wo er sich eine Wohnung gemietet hat.

Kreisbrandrat
ist Schirmherr

Da ist es klar, dass auch seine früheren Ortsfeuerwehren aus Aschau und Sachrang ihre Hilfe angeboten haben. Und nicht nurdie. So wird etwa der Frauenbund am Aktionstag Kaffee und Kuchen verkaufen. Kreisbrandrat Richard Schrank übernahm die Schirmherschaft, und auch von der Gemeinde kommt volle Unterstützung.

So erklärt Bernaus Bürgermeister Philipp Bernhofer: „Die Typisierungsaktion kann Leben retten. Ich unterstütze als Bürgermeister und Dienstherr die Solidaritätsaktion und würde mich sehr freuen, wenn möglichst viele Bürger mitmachen.“

Weitere Vereine boten ihre Hilfe an. Und die wird auch gebraucht: Anfangs hatten die Prassbergers mit 40 bis 60 Helfern kalkuliert, doch inzwischen wurde aufgestockt. Die Helfer werden unter anderem mit Wattestäbchen einen Abstrich von der Wangenschleimhaut der potenziellen Spender nehmen. Sie sollen aber auch dafür sorgen, dass alles reibungslos und ohne lange Wartezeiten abläuft.

Viele werden am 10. November in der Bernauer Mehrzweckhalle im Einsatz sein, doch die Fäden laufen bei den Prassbergers zusammen. „Ich habe mir das viel schwerer vorgestellt“, sagt Nadine Prassberger. Sie hatte die Initiative ergriffen und eine E-Mail an die DKMS geschrieben, eine deutsche gemeinnützige Organisation, deren Haupttätigkeitsfeld die Registrierung von Stammzellenspendern ist. Schon am nächsten Tag bekam sie einen Anruf, dann per E-Mail einen Leitfaden und weiteres Material. „Da hatte ja keiner von uns im Vorfeld Erfahrung. Aber die Hilfe von der DKMS ist enorm“, sagt sie.

Ziel: Viele erreichen –
nicht nur für Maxi

Nadine und Marcus Prassberger sind seit Jahren selbst in der Datenbank als Spender registriert. „Wir würden die Aktion auch durchziehen, wenn für Maxi schon ein Spender gefunden wäre“, sagen sie. „Wir wollen viele erreichen – nicht nur für Maxi.“

Das ist ihnen gelungen. Der Flyer zur Aktion, den die Frau des Kommandanten zusammen mit einem Foto von Maxi im Internet hochlud, wurde in den sozialen Medien zum Selbstläufer. Er wurde als Profilbild hochgeladen und geteilt – unter anderem von Kabarettistin Monika Gruber und den Starbulls Rosenheim.

Die Mutter will den
Helfern helfen

„Die Welle der Hilfsbereitsschaft hat mich komplett überrollt“, sagt Maxis Mutter. Für sie steht fest: „Was die Feuerwehr organisiert hat, ist so überwältigend, dass ich selber helfen möchte.“ Daher wird sie am Wochenende der Typisierung von Übersee, wo sie mit Maxis Stiefvater lebt, nach Bernau kommen und mit anpacken.

Einerseits, um denen zu helfen, die ihrem Sohn helfen, aber auch, weil jede Art von Arbeit sie ablenkt – zumindest einen kurzen Moment lang.

Die Registrierung

Die Registrierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS ist am Sonntag, 10. November, von 11 bis 15 Uhr in der Mehrzweckhalle Bernau. Als potenzieller Stammzellenspender kann sich jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren in die weltweite Datei aufnehmen lassen. Mehr Infos unter www.dkms.de.

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