Rosenheim – Gestern im Konferenzraum des Romed-Klinikums Rosenheim: Ein Film läuft ab. Er zeigt Darmgewebe, vereinzelt grünlich eingefärbt. Das sind jene Stellen, die wunderbar durchblutet sind. „Mit bloßem Auge lassen sie sich nicht erkennen“, verrät der Chefarzt der Allgemein-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am Romed-Klinikum Rosenheim, Professor Dr. Kai Nowak: „Nur anhand der Einfärbung ist das möglich“– und wird sichtbar gemacht durch eine faustgroße Spezialkamera, den das Unternehmen Stryke (Deutschland-Sitz Duisburg) entwickelt hat.
Chefarzt Nowak gilt als Pionier auf dem Gebiet des neuen Verfahrens und wurde gestern für seinen Einsatz und seine Leistung auf diesem Gebiet ausgezeichnet. Dabei war er anfangs, damals noch in Mannheim tätig, gar nicht begeistert. Aber es gab ein „Aha“-Erlebnis: Der Zustand einer jungen Frau, erkrankt an Dünndarmkrebs, suggerierte eigentlich ein Todesurteil. Mit dem (damaligen) Fluoreszenz-Laserverfahren konnte der Chirurg viele kleine Darmabschnitte erhalten. Die Frau überlebte und Nowak war für diese Technologie entflammt. Seit 2014 setzt er sie ein und hat seither zahlreiche klinische Studien zur Bedeutung der Fluoreszenzangiografie in der Darmchirurgie, Speiseröhrenchirurgie und der Schilddrüsenchirurgie durchgeführt. „Mit der neuen Technologie können wir deutlich präziser arbeiten und so das Ergebnis für unsere Patienten verbessern“, sagt der Experte. Das sei zum Beispiel bei Tumoroperationen am Darm oder der Speiseröhre entscheidend für die Heilung und die spätere Lebensqualität des Patienten. „Wir konnten bereits eigene Ergebnisse der Nahtheilung durch die Überprüfung der Durchblutung verbessern.“ Jetzt zeigten nationale und internationale Studien, dass sich die Komplikationsrate durch den Einsatz der Laserfluoreszenz bei minimalinvasiven und offenen chirurgischen Verfahren gesenkt hat. Diese Erfahrung machte auch das Romed-Klinikum Rosenheim. Vor diesem Hintergrund ist jetzt deren Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Thoraxchirurgie europaweit die erste als Referenzzentrum für Laserfluoreszenz. Damit hat das Romed-Klinikum Rosenheim eine Vorreiterrolle im Bereich der intraoperativen Bildgebung.
Warum ist die Darstellung von gut durchblutetem Gewebe so wichtig? Bei einer Darmkrebs-Operation zum Beispiel wird der 5,5 bis 7,5 Meter lange Darm verkürzt. Je näher die Operationsstelle aber am Enddarm liegt, desto größer die Gefahr für den Schließmuskel. Und niemand ist erpicht auf einen künstlichen Darmausgang. Patienten erhalten während der Operation durch die Vene einen fluoreszierenden Farbstoff verabreicht, der sich mit dem Bluteiweiß verbindet. Ein Infrarotlaser macht diese Verbindung sichtbar. Die speziellen Kameras werden bereits täglich an der Klinik für Allgemein-, Gefäß-, und Thoraxchirurgie bei offenen und minimalinvasiven Eingriffen eingesetzt.
Weniger Infektionsrisiko
Nowak zeichnet ein Situationsbild: Ein vorsichtiger Operateur entscheidet sich möglicherweise aber doch dafür, ein mutiger ist dagegen und riskiert vielleicht eine Infektion. Durch das seit 1. April 2018 am Romed-Klinikum Rosenheim angewandte Fluoreszenz-Laserverfahren kann der Chirurg abwägen und hat eine Entscheidungshilfe. Denn: Das durch die Laserkamera sichtbar gemachte durchblutete Gewebe markiert die Stellen, wo sich nach Herausschneiden von krankem Gewebe nun die beiden Darmenden gut vernähen lassen. Schlecht durchblutete Enden können womöglich wieder aufreißen.