Das Mantelherz

von Redaktion

Mitte November letzten Jahres begegnen mir mitten in der Fußgängerzone und auf der Rolltreppe im Kaufhaus auf einmal Kinder und Erwachsene, die ein kleines rotes Stoffherz auf ihren Jacken und Mänteln tragen. Das entlockt mir jedes Mal ein Lächeln, denn alle diese kleinen und großen „Herzträger“ müssen in der vergangenen Woche bei unserem Martinszug gewesen sein. Eine der Kindergartenmamis hatte die Filzherzen im Vorfeld liebevoll ausgeschnitten, die dann im Gottesdienst verteilt wurden. Das Mantelherz erinnert an die Legende vom heiligen Martin, der seinen roten Soldatenumhang mit einem armen Bettler geteilt hat.

Nachts wird ihm im Traum schließlich klar, dass er bei jeder Begegnung Christus selber gegenübersteht. Die Kinder lieben diese einfache Geschichte. Sie ermutigt uns, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, Not und Einsamkeit in unserer Umgebung zu sehen und das eigene Herz davon berühren zu lassen und folglich dann auch danach zu handeln, ohne zu hinterfragen, ob einem das selber etwas einbringt. Ich meine, nicht nur eine Geschichte für Kindergartenkinder. Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, dass ich immer wieder solchen „Lichtmenschen“ begegnen darf, wie der heilige Martin damals einer war. Unsere Laternenzüge heute sind mehr als nur „Kinderspaß“, sondern erinnern uns daran, dass wir das Licht unserer Liebe ebenso weitertragen sollen. Mein kleines rotes Mantelherz klebt jetzt übrigens schon ein ganzes Jahr am Drucker auf meinem Schreibtisch – damit ich es selber nicht vergesse!

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