Gegen die Hoffnungslosigkeit

von Redaktion

Nach dem Abwurf der ersten Atombombe war in Hiroshima alle Natur ausgelöscht. Als niemand mehr glaubte, dass hier je wieder irgendeine Form von Leben möglich sei, schlug aus einer verbrannten Wurzel ein Ginkgo aus, als hätte es die Katastrophe nie gegeben. Dieser Baum ist den Menschen seitdem heilig und zum Symbol für Lebenskraft und Hoffnung geworden.

Nicht nur der Ginkgo in Japan, auch der Nußbaum im Garten ist für mich im Lauf der Jahreszeiten immer wieder ein kleines Wunder. Ein gewaltiges grünes Blätterdach hat mir den Sommer über Schatten gespendet. Jetzt ist nicht nur die Hängematte zwischen den Ästen verschwunden, sondern auch das Laub, als wäre nie Sommer gewesen.

Der kahle Anblick stimmt mich traurig und ich muss mir in Erinnerung rufen, dass der Baum den kommenden Winter nur überstehen kann, wenn er seine Blätter loslässt. Der Saft kann in die Wurzeln ziehen und seine Kraft sammeln für das Frühjahr. Wie die Bäume im Herbst, erleben auch wir Menschen Zeiten, in denen wir etwas schmerzlich loslassen müssen. Dann braucht es feste Wurzeln, die uns Halt und Nahrung geben.

Wenn wir uns in der Liebe Gottes einwurzeln, wird die Zeit der Kälte und das Ausgesetztsein in den Stürmen des Lebens zu einer Zeit der Regeneration für etwas Neues. Die Blätter fallen „und doch ist einer, der dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält“, schließt Rilke sein Herbstgedicht. Wir Menschen können nicht anders, als aus der Hoffnung zu leben und dann unsere Kraft für das Gute einsetzen, damit es nie wieder verbrannte Erde gibt.

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