Rosenheim – Verantwortlich für das Ausstellungsdesign bei „Saurier – Giganten der Meere“ im Lokschuppen ist das Atelier „Hammerl & Dannenberg“ in München. Das Motto des Teams: Wissen und Geschichte(n) für den Besucher zum Leben erwecken. Den Museumsbesucher in eine vielleicht längst vergangene Zeit zu entführen oder aber über aktuelle Geschehnisse aufzuklären. Ihn eintauchen zu lassen in verborgene Welten, ihn zu begeistern für Kunst, Kultur und Wissenschaft, alte Baudenkmäler und Kulturgüter. Wie sie das machen, haben Tanja Hammerl und Aaron Jungblut-Klemm im Interview verraten.
Wie sind Sie dazu gekommen, Ausstellungen zu bauen?
Tanja Hammerl: Unser Atelier hatte das Glück, seit der Gründung 1998 immer schon Ausstellungen gestalten zu dürfen. Durch die Arbeit als Szenografin bei Film und Theater lag es für mich nahe, auch Ausstellungen zu inszenieren. In den frühen Jahren unseres Schaffens war es jedoch noch nicht so alltäglich, Ausstellungen in dem großen Maß wie heute inszenieren zu können. Wir finden es sehr spannend, wie sich die Welt der Museen und Ausstellungen verändert. Man braucht immer wieder neue Ideen, um außergewöhnliche Atmosphären schaffen zu können, denn der Besucher wird immer anspruchsvoller, was nicht zuletzt an der Entwicklung der Medien und Sehgewohnheiten im alltäglichen Leben liegt.
Das Thema steht fest: „Saurier – Giganten der Meere“. Wie packen Sie dieses Thema an und was sind die einzelnen Schritte beim Ausstellungsbau?
Aaron Jungblut-Klemm: Am Anfang jeder Ausstellung stehen immer die Hauptprotagonisten, die Exponate. Im ersten Schritt studiert man die Exponate, lernt viel über deren Hintergrund und Inhalte, sowie die Geschichte zu dem jeweiligen Thema. Hat man all dies gelernt und verinnerlicht, geht es im nächsten Schritt darum, die Geschichte zu finden, die man erzählen möchte. Die sogenannte Konzepterstellung gestaltet man zusammen mit dem wissenschaftlichen Kurator und dem Projektteam des Lokschuppens. Nur durch diese intensive, spannende und kreative Zusammenarbeit findet man die passende Geschichte und Gestaltung zu den Exponaten.
Und wie geht es weiter?
Jungblut-Klemm: Steht der rote Faden für die Ausstellung, geht es um die Detaillierung der einzelnen Bereiche. Langsam nimmt die Architektur Formen an, die Vitrinen, ein sensibler Bereich, werden geplant und alle Exponate werden verortet. Dann gilt es die großen Modelle zu positionieren, um die sogenannten Lebensrauminszenierungen perfekt in Szene zu setzen. Grafische Elemente, die Erarbeitung von Medieneinheiten, die perfekte Ausleuchtung und der passende Sound sind weitere wichtige Gestaltungseinheiten. Nur durch das Zusammenspiel all dieser Elemente wird die Ausstellung zu einer perfekten Inszenierung und lässt den Besucher in lang vergangene Zeiten „eintauchen“.
Was ist für Sie dann der wichtigste Moment?
Jungblut-Klemm: „Am spannendsten ist natürlich die Zeit des Aufbaus. Die Modelle aus Italien werden angeliefert und es ist wunderbar, den Tieren persönlich Aug in Aug gegenüberstehen zu können. Die ersten Originalobjekte werden angeliefert und der Augenblick, wenn die erste Kiste mit den Originalen geöffnet wird, ist nicht zu beschreiben. Man ist tatsächlich immer wieder richtig aufgeregt. Dann geht es an das Bestücken der Vitrinen, die Hängung der großen Modelle und viele weitere Arbeitsschritte. Tag für Tag kommt man dem Ziel näher und die Ausstellung wächst. Natürlich gibt es auch einmal die ein oder andere Herausforderung und man muss sogar kurzfristig vor Ort umplanen, aber all dies macht den Reiz des Aufbaus auch aus!
Mit der Lichtinszenierung verleiht man der Ausstellung dann noch die besondere Atmosphäre.
Welche Sinne sprechen Sie bei den Besuchern an, und mit welchen Mitteln?
Hammerl: Bei einer solchen Ausstellung möchten wir alle Sinne der Besucher ansprechen: Sehen, fühlen und hören. Der Besucher soll in die jeweilige Geschichte, Zeit und Atmosphäre des Ausstellungsthemas förmlich eintauchen, ja und eintauchen ist das richtige Stichwort für die Ausstellung „Saurier-Giganten der Meere“. Die Stilelemente dafür sind die Architektur, der Sound, das Licht und die Materialien.
Die Architektur mit ihrer organischen und dynamischen Form steht für die „eingefrorene“ Zeit! Im Auftakt wird der Besucher durch die Projektion einer dynamischen Wasserwelle in die Vergangenheit „gespült“. Diese Bewegung spiegelt sich in der Bewegung der Architektur wider. Die verwendeten Materialien und Farben sprechen ebenso die Sinne an.
Die schwarzen Wände und Vitrinen sind die perfekte Bühne für die Objekte. So schweben sie förmlich im Raum. Die inszenatorische Raumakustik führt den Besucher während des Rundgangs immer wieder durch die verschiedenen Atmosphären der Urmeere. Das Licht unterstreicht jeden Bereich und dezente Wassereffekte tauchen den Lokschuppen in die unbeschreibliche Unterwasserwelt des Erdmittelalters.
Früher bestanden viele Ausstellungen aus Exponaten, die in aufgereihten Vitrinen den Besuchern präsentiert wurden. Was braucht es heute zusätzlich, um Besucher anzulocken?
Jungblut-Klemm: Die Besucher suchen ein besonderes Erlebnis. Ich denke, mit unserem Paläoaquarium ist uns das durchaus gelungen. Auf einer Länge von zwölf Metern und einer Höhe von vier Metern blickt der Besucher in ein Aquarium aus vergangener Zeit. Es scheint, als würden die Saurier leibhaftig im Lokschuppen herumschwimmen. Zudem finden wir, dass der Sound ein wichtiges Stilmittel für die Anziehungskraft einer Ausstellung ist. Und nicht zuletzt sind es die Ausstellungseinheiten, bei denen der Besucher etwas fühlen kann, wo er Dinge ausprobieren und sein Wissen vertiefen kann. Die sogenannten Hands-On-Stationen. Hier kann ich Häute fühlen, darf Zähne von Sauriern anfassen, ich kann einen Saurier röntgen und vieles mehr.
Was ist für Sie selbst das schönste Erlebnis beim Besuch der Ausstellung „Saurier – Giganten der Meere“ im Lokschuppen?
Hammerl: Ich bin fasziniert von allen Originalen, aber für mich persönlich ist der Meteorit mein Lieblingsstück. Jedes Mal, wenn ich im Rosenheimer Lokschuppen bin, muss ich mir bei ihm ein bisschen Kraft abholen, indem ich ihn kurz anfasse, denn das darf man bei diesem Objekt ausnahmsweise. Auch der „Raum der Stille“ ist einer meiner Lieblingsorte, denn hier kann man kurz über die Welt, die Zeit und unsere Geschöpfe reflektieren.