Regierung sagt

Hallenbad schwimmen Felle weg

von Redaktion

Die Bürgermeister der Landkreis-Gemeinden sind nach Auskunft des Bad Aiblinger Stadtoberhaupts Felix Schwaller dagegen, dass sich der Kreis an den Kosten für einen Hallenbad-Neubau in der Kurstadt beteiligt. Für ihn ist das Thema damit erst einmal „abgehakt“.

Rosenheim/Bad Aibling – Seit das vom Förderverein Sportbad Bad Aibling e. V. betriebene Hallenbad im Leoheim 2013 seine Pforten schließen musste, ebbt die Diskussion um den Neubau einer solchen Schwimmstätte im bevölkerungsreichen Mangfalltal nicht ab. Dass die ÖDP mit einem Antrag in der morgigen Kreisausschusssitzung eine finanzielle Beteiligung des Kreises an einem Neubau durchdrücken will, sieht er angesichts der Ablehnung in der jüngsten Bürgermeister-Dienstbesprechung als aussichtsloses Unterfangen an und spricht von einem „Wahlkampfmanöver“.

Mehlo-Plath spricht
von „Missstand“

ÖDP-Kreisrätin Christine Mehlo-Plath sieht dagegen einen „Missstand“ und weist in ihrem Antrag darauf hin, dass die Kinder im westlichen Landkreis Rosenheim derzeit keinen regulären Schwimmunterricht erhalten und die Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft teilweise bis Bad Endorf zum Training fahren müssen. Sie analysiert eine Finanzierungslücke von drei Millionen Euro, die der Landkreis ihrer Meinung nach innerhalb der nächsten drei Jahre schließen sollte.

Was den Bedarf betrifft, ist sich der Aiblinger Bürgermeister, zugleich Sprecher der CSU-Kreistagsfraktion, mit der Bruckmühler Kreisrätin einig. Mit Blick auf die Realisierbarkeit des Projektes gehen die Meinungen jedoch weit auseinander. Schwaller geht nach derzeitigem Stand von Baukosten in Höhe von mindestens zehn Millionen Euro aus – Tendenz eher steigend. Ihnen stünden staatliche Fördermittel in Höhe von maximal 4,2 Millionen Euro gegenüber. Sie flössen, wenn das Bad für schulische Zwecke genutzt werden könnte. Dazu bedürfte es einer schulaufsichtlichen Genehmigung der Regierung von Oberbayern, die zunächst einzuholen wäre. Zu bedenken gibt das Stadtoberhaupt zudem, dass der Betrieb des Bades ein jährliches Defizit von etwa 200000 bis 300000 Euro nach sich zöge. Hierfür müsste die Stadt aufkommen.

„Die einzige Möglichkeit ist derzeit, dass die Stadt das Bad auf eigenem Grund und Boden in Eigenregie errichtet. Das kann ich im Moment aber nicht verantworten“, sagt der Bürgermeister mit Blick auf die Millionensummen, die der Neubau der Georgsschule und die Sanierung und Erweiterung des Feuerwehrhauses verschlingen werden. Zwei vorrangige Pflichtaufgaben der Stadt, während der Bau eines Hallenbades eine freiwillige Leistung wäre. „Wir könnten das Projekt angehen, wenn wir 90 Prozent Förderung bekämen. Nur dann wäre es verantwortbar“, sagt der Rathauschef, der ein gewisses Verständnis für die ablehnende Haltung aufbringt, die der vom Stadtrat grundsätzlich befürwortete Wunsch nach einem Hallenbad erfährt. Schließlich gebe es im Landkreis auch defizitäre Hallenbäder in Kiefersfelden, Bernau und Wasserburg.

Unterschriften
werden übergeben

Die Fördervereinsvorsitzende Elisabeth Geßner, zugleich Mitglied der Aiblinger CSU-Stadtratsfraktion, will den Kampf um ein neues Hallenbad im westlichen Landkreis dagegen noch nicht so schnell aufgeben. Binnen kurzer Zeit hat der Verein allein in Bad Aibling 2100 Unterstützer für eine Petition gefunden, die den baldigen Bau des Bades zum Inhalt hat. Rund 4200 weitere Unterschriften hat der Verein überwiegend im westlichen Landkreis gesammelt. „Im Westen lebt ein Drittel der Landkreisbevölkerung. Wir brauchen ein Hallenbad. Für den Kreis müsste es zu schaffen sein, drei Jahre lang jeweils eine Million Euro für den Bau zuzuschießen“, ist Geßner überzeugt.

Noch im November will sie die Unterschriftenlisten stellvertretendem Landrat Josef Huber vorlegen und mit ihm über das Projekt sprechen. Während die offizielle Tagesordnung der morgigen Kreisausschusssitzung die Behandlung des ÖDP-Antrags noch ausweist, hat Geßner Informationen des Landratsamtes, dass das Thema erst nach dem Gespräch zwischen Huber und ihr im Ausschuss beraten wird. Scharfe Kritik übt Geßner vor allem an der Zurückhaltung der Bürgermeister der westlichen Landkreisgemeinden. „Ich hätte mir da mehr Zusammenhalt gewünscht.“

Was das jährliche Defizit eines Hallenbades betrifft, sieht sie darin kein großes Problem. „Wir haben zwischen 2004 und 2013 als Betreiber des Bades im Leoheim bewiesen, dass wir mit einem monatlichen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro durch die Stadt ausgekommen sind.“

SPD fordert einen
Solidaritätsbeitrag

Auf Hallenbäder mit Lehrschwimmbecken zielt darüber hinaus auch ein Antrag ab, den die SPD-Fraktion zur morgigen Ausschusssitzung eingebracht hat. Sie fordert, dass der Landkreis jenen Kommunen, die ein solches Bad betreiben, einen jährlichen Solidaritätsbeitrag zur Abmilderung des Defizits überweist.

Fraktionssprecherin Alexandra Burgmaier will zunächst einen Grundsatzbeschluss herbeiführen, über die Höhe der Fördersummen soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. „Die wenigen Gemeinden im Landkreis, welche trotz finanzieller Belastung an ihrem Hallenschwimmbad mit Lehrschwimmbecken festhalten, tun dies nicht nur für ihre eigene Bevölkerung, sondern auch für umliegende Gemeinden. Es wäre daher zielführend, wenn sich alle Landkreis-Kommunen in Form eines jährlichen Solidaritätsbeitrages an den Verlusten beteiligen würden, um drohende Schließungen beziehungsweise das Verwerfen von Neubauabsichten zu verhindern“, begründet Alexandra Burgmaier den Antrag der SPD.

Bedarf für zehn Schulen

Für zehn öffentliche Schulen im gesamten Mangfalltal sieht die Regierung von Oberbayern Bedarf für ein Hallenbad. Acht davon befinden sich in Bad Aibling: Grundschule St. Georg, Luitpold-Grundschule, Mittelschule St. Georg, Rupert-Egenberger-Förderschule, Wilhelm-Leibl-Realschule, Wirtschaftsschule Alpenland, Berufsschule und das Gymnasium. Bedarf wird außerdem für die Realschule und das Gymnasium Bruckmühl gesehen.

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