Busunternehmer fühlen sich beim neuen Nahverkehrsplan ausgebremst

von Redaktion

Vorwurf: „Wir wurden nicht wirklich eingebunden“ – Angeblich hohe finanzielle Unsicherheiten für Stadt und Landkreis

Rosenheim – Sie fahren seit Jahrzehnten quer durch Stadt und Landkreis Rosenheim – und würden das gerne weiter wie bislang tun. Der neue Nahverkehrsplan, der am 20. November im Kreistag verabschiedet werden soll, lässt bei den Busunternehmen jedoch die Alarmglocken schrillen.

„Dieser Plan wurde erstellt, ohne dass wir als erfahrene Verkehrsunternehmer wirklich eingebunden wurden“, sagt Ingmar Töppel, Geschäftsführer der Firma Kroiss, die den Stadtverkehr in Rosenheim betreibt. Man könne aus der Praxis heraus mit eigenen Ideen dazu beitragen, wie sich das ÖPNV-Angebot in Stadt und Landkreis weiter verbessern ließe. „Das hat aber niemanden interessiert“, so Töppel im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Michael Schmidt, Niederlassungsleiter beim Regionalverkehr Oberbayern (RVO), unterstreicht dies: „Wir sind an das Planungsbüro herangetreten mit der Bitte, uns bei der Ausgestaltung des Konzepts zu beteiligen, aber das lief komplett ins Leere.“ Ein grundsätzliches Problem sieht Schmidt in der Forderung, es müsse „mehr gefahren werden“. Den unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Verbindungen würde man damit nicht gerecht.

Claudia Hollinger vom gleichnamigen Busunternehmen aus Bad Aibling bemängelt, dass es keine gemeinsamen Gespräche aller Beteiligten gegeben habe. „Dadurch war es nicht möglich, das Ziel aller zu verfolgen, einen besseren Nahverkehr für die Bürger zu schaffen“, sagt Hollinger.

Busunternehmer Gerhard Reiter aus Aschau sieht auch das Thema Kosten kritisch. „Die Summe, die im Nahverkehrsplan aufgeführt wird, reicht längst nicht aus, wenn es zu Ausschreibungen von Verbindungen kommt und neue Strukturen geschaffen werden müssen.“ Bislang würden er und seine Kollegen die Linien eigenwirtschaftlich betreiben und der Steuerzahler mit keinem Euro belastet. „Das wird sich bei Ausschreibungen ändern“, prognostiziert Reiter. Geht es nach den Busunternehmern, sollte das Paket Nahverkehrsplan nochmals aufgeschnürt und unter Praxisaspekten überarbeitet werden. „Das wäre aus unserer Sicht dringend geboten angesichts der finanziellen Unsicherheiten für die Stadt und den Landkreis“, sagt RVO-Mann Schmidt.

Dahin führt für Hans Zagler kein Weg. Er ist zusammen mit Herbert Hoch Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft. Diese koordiniert die Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis Rosenheim im Bereich Nahverkehr.

„Meiner Meinung nach wurden die Busunternehmer ausreichend eingebunden“, sagt Zagler, der für den Landkreis zuständig ist. „Es gab zu Beginn eine Anhörung und einen Arbeitskreis mit den Unternehmen, außerdem wurden Einzelgespräche mit ihnen geführt“. Die mit dem Nahverkehrskonzept verbundenen Mittel müssten im Wettbewerb vergeben werden. „Im Bereich des Münchner Verkehrsverbunds ist das längst üblich“, so Zagler.ama

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