Wieder mehr Schwalben im Landkreis

von Redaktion

Mitglieder des Landesbundes für Vogelschutz zählen 410 Nester

Rosenheim – Schwalben zählen zu den beliebtesten Vogelarten. Doch der Bestand sinkt: Aufgrund des knappen Nahrungsangebotes, der Versieglung innerörtlicher Flächen und der schwierigen Suche nach Nistmöglichkeiten verschwinden die Vögel nach und nach aus der Stadt. Im Landkreis ergibt sich ein anderes Bild. Ein Rückblick auf ein erfolgreiches Schwalbenjahr – während die Vögel in wärme Gefilde gen Süden geflogen sind.

Überraschendes Ergebnis im Landkreis

Jürgen Paris kennt sich aus mit Schwalben. Der Kolbermoorer ist ehrenamtlicher Naturschutzwächter beim Landratsamt Rosenheim, kümmert sich um dieSchwalben, Amphibien, Wiesenbrüter und Ameisen im Landkreis. Er ist für die Bereiche Rott, Großkarolinenfeld, Tuntenhausen und das Schutzgebiet Tongrube Kolbermoor zuständig, schaut immer wieder nach dem Rechten. Jetzt führte er eine Schwalben-Nesterzählung durch – mit einem überraschenden Ergebnis. „Im Landkreis gibt es viel mehr Schwalben als noch vor zwei Jahren“, sagt Paris, untermauert seine Aussage mit einer Fülle von Zahlen. So zählten Mitglieder des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) vor zwei Jahren gerade einmal 30 Standorte mit 147 Bruten. Davon 82 Nester Mehlschwalben und 65 Brutnester mit Rauchschwalben. Ein komplett anderes Bild zeigt sich zwei Jahre später. Laut Paris gibt es an den selben 30 Standorten mittlerweile schon 410 Nester, davon sind 222 Nester von Mehlschwalben und 188 von Rauchschwalben bewohnt. Zusätzlich wurden 16 weitere Standorte aufgenommen. „Insgesamt haben wir im Landkreis 460 Bruten von Mehlschwalben und 374 von Rauchschwalben“, sagt Paris. Gründe für diesen positiven Trend gebe es einige sagt er. Während sich in der Stadt viele Menschen am Kot und an dem Brutverhalten der Vögel stören, haben gerade die Landwirte im Landkreis mehr Verständnis, lieben die Schwalben und dulden die Verschmutzung.

Ein Teil des Zuwachses könnte auch durch die Flucht der Schwalben aus inzwischen aufgegebenen Bauernhöfen und nicht mehr attraktiven früheren Brutplätzen erfolgt sein, sagt Paris. Trotzdem ist er sich sicher: „Wir haben den erfreulichen Schwalben-Zuwachs vor allem den Bauern zu verdanken. Es seien hauptsächlich die offenen Ställe der Bauern, die den Vögeln Nistmöglichkeiten bieten. Besonders bei den Kühen scheinen sich die Schwalben pudelwohl zu fühlen. Auch hier sprechen die Zahlen für sich: 42 der 46 Standorte an denen genistet wird, sind Ställe von Landwirten mit Rinderhaltung.

Jürgen Paris freut das. Trotzdem fürchtet er, dass sich diese Situation in den nächsten Jahren ändern wird. „Wenn Landwirte ihre Ställe aufgeben oder sich offene Laufställe anschaffen, gehen Nistmöglichkeiten verloren.“ Doch noch ist das Bild ein anderes, ein positiveres. Auch wegen der Arbeit von Jürgen Paris. Der Naturschutzwächter besucht die Bauern, beantwortet Fragen und klärt die Landwirte über spezielle Nisthilfen für offene Laufställe auf, um einen zusätzlichen „Wohnraum“ für die Schwalben zu schaffen.

Wer eine solche Nisthilfe aufhängt, bekommt von Paris eine offizielle Plakette mit der Aufschrift „Hier sind Schwalben willkommen. Schwalbenfreundliches Haus“. Paris hofft, dass er viele solcher Plaketten verteilen kann – und wünscht sich noch mehr Schwalbenzugänge im Landkreis.

Mehr Infos

Da noch nicht alle Nester im Landkreis Rosenheim erfasst sind, wird darum gebeten, Nester an Jürgen Paris zu melden. Doppelmeldungen werden berücksichtigt. Telefon: 0171/5015349. Unter dieser Nummer gibt es auch Auskünfte über Nisthilfen.

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