Grüne Kreuze: Den Bauern reicht‘s

von Redaktion

Wie sich die Landwirte gegen Bürokratie und Diffamierung stemmen

Rosenheim – Bürokratisierung, strenge Auflagen, hohe Investitionen und geringe Gewinnmargen – schon in den vergangenen Jahren war das Leben vor allem für Landwirte mit kleineren Betrieben hart. Immer mehr Landwirten auch in der Region reicht‘s nunmehr. Zum Zeichen ihres Unmuts stellen sie grüne Kreuze auf. So wie Sepp Schauer, Landwirt in Tabing (Landkreis Traunstein). Er blickt mit gerunzelter Stirn in die Zukunft. „Wenn das so weitergeht“, sagt er, „dann sterben die kleinen Betriebe alle“. Landwirte, vor allem die kleinen, stehen seit Längerem unter Druck. Nun aber sehen sie sich auch noch zum Sündenbock gemacht. Deswegen protestieren sie, und sie laden zum Gespräch ein.

Schülerzahlen
sinken schon

Schauer ist mit seinem grünen Kreuz Teil einer Protestbewegung, die – von einem Landwirt in Nordrhein-Westfalen gestartet – auch vom Bayerischen Bauernverband unterstützt wird. Bauernpräsident Walter Heidl und sein Stellvertreter Günther Felßner demonstrierten mit einem grünen Kreuz sogar schon vor der bayerischen Staatskanzlei in München.

Josef Bodmaier, Kreisobmann der Bauern im Landkreis Rosenheim, bringt es auf den Punkt: „Das ist ein ernster Hilfeschrei der Landwirte.“ Vor allem seit dem Volksbegehren „Artenvielfalt“. Das Image sei drastisch gesunken, sagt Bodmaier, an den Landwirtschaftsschulen seien derzeit gerade mal zwei Drittel der Schüler angemeldet, die man noch im vergangenen Jahr gezählt habe. Ein Schwund, den Bodmaier als ernsthafte zusätzliche Gefahr für „die ganzen schönen kleinbäuerlichen Familienbetriebe“ sieht.

Bodmaiers Kollege Matthäus Michlbauer, Obmann im Landkreis Traunstein, will in den niedrigen aktuellen Schülerzahlen noch keinen Trend sehen, sieht aber ebenfalls schwere Zeiten auf seien Berufsstand zukommen. Anders als im Landkreis Rosenheim hat die Grünkreuz-Bewegung östlich des Chiemsees schon richtig Fuß gefasst. Michlbauer hat selber Kreuze aufgestellt, sozusagen als Einladung zum Gespräch. „Vielleicht fragt ja jemand, wenn er‘s sieht.“

Den Bauern kommt allgemein der Austausch zu kurz. „Der Unmut und die Enttäuschung über die Politik sind sehr groß“, sagt Markus Drexler, Sprecher des Bayerischen Bauernverbands. „Ein zentraler Grund ist, dass Politik und Gesellschaft den Bauernfamilien und der gesamten Landwirtschaft enorme Veränderungen abverlangen, ohne dass dabei der Dialog gesucht wird und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen gesetzt werden.“ Er sieht die Bauern einseitig und unfair belastet und nennt als Beispiele das Agrarpaket der Bundesregierung, die Insektenschutz-Programme, die erneute Verschärfung der Düngeverordnung, das Mercosur-Handelsabkommen (Abkommen über den gemeinsamen Markt Südamerikas) und immer neue Auflagen bei der Tierhaltung. Manches kann man nur auf der großen Bühne lösen. Manches kann man auch schon auf der eigenen Flur in Angriff nehmen, findet Landwirt Schauer. „Viele Verbraucher wissen ja ganz genau, was der Landwirt machen muss. Aber so einfach ist das oft nicht. Es schimpfen so viele über so vieles“, sagt er und betont daher: „Die Kreuze sind auch eine Einladung zum Gespräch.“

Denkt regional, sagt
Landwirt Schauer

Traunsteins Bauern-Obmann Michlbauer sieht eine Entfremdung der Gesellschaft von ihren Bauern, und das nicht nur in den Städten. „Wer hat denn noch einen Bauern in der Familie?“, fragt er. Landwirt Schauer sieht sich da in einer Pionierrolle. Einen kleinen Betrieb führt er, schlecht gehe es ihm im Grunde nicht. „Wegen Ferien auf dem Bauernhof“, sagt er. „Wenn du gut bist, kannst du deinen Preis verlangen, anders als bei der Milch, wo dir der Preis vorgeschrieben wird.“

Landwirtschaft
besser vermarkten

Sepp Schauer sieht seine Ferienwohnungen nicht nur als Standbein, sondern auch als Werbeträger für seinen Stand. Wie könne man Landwirtschaft besser an die Menschen bringen? Schauer trommelt für sich und seine Kollegen: „Was ich meinen Gästen immer sage, auch denen aus Hamburg oder Berlin: Denkt regional, kauft regional bei kleinen Molkereien.“

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