Bad Aibling – Er heißt zwar Beaujolais-Empfang, doch die Gäste konnten statt Wein auch ein kühles Bier bekommen: Rund 150 Vertreter aus der heimischen Wirtschaft und Politik waren der Einladung des Wirtschaftsforums Mangfalltal ins B&O-Parkhotel nach Bad Aibling gefolgt. Sie nutzten die Gelegenheit, um sich zu aktuellen Themen auszutauschen und Kontakte zu pflegen. Neben dem gesellschaftlichen Miteinander stand auch die Verleihung mehrerer Preise auf dem Programm.
Sorgen wegen
Immobilienmarkt
In seiner Begrüßung erinnerte der Vorsitzende des Wirtschaftsforums, Roland Bräger, an die herausragende Bedeutung des Mittelstands für die deutsche Wirtschaft. Hierzulande seien Familienunternehmen eine zentrale Stütze der Wirtschaft. „Die ganze Welt beneidet uns um unseren Mittelstand“, betonte der Redner, der beruflich als Direktor der Schlossbrauerei Maxlrain fungiert. „Hier geht es um Lebensaufgaben, die der Gründer für sich und nachfolgende Generationen geschaffen hat.“ Er hob außerdem die Wichtigkeit der dualen Ausbildung in Deutschland hervor. „Diese Verbindung von Theorie und Praxis ist einzigartig, sie macht uns so erfolgreich“, sagte Bräger.
Sorgen bereitet ihm der regionale Immobilienmarkt. „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum. Quadratmeterpreise von zwölf Euro und mehr können sich viele Arbeitnehmer nicht leisten.“ Vor diesem Hintergrund brachte Bräger die Gründung einer Wohnungsbaugenossenschaft ins Spiel, die preiswerten Wohnraum für Arbeitnehmer schaffen soll.
Im Anschluss wurden sieben ehemalige Auszubildende aus der Region für ihre hervorragenden Leistungen ausgezeichnet. Jeweils ein mit 250 Euro dotierter Förderpreis ging an Diana Eggerl aus Kolbermoor (Kauffrau im Gesundheitswesen, Ausbildung Schön Klinik Harthausen), Andreas Mainwolf aus Fischbachau (Land- und Baumaschinenmechatroniker, Eder GmbH Tuntenhausen), Christine Bergener aus Bad Feilnbach (Maßschneiderin für Damen, Trachteria Bad Aibling), Myriam Steinberger aus Kolbermoor (Verwaltungsfachangestellte, Stadt Kolbermoor), Johann Bernpaintner aus Bruckmühl (Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Peter Prankl Rosenheim), Maria Baumann aus Großkarolinenfeld (Industriekauffrau, Neenah Gessner GmbH Feldkirchen-Westerham) und Leonie Baumgartner aus Feldkirchen-Westerham (Raumausstatterin, Raumausstattung Alfons Bauer in Bruckmühl). Da Letztere nicht persönlich anwesend sein konnte, nahmen ihre Eltern stellvertretend für sie den Preis entgegen.
Über die Auszeichnung mit dem Wirtschaftspreis 2019 durfte sich der Unternehmer Dr. Ernst Böhm freuen. Er ist Geschäftsführer der B&O-Gruppe, die in Bad Aibling ihren Sitz hat. In seiner Laudatio würdigte der CSU-Landtagsabgeordnete Otto Lederer den Preisträger als „echten Selfmademan“, der aus einem einstigen Dachdeckerunternehmen den erfolgreichsten Dienstleister der deutschen Wohnungswirtschaft geformt habe. Dabei sei Böhm als Jurist ein Quereinsteiger in die Handwerksbranche gewesen, erinnerte Lederer an die Anfänge des Unternehmers.
Herausragend für das Bild von Bad Aibling sei die Verwandlung des ehemaligen Kasernengeländes in Mietraching in eine „Nullenergiestadt“. „Sie haben sich als visionärer Bauträger erwiesen, der nicht einfach ein Projekt in die Gegend stellt und dann wieder verschwindet“, so Lederer. Vielmehr habe Böhm der Stadt Bad Aibling ein höchst attraktives Gesicht gegeben.
Auch Bürgermeister Felix Schwaller (CSU) lobte Böhm in höchsten Tönen. „Als er uns sein Projekt vorgestellt hat, wusste ich gleich, der bleibt uns“, erinnerte sich das Stadtoberhaupt. „Sie sind da ein enormes Risiko eingegangen, da gehört schon Schneid dazu“, sagte Schwaller.
Preisgeld
gestiftet
Böhm blickte in seiner kurzen Dankesrede ebenfalls auf die Anfänge des Projektes in Mietraching zurück, die nicht einfach gewesen seien. „Es ist nicht selbstverständlich, dass daraus etwas geworden ist. Daran waren viele Köpfe beteiligt“, sagte Böhm. Er sehe derzeit erst etwa die Hälfte seiner Pläne für das Areal verwirklicht. „Wir wollen auf dem Gelände weiteren Wohnraum für Familien schaffen. Außerdem möchten wir unsere Kooperationen mit der Wissenschaft bei der Erforschung von Baumaterialien intensivieren“, kündigte Böhm an. Zudem könne es sein, dass ein international tätiger Großinvestor einsteige, deutete er an. Das Preisgeld in Höhe von 2500 Euro stiftete der Unternehmer übrigens an die Raphael-Schule, die ihren Sitz auf dem B&O-Gelände hat.