Ist‘s jetzt aus mit reiner „Männersache“?

von Redaktion

Interview Dr. Marcel Huber lehnt es ab, Gemeinnützigkeit von Vereinen auf Genderfragen zu reduzieren

Tuntenhausen – Finanzminister Olaf Scholz will Männervereinen die Gemeinnützigkeit entziehen, wenn sie es ablehnen, auch Frauen aufzunehmen. Einer der ältesten Männervereine Bayerns ist der Katholische Männerverein Tuntenhausen. Seit 150 Jahren bedeutet Männersache hier „Kavalierssache für die christliche Kultur“. Im Interview erklärt Vereinsvorsitzender und CSU-Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber, warum Männer- und Frauenvereine historisch gewachsen und heute noch wichtig sind.

Herr Dr. Huber, wie
bewerten Sie den Vorstoß von Olaf Scholz?

Ich habe dafür kein Verständnis. Ich bin strikt gegen Diskriminierung. Aber in unseren Vereinen gibt es die auch nicht. Schließlich ist ein Verein ein Zusammenschluss von Menschen, die sich einem Vereinszweck verpflichten und das in ihrer Satzung verankern.

Ist das Begehren des Finanzministers rechtlich überhaupt vertretbar?

Vereinsrechtlich gesehen hat er keine Handhabe, da Vereinsrecht Landesrecht ist. Bei der Gemeinnützigkeit geht es allerdings um Steuerrecht, und das ist Bundessache.

Glauben Sie, dass die
Absprache der Gemeinnützigkeit auf Grundlage der Genderdebatte umsetzbar ist?

Das weiß ich nicht. Nur eines: Wenn er das durchsetzt, wird der Aufschrei groß sein. Nicht nur in Bayern.

Was würde das für die Männer- und Frauenvereine bedeuten?

Wir würden hier eine riesige Bürokratie anwerfen und die Gemeinnützigkeit der Vereine nicht mehr von ihrer tatsächlichen Arbeit, sondern von der Genderfrage abhängig machen. Und das geht an der Bedeutung der Vereine für unsere Gesellschaft völlig vorbei.

Warum gibt es in Bayern überhaupt getrennte Vereine für Männer und Frauen oder Mütter?

Das ist in Jahrhunderten historisch so gewachsen. Der Katholische Männerverein Tuntenhausen beispielsweise wurde vor 150 Jahren als Bayerisch-Patriotischer Bauernverein gegründet, war ein Instrument im Kulturkampf und eine Vertretung bäuerlicher Interessen. Sein Inhalt hat also nichts mit Männern zu tun, sondern mit politischen Inhalten. Heute ist es ein reiner Wallfahrtsverein, der zwei Wallfahrten im Jahr organisiert, an deren Vorbereitung und Durchführung sich natürlich auch Frauen beteiligen. Und kein Mensch fühlt sich diskriminiert.

Warum ist der Verein nicht gemeinnützig?

Weil er sich vor 150 Jahren nicht nach dem aktuell geltenden Vereinsrecht gegründet hat. Man müsste ihn heute in einen eingetragenen Verein umwandeln, aber das will keiner von uns, weil der Verein nie einer Vereinsstruktur bedurfte, und diese auch nicht erforderlich ist.

Glauben Sie, dass die
traditionell gewachsenen Strukturen in Bayern überlebt sind?

Man muss unterscheiden zwischen historisch gewachsenen Vereinen und jungen Vereinen und darf dabei auch den Vereinszweck nicht aus den Augen verlieren. Wo liegt beispielsweise der Fokus von Frauen- und Müttervereinen? Und würde es Sinn machen, wenn ich mich als Mann dort um eine Mitgliedschaft bemühe? Anders ist es bei den Feuerwehren. Vor 40 Jahren war es selten, dass Frauen aktiven Dienst taten. Heute werden es immer mehr. Das ist ganz normal.

Können Frauen
Männervereinen als passive oder fördernde Mitglieder angehören?

Dem stünde sicher nichts im Wege. Aber wie gesagt, jeder Verein regelt in seiner Satzung auch, wie er strukturiert sein will. Daran etwas zu ändern, obliegt jedem Verein selbst.

Welche Folgen hätte ein diesbezügliches staatliches Diktat für Vereine?

Es würde vor allem für Frustration sorgen. Vereine sollten selbst entscheiden, ob sie sich verändern wollen. Wenn das jetzt von Berlin oder Hamburg aus verordnet wird, kann es auf wenig Gegenliebe stoßen. Zwar wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird, aber wir werden darauf achten, dass unsere Vereine nicht gegängelt werden. Sie sind die Hauptakteure des kulturellen und sozialen Lebens. Und wer sie schwächt, gefährdet ein großes Stück bayerischer Kultur.

Interview: Kathrin Gerlach