Die Maut ist Geschichte

von Redaktion

Aufatmen bei Politikern und Bewohnern der Region Kiefersfelden-Kufstein

Kiefersfelden/Kufstein – Mit dem gestrigen Sonntag ist die langjährige lästige Mautpflicht auf der Inntalautobahn zwischen der deutsch-österreichischen Landesgrenze bis Kufstein-Süd Geschichte. Und das wurde mit einem großen Fest an der ehemaligen Grenzstation in Kiefersfelden mächtig gefeiert.

Fast schien es, als würde auch der Herrgott die Entscheidung der österreichischen Landesregierung begrüßen, denn der schickte seine strahlenden Grüße zur alten Zollstation an der Staatsstraße 2089, die für die Feierlichkeiten auf beiden Seiten gesperrt worden war. Vor allem die Bewohner der Region Kiefersfelden-Kufstein versprechen sich von der Aufhebung der Maut eine erhebliche Entlastung der – durch den enormen Maut-Ausweichverkehr hervorgerufenen – Verkehrsbelastungen inner- und außerorts.

Alle Befürchtungen
von 2013 eingetroffen

Musikalisch begrüßt von der Musikkapelle Kiefersfelden, lauschten die vielen Besucher gespannt den an der Entscheidung maßgeblich Beteiligten. Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel blickte zurück auf die Tage im September 2013, „als wir alle auf der Autobahn standen und damals gegen die Aufhebung der Maut protestierten und der Ausweichverkehr begann. Leider sind alle unsere Befürchtungen in einem Ausmaß eingetroffen, das unsere Bevölkerung an den Rand der Verzweiflung gebracht hat. Aber wir haben jetzt den politischen Rückenwind durch die österreichischen Neuwahlen gespürt und es letztlich geschafft.“

Der Kiefersfeldener Rathauschef Hajo Gruber sprach vom „Erfolg, der viele Mütter und Väter hat“. Er dankte „allen Unterstützern in dieser Sache“ und blickte noch ein letztes Mal zurück „auf die über alle Maßen nicht mehr ertragbare Situation und die dadurch befürchtete Gefahr möglicher nachbarlichen Zwistigkeiten“, die durch den Mautausweichverkehr entstanden war. „Aber wir haben alle zusammengehalten und letztlich so auch in Berlin und Wien endlich Gehör gefunden“. Er wusste von den enormen Belastungen der Bevölkerung und „darum ist dieses Fest vor allem ein Fest für die Menschen in der Region“, denen er für „die zurückliegende Zeit Mut und Engagement, aber auch eine große Leidensfähigkeit“ attestierte.

Daniela Ludwig, Bundestagsabgeordnete der CSU, konnte sich keinen besseren dritten Advent wünschen, denn jetzt sei diese grenzpolitische Krücke beseitigt. „Wir haben einen großen Schritt gemacht, aber es müssen noch viele weitere folgen.“ Ingrid Felipe (Die Grünen), Landeshauptmann-Stellvertreterin von Tirol, bezeichnete es ebenfalls als „eine große Freude, hier und jetzt dabei sein zu dürfen“. Das Ende der Mautpflicht auf der Strecke bis Kufstein-Süd ist für sie „im Wesentlichen ein Verdienst der beiden Bürgermeister aus Kiefersfelden und Kufstein und der Bürger, die dafür lange Jahre gekämpft haben. Aber getan ist unsere Arbeit“ ihrer Meinung nach „noch lange nicht“. Dabei spielte sie hauptsächlich auf die von deutscher Seite weiterhin durchgeführten Grenzkontrollen an. Doch wenn dieses Problem politisch nicht gelöst werden kann, „dann meldet Ihr Euch halt wieder“, lautete ihr Aufruf zur politischen Mitarbeit an die vielen aufmerksamen Zuhörer. Die applaudierten den anwesenden Politikern und ließen es sich danach gut schmecken. Leberkässemmeln und wärmende Getränke standen ausreichend zur Verfügung – spendiert von der Gemeinde Kiefersfelden und der Stadt Kufstein.

Umfrage

Tirol hat geliefert, was soll von deutscher Seite folgen?

CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig: „Wir sind zufrieden, sehen zunächst das Gute für beide Seiten. Aber es sind noch nicht alle verkehrspolitischen Probleme gelöst, denn die Grenzkontrollen bleiben auf unserer Seite noch bestehen. Nach dem guten Schritt müssen weitere getan werden und die Gesamtthematik an der Grenze bleibt weiter unser Topthema.“

Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe (Die Grünen): „Mit der jetzigen Situation ist vieles erreicht, vor allem durch die Arbeit der Bürgermeister in der Grenzregion. Aber wir müssen zurück zum Schengener Abkommen, das heißt, die Abschaffung der stationären Grenzkontrollen auf deutscher Seite. Die Schaffung einer dritten Abfertigungsspur löst dieses Problem meiner Meinung nach nicht. Warum nicht eine verstärkte Schleierfahndung in Deutschland? Alle weiteren verkehrspolitischen Anstrengungen hier in der Region werden wir auch in Zukunft kooperativ angehen.“

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