Schleching – Ein paar schöne Stunden in Salzburg wollte der Münchner Dominik Freymuth verbringen – doch die Ausflugsfahrt mit seinem Tesla endete in einem flammenden Inferno. Freymuth kam nur knapp mit dem Leben davon – die Feuerwehr musste das Auto 72 Stunden kontrolliert in einem mit Wasser gefüllten Container abkühlen lassen.
Es sollte nach Salzburg gehen, am Brückentag nach dem 3. Oktober. Doch für Dominik Freymuth (57) endete der Trip mit einem Aufenthalt auf der Intensivstation – und dabei hatte er Glück: Vier Lebensretter hatten ihn aus seinem brennenden 520-PS-Tesla gezogen.
Mit 520-PS-Tesla
frontal gegen Baum
Freymuth hat einen Wohnsitz am Walchsee (Tirol). Wenn er nach Salzburg will, nimmt er die Bundesstraße über Kössen und Schleching auf die A8. An jenem Freitag kam er aber nicht weit. „Ich hatte seit Tagen eine leichte Bronchitis“, berichtet er, „deshalb wollte ich mir aus dem Handschuhfach ein Hustenguadl holen.“ Auf gerader Strecke stellte er das mehr als 100 000 Euro teure Elektroauto – das Allradmodell S 85D – auf Autopilot. „Bückte mich rüber, und sah mich plötzlich auf der Gegenfahrbahn.“ In Panik riss er am Lenker, das Auto brach nach rechts aus und krachte mit Tempo 60 gegen einen Baum. „Es ging blitzschnell, ich bemerkte von vorne Rauch, dann Flammen, ich konnte mich aber nicht befreien, hing schräg im Gurt fest. Mir schoss durch den Kopf: ,Hier komme ich nicht mehr lebend raus‘.“
Hinter ihm hatte aber sofort Josef Blösl (70) angehalten. Ihm gelang es, den verletzten Freymuth trotz der immer stärker lodernden Flammen aus dem Gurt zu befreien. Vor dem Tesla standen drei weitere Ersthelfer, zu viert schleppten sie den Münchner ein paar Meter weg, „Dann explodierte etwas“, erinnert sich Freymuth, Flammen schlugen bis zum Wipfel des Baums.
Zwei Wochen lang lag er im Krankenhaus von St. Johann, davon vier Tage auf der Intensivstation, unter anderem mit Rippenbrüchen.
Wrack für 72 Stunden
ins Wasser-Bad
Der Tesla war nur noch ein Wrack. Die Feuerwehren aus Kössen und Umgebung hatten ihn mit Wasser durchtränkt. Um den Akku weiter abzukühlen, kam das Auto für 72 Stunden in einen speziellen Container der Feuerwehr, der mit 11000 Litern Wasser gefüllt war. Das gilt als kontaminiert – eine Entsorgung soll pro 1000 Liter 250 Euro betragen.
Freymuth hatte sich den Tesla zugelegt, weil er fürchtete, wegen der Feinstaubdiskussion nicht mehr in die Münchner Innenstadt zu kommen. Bis jetzt hat er keine Ahnung, weshalb es zum Inferno kam. „Ich habe deswegen einen Anwalt eingeschaltet.“
Der Mechaniker, bei dem das Wrack inzwischen steht, fand vorne ein durch den Aufprall abgedrücktes Kabel, möglicherweise ein Hinweis auf einen Kurzschluss.
Von E-Autos hat Freymuth die Nase jedenfalls gestrichen voll. „Ich kaufe mir nie wieder eins. Das könnte ich schon alleine gegenüber meinen Lebensrettern nicht verantworten.“
Die Tiroler Nachbarn waren bei dem E-Auto-Unfall sogleich mit einem Spezial-Container zur Stelle, um das Wrack, insbesondere den hochexplosiven Akku, abkühlen zu lassen. Wie ist der Landkreis Rosenheim für diese Art von Einsätzen gerüstet?
„Bei uns gibt es Überlegungen, einen derartigen Behälter für E-Autos anzuschaffen“, erklärt Kreisbrandrat Richard Schrank auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Kostenpunkt für einen „Abrollbehälter“ mitsamt Seilwinde: zwischen 6000 und 7000 Euro. In erster Linie sollen damit aber liegengebliebene E-Autos abtransportiert werden können – und weniger in Wasser getränkt, wie auf Tiroler Seite geschehen.
Grundsätzlich steht der Kreisbrandrat dem Thema E-Auto-Unfall gelassen gegenüber: „Der Brand eines E-Autos ist auch nicht viel anders zu löschen als bei einem normalen Auto“, betont er. „Alles Hirngespinste, dass E-Autos Wunder wie gefährlich sind bei einem Unfall.“
„Akku-Brand wie eine
Feuerwerksbatterie“
Nach 15 bis 20 Minuten sei der Spuk in der Regel vorbei. Schrank: „Man muss sich das wie eine Feuerwerksbatterie vorstellen.“ Einzig der Flug der Leichtmetallfunken erfordere einen gewissen Sicherheitsabstand von zwei bis drei Metern. „Aber den braucht man bei einem normalen Fahrzeugbrand auch.“ Zum Löschen an sich reiche Wasser völlig aus. Ebenso, um ein Ausbreiten des Feuers zu verhindern. Bis dato blieben die Landkreis-Feuerwehren allerdings von einem E-Auto-Brand verschont.
Ist der Akku eines E-Autos nach einem Unfall angeschlagen, bestehe natürlich die Gefahr einer Reaktion, weiß Schrank. Das sei aber in der Regel Sache der Abschleppunternehmen, die Unfallwagen entsprechend separiert abzustellen. Dem Einsatz eines Wasser-Containers steht er skeptisch gegenüber: „Man kann ja nicht ein Auto mit 15000 Euro Unfallschaden einfach so versenken und damit womöglich einen Schaden in Höhe von 100000 Euro produzieren“, gibt der Kreisbrandrat zu bedenken. Und Schrank weiter: „Den Schuh wollen wir uns gar nicht anziehen, das entscheiden zu müssen.“
Weitaus mehr Sorgen als die E-Autos bereiten dem erfahrenen Feuerwehrler mit Gas betriebene Fahrzeuge. „Der mögliche Gasaustritt bei einem Auffahrunfall ist meiner Meinung nach wesentlich gefährlicher“, gibt Schrank zu bedenken. „Die Entzündungsgefahr ist dann unheimlich hoch.“
Problemfall
Schnell-Ladestellen
Das Thema E-Autos sieht der Kreisbrandrat in den nächsten Jahren in ganz anderer Hinsicht auf die Feuerwehren zukommen: Wenn es zur Überhitzung an den Schnell-Ladestellen in Tiefgaragen kommt. „Hier sind dann massive Brände zu befürchten“, sagt Schrank. Eine Herausforderung auch deshalb, weil diese Brände aufgrund der Edelmetalle in den E-Auto-Akkus wesentlicher heißer und damit auch intensiver würden als ein „normales“ Feuer. „Das wird ein großes Problem.“