Der König von Rosenheim

von Redaktion

Italienischer „Monarch“ eröffnet Office am Ludwigsplatz

Rosenheim – Sachen gibt‘s: Ein König gibt sich die Ehre in Rosenheim. Und dann noch einer mit eigenem Wappen, Hymne und Hofstaat, inklusive Diplomatenpass und Staatsgebiet. Sein Name: Don Marcello Maria I. Gentile, König und Souverän des Königreichs St. Peter und Paul.

Nie gehört? Fasching? Verfrühter Aprilscherz? Mitnichten. Seine Majestät gab sich die Ehre, um ein offizielles Büro seines Reiches in Rosenheim zu installieren. Am Ludwigsplatz. Erster Stock. Mit Blick auf den grünen Markt und die Nikolauskirche.

Und ganz nebenbei: die Eröffnung einer neuen Schönheitspraxis mit Wunderöl und Zahn-Bleaching. In den Nebenräumen des königlichen Büros – oder umgekehrt.

Geladen war zu beidem: zur Einweihung des „offiziellen Office“ des Königreichs von St. Peter und Paul in Deutschland – und zugleich zur Eröffnung des „S&R Center of Excellence“. Beides in den Räumen hoch über dem Ludwigsplatz – und mit einer entsprechenden Mischung aus Neugier, Verwunderung und Ratlosigkeit traten denn auch die zahlreichen geladenen Gäste über die Schwelle.

Glitzerlicht und
goldener Thron

Sie empfing: glitzernde Kronleuchter, wallende Gewänder – und im Eckbüro, stilecht unter einem prunkvollen Foto: der König auf seinem Thron. Natürlich vergoldet. Und wie es sich für einen echten König gehört: umrahmt von einer ganzen Menge Flaggen. In diesem Fall: drei seines Königreichs und des dazugehörigen Ritterordens, letzterer als NGO (Nichtregierungsorganisation) auf Malta gemeldet. Links vom König: die bayerische und die deutsche Fahne.

Mittendrin, auf rotem Samt: seine Majestät Don Marcello Maria I. Gentile. Ergrautes Haar, goldener Siegelring und würdevoller Blick. Im wirklichen Leben: Urologe und Professor in Neapel, beheimatet in Avellino. Heute: angereist als Souverän seines Königreichs, das, wie er versichert, von einem sizilianischen Gericht anerkannt ist. Seit 2013.

Und seine Ländereien? Die sind in der Antarktis zu finden, erklärt er, ohne eine Miene zu verziehen. Auch mit den genauen Koordinaten kann er aufwarten.

Und wie muss man sich das vorstellen? „Mein Königreich besteht aus Land, Wasser und Himmel“, erklärt er mit Stolz in der Stimme.

Jetzt befindet sich der König auf Expansionstour, will sein Reich bekannt machen. Dabei darf natürlich auch Deutschland nicht fehlen. In diesem Fall fiel die Wahl auf Rosenheim.

Wieso das denn? Weil eine so schöne kleine Stadt, so nette Leute, erwidert er im feinsten Italienisch. Und weil man eben gute Freunde hier habe: die Familie Postelnicu Gherasim. Rumänische Wurzeln, dem Königreich St. Peter und Paul verbunden, zuletzt mit einem offiziellen Büro in Vancouver/Kanada und seit gut einem Jahr in Rosenheim lebend.

Die Tochter: Dr. Sirona Postelnicu Gherasim. Ärztin, ästethische Chirurgin, so stellt sie sich vor. Sie will nun auf eigenen Beinen stehen. Mit einer Schönheitspraxis. Eine Geschäftsidee, die sich wunderbar mit „offiziellen“ Aufgaben verbinden lässt: dem Deutschland-Sitz des Königreichs St. Peter und Paul. Denn praktischerweise ist die Tochter Gouverneurin für Bayern und Baden-Württemberg. Die Mutter, Lady Elena Postelnicu Gherasim, Generalgouverneurin für die Bundesrepublik Deutschland.

Und deshalb ist nun auch ein stattlicher Schreibtisch mit schwerem Lederstuhl in einem der Praxisräume zu finden – von wo aus nun Deutschland „erobert“ werden soll. Man will „Gutes tun“, auch Spiritualität sei ihm wichtig, betont der König vor Ort. Zudem sei sein Reich überkonfessionell, nehme alle Religionen auf. Seine nächste Reise, kündigte er an, führe ihn nun nach Afrika. In Kenia wolle er eine Partnerschaft aufbauen. Eben Gutes tun.

Der Hintergrund des Ganzen: blieb offen. Unklar. Bei Nachfragen der Verweis auf die Homepage des Königreichs. Wo neben ausführlichen Informationen in allen Sprachen auch gespendet werden kann – an Königreich und Ritterorden. Akzeptiert werden alle Kreditkarten.

Im Rathaus der Stadt Rosenheim: Weiß man von alledem nichts. Deutschlandsitz? Königreich St. Peter und Paul? Nie gehört, zeigt sich Sprecher Christian Schwalm überrascht.

Irritation auch in höchsten diplomatischen Kreisen, beim Auswärtigen Amt in Berlin. „Wir unterhalten keine diplomatischen Beziehungen zu einem Königreich Saints Peter and Paul“, kommt es dazu nüchtern von Pressesprecher Ruben Schwarz.

Konsul Weyer: Den lassen wir hochgehen

Und auch in „Fachkreisen“ sorgt das Auftreten des neuen Königs geradezu für Entrüstung: Konsul Hans-Hermann Weyer, bekannter deutscher Titel-Händler und Experte in Sachen echtem und unechtem Adel, beurteilt König und Königreich gar als „selbst fabrizierte Angelegenheit“. „St. Peter und Paul“ sei ihm bis dato noch nie untergekommen – schließlich sei er die einzige Autorität auf diesem Gebiet, wie er betont. Der Konsul will nun nähere Informationen einholen, wie er im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erklärt. „Ansonsten lasse ich den Mann mit meinen guten Beziehungen hochgehen.“

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